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Rumänische Parkettlegerschule nach Vorbild der Berufsschule Neustadt/Aisch

Grenzen öffnen - "Fara Frontiere"

Für Parkettleger gibt es in Europa nicht nur unterschiedliche Berufsbezeichnungen, sondern auch verschiedene Ausbildungswege. Seit zwei Jahren läuft eine enge Zusammenarbeit zwischen der Berufsschule Neustadt/Aisch und rumänischen Parkettexperten um Marius Filipascu. Ziel ist die Gründung einer Fachschule für Parkettleger in Rumänien. Studiendirektor und Fachbetreuer für den Bereich Holz, Josef Heller, berichtet über die Fortschritte dieser Zusammenarbeit.

Landestypische Unterschiede in der Parkettverlegung und der Ausbildung zum Parkettleger werden immer wieder beim europäischen Parkettlegerwettbewerb sichtbar, der seit 1997 regelmäßig veranstaltet wird. Alle zwei Jahre treffen sich in wechselnden Ländern Jugendliche aus dem Parkettbereich und messen ihre Fertigkeiten in einem zweitägigen Wettbewerb. Ziel dabei ist, Jugendliche verschiedener Nationen zusammenzubringen und die Arbeitstechniken und Ausbildungssysteme anderer Länder kennen zu lernen.

Bei der vorletzten Veranstaltung 2006 in Neustadt/Aisch war auf Einladung des Parkettschleifmaschinenherstellers Lägler eine rumänische Delegation zu Gast in der dortigen Berufsschule. Delegationsleiter Marius Filipascu hatte anlässlich dieses Besuchs den Entschluss gefasst, beim nächsten Wettbewerb mit einer Mannschaft an den Start zu gehen und zudem nach dem Neustädter Vorbild in Rumänien eine Schule zu eröffnen.

Lehrerausbildung in Neustadt

Marius Filipascu ist ein Mann der Tat: Im Januar dieses Jahres nahmen bereits zwei junge rumänische Parkettleger am Wettbewerb in Salzburg teil. Im Februar und März 2008 ließen sich drei rumänische Fachleute aus dem Parkettbereich für fünf Wochen an der Schule in Neustadt Lehrinhalte vermitteln. Dr. Andrea Mircea, Constantin (Puiu) Cadar und Ioan (Bobi) Bodor investierten viel Zeit, um sich an der Berufsschule ausbilden zu lassen. Sie nahmen am theoretischen Unterricht teil, verlegten im praktischen Unterricht Parkett- und Bodenbelagsmuster und konnten erste Erfahrungen mit Schülern sammeln. Die Wochenenden nützten sie zum Teil für die Weiterbildung bei Firmen oder bei Tagungen. Und auch das Kollegium der Berufsschule Neustadt/Aisch nahm diese zusätzliche Aufgabe als Herausforderung an.

Nachdem aber in Rumänien bei den staatlichen Stellen die in Deutschland bewährte Form der Ausbildung keinen Anklang findet, versucht Marius Filipascu, nun in Eigeninitiative eine Schule zu gründen. Um den Unternehmern in seinem Land diese Form der Ausbildung schmackhaft zu machen, reiste er mit 20 Betriebsinhabern nach Neustadt. Vom 1. bis 5. Juni 2008 nahm die große Delegation am theoretischen und praktischen Unterricht teil. Sie erlebten, wie Gesellenprüfungen abgenommen und wie Fachkräfte aus der Industrie in den Unterricht eingebunden werden. Sie erhielten durch Fachfirmen aktuelle Informationen zum Kleben, Schleifen und zur Oberflächenbehandlung.

Die Zusammenarbeit mit den Rumänen wird von den Sponsoren Lägler, Mapei, Vermeister und Stauf gefördert. Maßgeblichen Anteil an der Organisation der bisherigen Treffen hat Heinz Brehm, Bundeslehrlingswart und Präsident der "Europäischen Förderung der Ausbildung für Parkettleger und Fußbodentechnik e.V.".

Marius Filipascu wird mit seinen Kollegen die Umsetzung der Ideen weiter mit großer Ernsthaftigkeit und Zielstrebigkeit angehen. Die Schule soll noch in diesem Jahr eröffnet werden. Bereits jetzt wurden die Schulleitung und die Kollegen aus der Parkettabteilung in Neustadt/Aisch zu einem Gegenbesuch nach Rumänien für das kommende Schuljahr eingeladen. Für die Neustädter Schule ist die Zusammenarbeit mit den Rumänen ein Modellprojekt, das auch auf andere Nationen übertragen werden kann.
aus Parkett Magazin 05/08 (Wirtschaft)