Vertriebene Jesidinnen knüpfen kreative Teppiche


Im Norden Iraks ist eine kleine Teppichknüpf-Gemeinschaft für vertriebene kurdisch-jesidische Frauen entstanden; ins Leben gerufen hat sie die Internationale Organisation für Migration (IOM). Die Knüpfgemeinschaft befindet sich im Lager Khanke in der nordkurdischen Stadt Dohuk. Die Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) hatte die Kontrolle über die Heimatregion der Jesidinnen übernommen und dort 2014 viele Menschen getötet. Zahlreiche Frauen verloren ihre Ehemänner und flohen in den Nordirak. Durch das Knüpfen von Teppichen im Lager Khanke knoten sie ihr Leben buchstäblich wieder zusammen und schaffen dabei faszinierende Teppiche, die die Lebenswege und Gefühle der Frauen widerspiegeln. Einige wühlen auf (wie etwa ein beeindruckendes Exemplar, auf dem mehrere Frauen mit Augenbinden zu sehen sind), andere wirken fröhlich und voller Hoffnung. Und alle Teppiche stehen zum Verkauf.

Die Khanke-Teppichknüpf-Gemeinschaft wurde mithilfe der IOM, der Provinzregierung von Dohuk und Geldern aus Deutschland gegründet, um die Frauen zu stärken und ist die erste Form von Unterstützung, die diese Frauen erhalten. Darüber hinaus fördert das Projekt die kurdisch-jesidische Kultur und ihre Traditionen, unter anderem dadurch, dass hier umweltverträgliche Materialien aus der Region auf traditionelle Art verarbeitet werden. Ganz wichtig: Die Gemeinschaft wird von den Jesidinnen selbst organisiert. In Zukunft soll das Projekt weiter ausgebaut werden.

Zurzeit stellen rund 30 Frauen in Khanke die Teppiche her und verspinnen die Wolle, dafür bekommen sie ein Gehalt. Die Gemeinschaft wurde von der Pandemie hart getroffen; inzwischen geht die Arbeit in der Manufaktur aber weiter, und die Verkäufe nehmen zu. Kontakt zu dem Projekt erhält man über Instagram. Dort findet man auch viele Teppichbilder und einen Link zum Katalog. Instagram ist bisher der einzige Marketing- und Verkaufskanal der Jesidinnen; Bestellungen lassen sich über Direktnachrichten aufgeben. Die Frauen fertigen die Teppiche auch in Wunschmaßen bis zu einer Größe von 200 x 300 cm an; das dauert je nach Größe und Design zwischen 15 Tagen und 6 Monaten.

Die handgefertigten Teppiche sind trotz Versand aus dem Irak gut bezahlbar. Für Einzelhändler bietet es sich an, mehrere kleine Exemplare für eine Mini-Ausstellung zu kaufen, die einerseits die Geschichte der knüpfenden Frauen erzählt und andererseits die Möglichkeit bietet, Teppiche in Wunschgrößen anfertigen zu lassen.

Kontakt über Instagram: https://www.instagram.com/haanddmades•
aus Carpet! 04/20 (Teppiche)