Uzin Utz: Interview mit dem Produktmanagement und der Entwicklungsabteilung

Mit verbesserter Kennzeichnung zum richtigen Produkt


Die Forschungs- und Entwicklungsabteilung ist das Herzstück des Verlegewerkstoffherstellers Uzin Utz. Gemeinsam mit dem Produktmanagement werden dort neue Produktideen entwickelt und umgesetzt. Den hohen Stellenwert von F&E in Ulm kann man auch an dem 2011 für 3,5 Mio. EUR errichteten Neubau ablesen. FussbodenTechnik sprach mit Dr. Johannis Tsalos, Leiter Forschung und Entwicklung Uzin Utz und Manfred Scherb, Leiter des Uzin Produktmanagements über Sortimentserweiterungen, Neuprodukte und eine Kennzeichnung für Bauprodukte.

FussbodenTechnik: FT hat mehr als 1.500 Objekteure nach ihrem Votum befragt. In allen vier Rubriken zum Thema Verlegewerkstoffe (Grundierung, Spachtelmasse, Klebstoff und Trockenklebstoff) landete Uzin auf Platz 1. Was bedeutet Ihnen bei Uzin Utz dieser Erfolg?

Manfred Scherb: Der Gewinn ist Anerkennung unserer Arbeit und des Teamworks der verschiedenen Abteilungen, die sehr eng zusammenarbeiten. Der 4-fache Gewinn bestätigt uns, dass wir die Anforderungen, welche an unsere Produkte gestellt werden, sehr genau kennen. Dabei stehen die Bedürfnisse des Verarbeiters immer im Fokus.

Dr. Johannis Tsalos: Diese Preise sind der beste Beweis, dass wir nicht nur herausragende Produkte entwickeln, sondern diese auch beim Kunden akzeptiert sind und einen Mehrwert für ihn liefern. Ein klarer Beleg, dass sich Uzin nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht hat.

FT: Welchen Stellenwert hat F&E in ihrem Unternehmen?

Dr. Tsalos: Die Forschung und Entwicklung hat einen hohen Stellenwert in unserem Unternehmen, da dadurch maßgeblich unsere Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft garantiert wird. Innovationen sind das A und O. Wir erkennen Trends frühzeitig und generieren Unterscheidungsmerkmale hinsichtlich der Produktqualitäten. Dafür muss man viel Zeit und Kapital investieren. Beleg dafür ist unser neu gebautes F&E Zentrum, das 2011 für 3,5Mio.EUR fertig gestellt wurde.

Scherb: Und bei unseren Kunden kommt das draußen auch an: Wir entwickeln und produzieren hochwertige Produkte mit konstant hohem Qualitätsniveau über Jahre hinweg. Die Basis hierfür ist unser Bereich F&E.

Dr. Tsalos: Um unser hohes Niveau beizubehalten, haben wir ein strukturiertes Innovationsmanagement initiiert. Zum einen heißt dies neue Prozesse einzuführen, um möglichst viele Mitarbeiter abteilungsübergreifend frühzeitig in den Innovationsprozess mit einzubeziehen. Daneben ist es geplant, bereichsübergreifend Fachleute sowie Kunden strukturiert in den Innovationsprozess aktiv mit einzubinden.

Eine Vision von mir ist es, ein sabbatical for innovation einzuführen. Das heißt Kollegen der F&E könnten für drei bis vier Monate ausschließlich einer bestimmten Innovation nachgehen, abgekoppelt vom Tagesgeschäft.

FT: Marktbegleiter werben damit, dass 5% des Umsatzes in F&E investiert werden. Können Sie eine Größenordnung nennen, wie viel Uzin Utz in F&E investiert? Wie viele Mitarbeiter hat Ihre Abteilung?

Dr. Tsalos: 2011 haben wir 5,2 Mio.EUR innerhalb der Uzin Utz Gruppe in die Forschung & Entwicklung investiert. Weltweit haben wir 78 Mitarbeiter und am Standort Ulm 43 Mitarbeiter, die sich der Entwicklung neuer Produkte widmen.

Resultat unserer Anstrengungen ist unsere sehr hohe Neuheitenquote: Mehr als die Hälfte unseres Umsatzes machen wir mit Produkten, die jünger als 5 Jahre sind.

FT: Wie viele Produkte entwickelt F&E im Schnitt pro Jahr? Wie lange dauert die durchschnittliche Entwicklung eines neuen Produktes?

Dr. Tsalos: Wir entwickeln circa 20 Produkte im Jahr markenübergreifend und für den weltweiten Einsatz. Wobei die Entwicklungszeit zwischen 12 und 24 Monaten liegt - je nach Komplexität, Anforderungsprofil und Neuheitsgrad des Produktes.

Scherb: Heruntergebrochen für die Marke Uzin bedeutet dies ungefähr 10 Produkte im Jahr, die wir im deutschsprachigen Raum auf den Markt bringen. Für andere Märkte kommen nochmals ca. 5 Produkte pro Jahr dazu, wobei hier die Tendenz auf Grund unserer internationalen Fokussierung stark steigend ist.

FT: Wie viele neu entwickelte Produkte erreichen die Marktreife?

Dr. Tsalos: Fast alle Projekte, die wir in unsere Projektliste aufnehmen, landen auf dem Markt. Wir haben eine sehr intensive Diskussionsphase, bevor wir ein Projekt angehen bzw. eine Idee wieder verwerfen. Eher visionäre Projekte gehen in unseren Innovationsprozess ein und werden hier separat vom Tagesgeschäft behandelt.

FT: Welche Trends sehen Sie neben der schnellen Verarbeitung bei Verlegewerkstoffen? Welche Eigenschaften müssen diese zukünftig haben?

Scherb: Das Thema emissionsarme Produkte wird uns auch in der Zukunft begleiten, obwohl wir bereits ca. 90% aller Produkte nach dem höchsten Level EC 1 Plus oder nach den Blauen Engel-Kriterien zertifiziert haben. Daneben ist die Maßbeständigkeit von Belägen ein nach wie vor diskutiertes Thema und die Belagsindustrie fordert Klebstoffe mit geringstem Resteindruckverhalten. Ein weiterer Trend: Die Produkte müssen eine hohe Sicherheitsreserve haben und dem Verarbeiter Zusatznutzen bringen.

Dr. Tsalos: Gefordert werden Produkte, die universell in allen Klimazonen weltweit verarbeitet werden können. Also muss z.B. ein Uzin KE 2000 S in Asien bei 90% relativer Luftfeuchte genauso gut funktionieren wie in Nordamerika bei 10 Prozent Luftfeuchte.

Daneben müssen die Produkte kürzere Renovierungszyklen begünstigen. Unsere Produkte werden in den nächsten Jahren schneller ausgetauscht werden. Wenn ich einen Klebstoff abschleifen muss, dann darf dieser nicht zu fest halten. Eine Vision sind schaltbare Systeme, das heißt Verlegewerkstoffe, die auf Knopfdruck nicht mehr kleben.

Und Verlegewerkstoffe mit einem hohen Anteil an natürlichen, nachwachsenden und recycelbaren Rohstoffen werden gefragt sein.

FT: Vor einem Jahr hörten wir, dass Uzin an einer Kennzeichnung arbeitet, dass auf den ersten Blick Aussagen zum Energieverbrauch etc. macht. Wie weit ist die Entwicklung?

Dr. Tsalos: Wir können seit geraumer Zeit quantifizierbar nachweisen, wie umweltfreundlich unsere Produkte sind und zwar mit der Veröffentlichung der ersten EPDs für Verlegewerkstoffe. Wir möchten in Zukunft dem Anwender die technische und ökologische Qualität unserer Produkte besser verständlich machen, als in den EPDs beschrieben. Gedacht ist ein Profil, das dem Anwender auf einem Blick zeigt, ob er es mit einem besonders umweltfreundlichen, nachhaltigen Produkt zu tun hat, das bei seiner Herstellung, Verarbeitung und Anwendung das Klima möglichst wenig belastet. Wobei ich betonen möchte, dass wir hier kein zusätzliches Produktsiegel schaffen werden.

FT: Zweite Frage zu dem geplanten Profil: Macht ein solches Profil nicht nur Sinn, wenn es branchenweit eingesetzt wird, damit der Kunde vergleichen kann? In anderen Branchen, z.B. bei Kühlschränken hat sich das durchgesetzt.

Dr. Tsalos: Das Nachhaltigkeitsprofil soll nur Unterschiede im Uzin-Produktsortiment aufzeigen. Damit möchten wir unseren Kunden eine Orientierung liefern, zudem das Produktsortiment bzgl. Nachhaltigkeitskriterien sortieren und auch die Weiterentwicklung im Sortiment dokumentieren. Das Profil soll nicht dem Vergleich mit dem Wettbewerb dienen.

FT: Macht Ihnen die zunehmende lose Verlegung von Bodenbelägen nicht Sorgen? Was macht ein Verlegewerkstoffhersteller, wenn immer weniger Beläge verklebt werden?

Scherb: Qualitativ hochwertige Bodenbelagsarbeiten müssen nach wie vor fest verklebt ausgeführt werden. Im Privatbereich ist die von Ihnen erwähnte Tendenz erkennbar. Wir zeigen die Nachteile zur losen Verlegung auf und bieten wie ich meine sehr intelligente Alternativen. Ein Beispiel sind unsere Sigan-Produkte. Mit der Switchtec-Klebetechnologie vereinen wir die Vorteile einer losen Verlegung mit der einer festen Verklebung. Und dies kommt am Markt gut an.
Meiner Einschätzung nach beträgt das Verhältnis von Neubau zu Renovierflächen 30 zu 70. Somit geht es, mit Ausnahme der Verklebung von Bodenbelägen, aber vor allem auch um die richtige Untergrundvorbereitung. Und genau da verbirgt sich das Know-how, mit dem der Fachhandwerker glänzen kann. Das ist für die Zukunftssicherung des bodenlegenden Handwerks elementar.

Dr. Tsalos: Lose Verlegungen haben vorwiegend niedrig beanspruchte Bereiche erreicht, jedoch nicht hoch frequentierte Flächen und Objekte wie Krankenhäuser oder öffentliche Gebäude.

FT: Wie eng ist die Zusammenarbeit von F&E mit dem Handwerk? Sitzt man als Chemiker in einem Elfenbeinturm, oder haben Sie ein Ohr für die Bedürfnisse der Verleger? Wie funktioniert der Austausch?

Dr. Tsalos: Zu unserer Entwicklungsphilosophie gehört, dass wir den permanenten Kontakt zum Kunden suchen. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist die Entwicklung der Spachtelmassenreihe mit dem "Level Plus Effect". Da haben wir eng mit unseren Kunden zusammengearbeitet und deren Anforderungen für eine Spachtelmasse erfragt. Anschließend haben wir zielgerichtet entwickelt, genau das was der Kunde braucht.

Scherb: Wir haben interne Produktausschüsse, in denen Produktmanager, Chemiker, Anwendungstechniker, Vertriebs- und Marketingkollegen in kleiner Runde sehr intensiv zusammenarbeiten. Gibt es neue Rohstoffe? Kommen neue Bedürfnisse aus dem Markt? Oder hat ein Kunde eine Idee? Hier kommt der gesamte Input zusammen und gemeinsam kreieren wir das Anforderungsprofil für das Neuprodukt oder die Produktanpassung.

FT: Derzeit zeigt Uzin Engagement in der Sparte Estrich und erweitert sein Portfolio um entsprechende Produkte und Systeme. Was sind die Beweggründe? Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Scherb: Eine erhebliche Anzahl von Kunden verlegt nicht nur Oberbeläge, sondern auch Estriche. Um unseren Anspruch des Komplettanbieters weiter zu unterstreichen, bieten wir unseren Kunden die entsprechende Kompetenz sowie Produkte aus einer Hand. Einerseits haben wir neue Mitarbeiter eingestellt, die sich intensiv vertriebs- und anwendungstechnisch fokussierend um das Thema Estrich kümmern. Andererseits verfügen wir seit langem über die entsprechenden Produkte und Systeme: zum Beispiel unseren Uzin NC 198 einen schwundarmen Schnellzement, der am Markt sehr positiv angenommen wird. Oder unser innovatives Turbolight-System für das wir ein Patent erteilt bekommen haben und mit dem einer unserer Kunden den Deutschen Estrichpreis gewinnen konnte.

FT: Auf welche neuen Estrichprodukte dürfen wir gespannt sein?

Scherb: Wir haben aktuell vier Estrichzusatzmittel in unser Sortiment aufgenommen. Diese Hilfsprodukte vereinfachen dem Estrichleger die Arbeit mit konventionellen Estrichen. Beispielweise erleichtern sie die Verarbeitung, werden zur Estrichvergütung oder als Glätthilfe eingesetzt und erhöhen die Festigkeit. Weitere Neuprodukte werden im Moment entwickelt und kommen ab 2013 auf den Markt.

FT: Sie haben ein neues Estrich-System (das Turbolight-System) entwickelt. Was sagen Ihre Kunden?

Scherb: Unsere Estrichkunden sind vorab skeptisch, nach der ersten Anwendung jedoch begeistert: Das ist eine Innovation - hier habe ich komplett neue Möglichkeiten. Der Estrichleger kann Uzin NC 194 mit der üblichen Estrichpumpe im großen Stil einbringen. Bodenleger und Raumausstatter arbeiten oft im Sanierungsbereich von Kleinflächen - wo der Estrichleger meist nicht hinkommt. Hier kann das Angebot wunderbar um diese Reparaturflächen ergänzt werden. Somit eröffnet das Turbolight-System ein Zusatzgeschäft in der Renovierung für das bodenlegende Handwerk und bietet zeitgleich dem professionellen Estrichleger neue Systemlösungen.


Uzin Turbolight-System


Das System besteht aus dem schnellen Leichtausgleichmörtel Uzin NC 194 Turbo, dem Renoviervlies Uzin RR 201 und der Verbundausgleichmasse Uzin NC 195, wobei der weitgehend schwundfrei aushärtende Uzin NC 194 Turbo die Schlüsselkomponente des Systems darstellt. Die Vorteile: Die Zeit bis zur Belegreife des zusätzlich wärmedämmenden Systems verkürzt sich im Vergleich zu Trockenestrichen etwa um die Hälfte. Mit diesem System wirken auf einen tragenden Untergrund Flächengewichte ein, die nur bei einem Drittel der Last von konventionellen Estrichen liegen. Das Turbolight-System kann uneingeschränkt in Feuchträumen eingesetzt werden und ist insbesondere ein Problemlöser für Terminbaustellen mit großen Unebenheiten im Renovierungsbereich.
aus FussbodenTechnik 05/12 (Wirtschaft)