Innung Unterfranken begeht 50-jähriges Jubiläum

Gemeinsam arbeiten, gemeinsam feiern

Die Innung Parkett und Fußbodentechnik Unterfranken ist mit 28 Mitgliedsbetrieben eine eher kleine, aber aktive Regionalinnung. Wie sich an der Feier zum 50-jährigen Gründungsjubiläum in Bad Brückenau zeigte, hat sie vor allem eines erfolgreich vollzogen - den Generationswechsel.

Dass Größe kein Maßstab für Erfolg ist, zeigt sich an der Innung Parkett und Fußbodentechnik Unterfranken. Zu ihrem 50-jährigen Jubiläum präsentiert sie sich frisch und dynamisch, den Blick nach vorne gerichtet. Dabei profitiert die Organisation von dem gelungenen Generationswechsel: Die Söhne der Gründungsväter haben nicht nur deren Betriebe übernommen, sondern auch Verantwortung in der Innung. Timo Aulbach ist neuer Obermeister, Vorgänger Klaus Bauer wechselte ins Stellvertreteramt. Nach dem Motto "Boden on Top" war der Festabend im Dorint-Hotel Bad Brückenau mit Kabarett und Musik dem gemeinsamen Feiern mit rund 80 Gästen gewidmet.

Dabei erzählten Obermeister Aulbach und Geschäftsführerin Gudrun Horstkotte im Duett Anekdoten und Ereignisse aus der 50-jährigen Innungsgeschichte, die am 8. Juni 1966 mit zwölf selbstständigen Parkettlegern begann. Ihre Sorge galt der Aus- und Weiterbildung eines qualifizierten Nachwuchses im Parkettlegerhandwerk - also schon damals ein bewegendes Thema. Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung, kurz ÜLU, wurde 1970 installiert. Inzwischen zieren eine Reihe von Kammer-, Landes-, Bundes und sogar zwei Europasieger die Ausbildungsgalerie.

Walter Häusslein, Vizepräsident der HWK Unterfranken, spannte in seinem Plädoyer für das Innungswesen den Bogen von Ausbildungsreife bis Zukunftschancen. "Umdenken ist gefragt. Handwerksberufe stellen auch an Auszubildende hohe Anforderungen. Die Integration von strebsamen Flüchtlingen könnte eine Zukunftsoption bedeuten."

Bundesinnungsmeister Peter Fendt unterstrich in seinem Festvortrag, dass ein gesunder Mittelstand in Deutschland die Basis für eine gesunde Volkswirtschaft bedeute. Diesen dürfe jedoch die Rechtsprechung wie im aktuellen Gewährleistungsrecht nicht aushebeln. Die Struktur der Innungen sei wichtig, um zusammen mit dem Zentralverband Reformen von unten nach oben anzustoßen.

Und wie sehen Mitglieder und Geschäftspartner die Innung? Das wollte FussbodenTechnik am Rande der Jubiläumsveranstaltung von einigen Gästen wissen.
Warum sollte ein junger Betriebsinhaber der Innung beitreten?

Lehrlingswart Heiko Reinfurth: "Über Rundschreiben der Innung oder mit Teilnahme an den Mitgliederversammlungen profitiert ein Innungsmitglied fortlaufend vom Wissenstransfer sowie dem Austausch mit erfahrenen Kollegen. Damit ist er nicht nur technisch auf dem aktuellen Stand, sondern auch über gesetzliche Änderungen in der Betriebsführung informiert. Unterstützung erhält er auch bei Ausbildungsfragen. Die Innung Unterfranken bietet beispielsweise kostengünstig eine Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) an."

Was gefällt Ihnen bei der Innung Parkett und Fußbodentechnik Unterfranken?

Geschäftsführerin Gudrun Horstkotte: "Die Zusammenarbeit mit so vielen rührigen Menschen macht Spaß. Die Innung bleibt nicht stehen, sondern orientiert sich immer wieder neu. Die große Fachtagung im Herbst letztes Jahr in Veitshöchheim mit hochkarätigen Vorträgen hat nicht nur Parkett- und Bodenleger angezogen, sondern auch Raumausstatter und Schreiner. Dies war zugleich eine erfolgreiche Mitgliederwerbung. Schön ist auch der familiäre Umgang in der Innung. Zu Fachexkursionen mit Unternehmensbesuchen sind auch die Senioren oder Familienmitglieder willkommen."

Warum sind Sie Mitglied in der Innung?

Parkettlegermeister Christoph Ruhland: "Ein Punkt ist sicher Traditionsbewusstsein. Doch das allein würde mir nicht genügen. Die ÜLU-Kurse für unsere Azubis, der rasche Wissenstransfer zu Rechtsgrundlagen oder Neuheiten sind Punkte, die mir die Arbeit erleichtern und Zeit sparen. Das Fachprogramm bei Fortbildungen bringt intensiveren Kontakt zu verschiedenen Lieferanten. Tipps und Hinweise von Kollegen zu Materialien und Technik haben mich schon vor Schaden bewahrt, das wiegt den Innungsbeitrag wieder auf. Aber auch der Blick über den Tellerrand bei Exkursionen oder Tagungen kann spannend sein. Die Gemeinschaft einer Innung hat meines Erachtens viele Vorteile."

Würden Sie heute wieder eine Innung gründen ?


Gründungsmitglied Ottmar Bauer: "Ja, die Innung ist schon allein wegen der Ausbildung wichtig. Sie erhält ein allgemein höheres Ausbildungsniveau, indem sie Meisterkurse oder die ÜLU organisiert. Der Meisterzwang ist zwar gefallen, dennoch ist der Meistertitel weiterhin ein Qualitätsmerkmal. Die ÜLU einzurichten war uns damals ein wichtiges Anliegen, um die Qualität im Handwerk zu sichern. Betriebe sind oft spezialisiert oder haben nicht in allen Bereichen Aufträge, so kann der Lehrling in manchen Bereichen keine praktische Erfahrung sammeln. Die ÜLU gleicht Defizite ansatzweise aus und sorgt für einen Ausbildungsstandard."

Was empfehlen Sie einer Innung, um attraktiv zu sein?

Bundesinnungsmeister Peter Fendt: "Eine Innung sollte den Bedarf und die Interessen ihrer Mitglieder ermitteln und Netzwerke aufbauen, auch verbändeübergreifend. Das kann sonst keiner bieten. Dabei wird es künftig eine Herausforderung für die Innungen, mit weniger Mitgliedern Strukturen und Leistungsfähigkeit zu erhalten und gleichzeitig mehr Aufgaben und Dienstleistungen anbieten."

Welchen Vorteil hat die Industrie vom Innungswesen?

Mapei-Regionalleiter Stefan Eimer: "Wir sehen uns als Partner. Über den Kontakt zur Innung erhalten wir direkte Informationen über die aktuelle Stimmung aus der Branche. Mitglieder und Vorstände liefern uns Anhaltspunkte, die in die Produktentwicklung einfließen. Gern unterstützen wir auch diese Veranstaltungen daher als Sponsor."

Kiesel-Fachberater Dominik Eisermann: "Innungen sind ein Erfolgsfaktor für unsere Branche. Sie halten das Ausbildungsniveau hoch. Als einer der Technologieführer in der Bauchemie brauchen wir kompetente Fachkräfte zur Verarbeitung unserer komplexen Produkte. Auf Innungsveranstaltungen bauen wir Nähe zu den Anwendern auf und erhalten praxisorientiertes Feedback."
aus FussbodenTechnik 01/17 (Wirtschaft)