BAU

BAU – eine Messe am Scheideweg

Die BAU 2025 war internationaler als die Vorveranstaltungen; gleichzeitig wurden deutsche Aussteller und Kunden vermisst. Trotzdem war von "Energie und Zuversicht" die Rede. Produktseitig standen u.a. Angebote für die Renovierung, PVC-freie Optionen und das Thema Fischgrät im Vordergrund.

"Die BAU ist nicht mehr die BAU" äußerte sich Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) zu der Münchner Leitmesse rund um das Thema Bau. Und sie war nicht die Einzige, die dieses Urteil fällte. Denn die Veranstaltung hat sich gegenüber früher sehr verändert. Nicht, was die Zahlen anbetrifft: Mit 2.230 Ausstellern zählte die BAU 2025 annähernd so viele wie vor zwei Jahren, war mit 180.000 Besuchern auch ähnlich frequentiert. Zwar ist hier ein Rückgang von 5 % zu notieren, dafür war die Messe um einen auf fünf Tage verkürzt. Auch war die Fläche voll ausgebucht, keine Lounge-Ecken oder Sonderschauen füllten die Hallen auf. Es wurde sogar kolportiert, dass die Messe München die Gänge verschmälert.

Gesteigerte Internationalität,
dafür wurden
deutsche Kunden vermisst

Veränderungen machen sich dafür bei anderen Parametern bemerkbar. So ist die BAU, die in Vor-Corona-Zeiten besucherseitig schwerpunktmäßig auf die Region D/A/CH konzentriert war, viel internationaler geworden; 44 % reisten in diesem Jahr aus dem Ausland an. Bei den Ausstellern lag der Anteil internationaler Unternehmen erstmalig bei mehr als der Hälfte.

Die zunehmende Internationalität wird von der Messe München naturgemäß gefeiert, traf aber nicht bei jedem Aussteller in den Bodenbelagshallen A5 und A6 sowie bei der Bauchemie in der B6 gleichermaßen auf Beifall, denn dafür wurden im Gegenzug deutsche Kunden vermisst, vor allem kleinere Händler und das verlegende Handwerk.

Große Ausstellerlücken
in der Bodenbranche

Auch fehlten - im Bodenbereich - etliche prominente Namen. Und einige Segmente fehlten komplett, wie die deutsche Türenphalanx. Oder waren sehr unvollständig besetzt, wie zum Beispiel Parkett, wo nur einige Unverdrossene wie ter Hürne, Scheucher, Gunreben oder Barlinek sowie der ein oder andere Italiener und Kroate die Fahne der europäischen Industrie hochhielten, plus der einschlägigen Importeure wie Barth & Co oder Plyquet. Durch Abwesenheit glänzten hingegen Deutschlands Nr. 1, Hamberger Flooring - die allerdings erwägen, 2027 wiederzukommen - Kährs, die Bauwerk Group, Parador und die meisten Österreicher bis auf die oben genannten. Ebenso fielen große Lücken bei den anderen Bodengattungen auf: So verzichteten unter anderem Amorim, Forbo Flooring, Gerflor und Windmöller auf eine Teilnahme.

In der Bauchemiehalle B6 fehlte der Gemeinschaftsstand der Marken der Uzin Utz Group ebenso wie der von Stauf. Auch langjährige Aussteller, die 2023 pausiert hatten, kehrten nicht zurück, beispielsweise Bostik und Kiesel Bauchemie. Begründet wurden die Absagen im Vorfeld in der Regel mit Kosten-Nutzen-Analysen sowie der stärkeren Konzentration auf eigene Formate wie etwa Hausmessen. Noch einmal Katharina Metzger für den BDB mit Blick auf die Messe insgesamt: "Immer weniger Marktführer stellen aus; als Fachhandel finden wir kaum zwei Dutzend Markenartikler in den gewohnten Sortimenten; manche Gewerke sind so gut wie nicht vertreten."

Vor diesem Hintergrund stellen sich schon Fragen etwa, wie weit die Messe noch Stimmungsbarometer sein oder einen Marktüberblick geben kann, wenn manche Branchen(-segmente) nur partiell vertreten sind. Oder dass die steigende Internationalität der Besucher zweifelsohne exportorientierten Unternehmen zugute kommt, aber wie weit spiegelt sie die tatsächlichen Marktverhältnisse wider? Und warum die europäische Industrie durch ihr Fernbleiben asiatischen Anbietern Räume öffnet? Und nicht zuletzt: Warum gelingt es keiner Plattform mehr, das Handwerk und die vielen kleineren Fachhändler einzufangen, über die ein Großteil der Geschäfte läuft und die das Bindeglied zum Endverbraucher sind?

"Energie und Zuversicht
sind vorhanden"

Trotz alledem und auch ungeachtet des schwierigen Umfeldes fiel das Fazit zur BAU weitgehend positiv aus. Unter den Ausstellern berichtete Ulrich Weihs aus der Familie Egger und CEO der Division Building Products von "vielen interessanten Gesprächen und großem Interesse an den Produktneuheiten." Bernhard ter Hürne, geschäftsführender Gesellschafter von ter Hürne, freute sich über eine "starke Frequenz von Kunden, die früher nicht zu uns gekommen sind." Hörmann-Gesellschafter Martin J. Hörmann haben "die persönlichen Gespräche gezeigt, wie viel Energie und Zuversicht vorhanden sind. Das nehmen wir als wichtigen Impuls mit."

Pro Messe votierten auch Dr. Schutz-Geschäftsführer Frank Knott: "Ich bin überzeugt, dass ein Präsenzmesse die wichtigste Plattform ist, um das eigene Netzwerk zu pflegen. Digitalisierung ist nicht immer die Lösung. Der persönliche Austausch fördert die Branchenzugehörigkeit." Franz Neuhofer, Eigentümer von FN Neuhofer: "Besonders erfreulich ist, wenn wir die Begeisterung durch die neuen Ideen und Produktentwicklungen spüren. Dann ist die Messe für uns ein Erfolg. So wie in diesem Jahr." Und Lydia Bober, Marketingleiterin bei Selit Dämmtechnik: "München wird eine internationalere Messe. Wir erreichen hier ein breites Spektrum an Zielgruppen: Architekten, Verarbeiter sowie den Fach- und Großhandel."

Nachhaltigkeit ist zentrale Leitlinie

Die Messe stand im Zeichen der Leitthemen "Klimagerechtes Bauen", "Ressourceneffizienz", "Modular, seriell, produktiv und wirtschaftlich Bauen" - und als Oberbegriff darüber die Nachhaltigkeit. "Das reflektiert den Zeitgeist der Baubranche", resümierte Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer. "Die diesjährige BAU hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit nicht mehr nur ein Ziel ist, sondern zentrale Leitlinie für unser Handeln."

Entsprechend zeigten die Aussteller Produkte mit möglichst niedrigem CO2-Fußabdruck bzw. CO2-neutral oder gar -negativ, aus nachwachsenden, recycelten oder recycelbaren Materialien, die wiederverwendbar und kreislauffähig sind. Und die für nachhaltiges Bauen ausgelegt sind, attestiert durch Zertifizierungen wie QNG, DGNB, Eco Institut, SHI, Blauer Engel und andere. Einige verwiesen auch darauf, dass ihre Messestände wiederverwendbar und damit nachhaltig seien.
Neu sind etwa ein Multilayer-Belag mit einer Trägerplatte aus Stroh (Koczwara) oder Akustikpaneele aus recyceltem PET (Selit). Auch der Naturwerkstoff Linoleum, ein Klassiker, feiert ein Comeback - digital bedruckt und in Sandwich-Konstruktion (KWG, Zipse).

Bodenthemen 2025:
Neue Hybridböden, Fischgrät, Renovierungsprodukte

Was gab es sonst noch an neuen Produktentwicklungen in München zu sehen? Weil der Neubau gerade stillsteht und deshalb Hoffnungen auf Renovierung und Sanierung gesetzt werden, gehen auch die aktuellen Produktentwicklungen in diese Richtung - das heißt, möglichst geringe Aufbauhöhe und hoher Verlegekomfort. Beispiele hier sind ein hybrider Designboden mit wasserfester, geschäumter Trägerplatte, Kork-Gegenzug und Vinylauflage in 7 mm Stärke mit 0,5 mm Nutzschicht (KWG), eine Rigid Board-Kollektion mit integrierter Trittschalldämmung (Unilin Flooring) oder ein PVC-freier Multilayer mit Kork-Gegenzug und Melamin-Oberfläche, der auch auf Altböden installiert werden kann, da er ein Durchtelegrafieren verhindert (Coretec). Was die Optik anbetrifft, lässt sich ein Trend zu ruhigeren Dekoren und flacheren Strukturen erkennen, der aus der Möbelindustrie herüberschwappt. Und: Die Oberfläche muss supermatt sein.

Außerdem nimmt Fischgrät noch einmal richtig Fahrt auf. Während es auf anderen, wohnaffinen und trendorientierten Märkten wie den Niederlanden "ohne Fischgrät gar nicht geht", wie ein Vertriebler berichtete, dümpelt der Marktanteil in Deutschland immer noch in niedrigen Prozentbereichen herum - kaum verständlich bei so vielen attraktiven Varianten des klassischen Verlegemusters. Neue Angebote im Messegepäck hatten zum Beispiel KWG (Designboden Antigua Classic und Professional), Unilin Flooring (Designkollektion Moods, auch mit Rectangle, Diamond und Hexagon zum Kombinieren) und Coretec Floors (Designboden, auch mit verschiedenen Winkeln). Classen hat seinen Ceramin-Designboden für Ende 2025 in einer Fischgrät-Version mit AA-Planken angekündigt.

Anbieter textiler Bodenbeläge setzen im Kontext Nachhaltigkeit verstärkt auf die Recyclingfaser Econyl und kreislauffähige Produkte, deren Materialien sich leicht trennen und recyceln lassen. Bei den elastischen Belägen sind es Alternativen zu PVC, die zum Einsatz kommen.

Der gesundheitliche Schutz bei der Verarbeitung ist ein wichtiges Thema bei Verlegewerkstoffen, deren Rezepturen immer staubfreier und emissionsarmer werden. Und in Zeiten des Fachkräftemangels setzen Hersteller auf Materialien, die einfach zu verarbeiten sind und menschliche Fehler reduzieren sollen - bei der Bauchemie geht der Trend hin zu einkomponentigen Produkten. Passend dazu bringen Werkzeug- und Maschinenhersteller zunehmend digital programmierbare Geräte auf Markt, etwa zur exakten Wasserdosierung oder der Einhaltung erforderlicher Anrührzeiten. Apps und weitere digitale Helfer stellen schnell notwendige Informationen zu den jeweiligen Produkten zur Verfügung.

Bei Profilen zeigt sich ein Trend zum Minimalismus: schmaler und kleiner - optische Reduktion ist gefragt. Daneben dominiert Schwarz weiterhin als Trendfarbe und die Kunden bevorzugen möglichst matte Oberflächen. Auch die Montage von Leisten an der Wand, um optische Akzente zu setzen, liegt im Trend.

Apropos Wand: Einen absoluten Hype erleben derzeit Wandpaneele, die in voller Bandbreite erhältlich sind, vom Preiswert-Modell als reinem Deko-Element für den Baumarkt über Akustik-Lösungen mit oder ohne Filz hinterlegt bis zum multifunktionalen Konzept, bei dem Regale, Haken, Blumentopfhalter, Leuchten oder Lichtleisten integriert werden können. Da eröffnen sich interessante Potenziale für Zusatzumsätze.

Neue Ideen für den PoS

Das Produkt allein macht es nicht, auch die Kundenansprache ist wichtig - sprich eine zielgerichtete Marketingstrategie und Präsentation am Point of Sale. Vor allem Anbieter, die in der Großfläche unterwegs sind, verändern Tonalität und Inhalte und legen sie bewusst auf jüngere Generation aus. Auch die Bildsprache wird variiert und zeigt häufiger Menschen im täglichen Leben oder Alltagssituationen. Das erinnert ein wenig an Ikea.

Die neuen Displays und Präsenter, etwa von Coretec Floors oder Egger, sollen das Kundenerlebnis optimieren - mit modularen Systemen, die sich individuell anpassen lassen, ausgefeilter Beleuchtung, Großmustern, die mit QR-Codes versehen sind, über die sich auf Mobilgeräten oder integrierten Monitoren weitere Infos und Darstellungen abrufen lassen.
| Claudia Weidt | Sebastian Musolf
aus BTH Heimtex 02/25 (Wirtschaft)