VDT Verband der Deutschen Tapetenindustrie e.V.

"Der Tapetenverband ist das Rückgrat der Branche"

Wie wird sich der Tapetenverband entwickeln, wo liegen die Herausforderungen für die Branche? Darüber sprechen der neue Vorsitzende Dr. Frederik Rasch, die Vorstände Felicitas Erfurt-Gordon und Wolf Kappen sowie Geschäftsführer Karsten Brandt.

BTH Heimtex: Herr Dr. Rasch, Sie haben den Vorsitz im Verband der Deutschen Tapetenindustrie in schwierigen Zeiten übernommen. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Dr. Frederik Rasch: Ich habe den VDT schon immer begleitet, zunächst im Marketingausschuss, später im Vorstand. Für mich ist der Verband das Rückgrat der Branche, nicht nur ideell, sondern auch mit konkreten Aktivitäten. Ich schätze den Austausch - auch mit den Lieferanten - über operative und strategische Themen. Und mein Ziel ist es, dies in genau diesen schwierigen Zeiten zu bewahren.

BTH Heimtex: Nur zu bewahren?

Rasch: Nein, auch den Verband weiter zu entwickeln. Wir werden ihn nicht revolutionieren, wir werden auch nicht die Entwicklung der gesamten Branche drehen können. Aber wir brauchen den VDT, um den Schulterschluss zu üben. Er ist der Grund dafür, warum die deutsche Tapetenindustrie stärker ist als jede andere in Europa.

BTH Heimtex: Ihr Vorgänger Michael Caspar hat den Verband für neue Mitglieder geöffnet. Wie stehen Sie dazu?

Rasch: Ich möchte vorausschicken, dass wir Michael Caspar sehr dankbar sind für die Arbeit, die er geleistet hat. Er war immer ein motivierter, konstruktiver, für den Verband kämpfender Vorsitzender.

Ich glaube, dass es richtig war, die Marktentwicklung zu berücksichtigen und den Verband zu öffnen. Mein Ansatz ist es, den Kern des VDT als Verbund der Tapetenhersteller inklusive der klassischen Lieferanten zu stärken und dafür zu sorgen, dass Kontinuität gewährleistet ist. Das meint aber nicht ausschließlich die klassische dekorative Tapete mit Rapport: Erfurt ist beispielsweise eine wichtige Säule in unserem Verband. Wir sind offen für weitere Mitglieder und weitere Themen, die wir gemeinsam als Teil dieser Branche empfinden. Aber dafür wird es keine Schablone geben.

Wolf Kappen: Diejenigen, die den Kern eines Industrieverbandes bilden, sind logischerweise Industrieunternehmen. Zwar müssen wir anerkennen, dass sich Märkte weiterentwickeln und dass Firmen heute auch ohne industrielle Basis schöne Tapeten anbieten können. Aber sollten wir deswegen gleich das Selbstverständnis des Verbandes ändern?

BTH Heimtex: Birgt das nicht die Gefahr, dass wichtige Themen außen vor bleiben?

Kappen: Ganz und gar nicht. Auf unseren Tagungen diskutieren wir selbstverständlich auch Themen, die nicht jeder von uns auf dem Schirm gehabt hätte - die wir aber auf dem Schirm haben müssen. Der Verband macht uns darauf aufmerksam und in der Diskussion bekommt man eine andere Perspektive. Teilweise übernimmt er auch Aufgaben, die jedes Mitglied betreffen, die es aber nicht unbedingt selbst und nur für sich erledigen muss.

BTH Heimtex: Welche Aktivitäten stehen für 2025 auf der Agenda des Verbandes?

Karsten Brandt: Da sollten wir unterscheiden zwischen den Leistungen für unsere Mitglieder und den Aktivitäten, die nach außen wirken. Neben der Branchenstatistik ist der Technische Ausschuss wichtig, in dem wir uns regelmäßig treffen. Wir setzen das RAL Gütezeichen Tapeten fort. Und wir haben in einem langen Prozess über die drei Stufen Zuliefererindustrie, Tapetenindustrie und Handel ein achtseitiges Papier zum Thema Nachhaltigkeit erstellt. In dem PDF, das Sie auf unserer Webseite herunterladen können, behandeln wir detailliert sechs der Sustainable Development Goals der UN. Wir sagen beispielhaft, was Firmen aus der Branche zur Erreichung dieser Ziele tun, und verlinken zu den Nachhaltigkeitsaktivitäten der Unternehmen.

Schließlich ist für den 21. Mai in Wiesbaden der nächste Tapetengipfel geplant. Er wird erstmals ein Thema haben.

BTH Heimtex: Welches Thema wird das sein?

Brandt: Großhandel und Profi. Wir wollen dazu Referenten mit unterschiedlichen Blickwinkeln einladen, um das Thema von allen Seiten zu beleuchten.

BTH Heimtex: Und die Verbandsaktivitäten mit Außenwirkung?

Brandt: Erstmals haben wir 2025 den Wettbewerb um die "Tapete des Jahres" ausgeschrieben, zunächst nur für Mitglieder im VDT. Je nachdem, wie die Resonanz auf diese Aktion ausfällt, überlegen wir, den Preis zu öffnen, deutschlandweit oder international. Schon für die Premiere hatten wir Anfragen aus dem Ausland.

Und die Kampagne "Deutschland tapeziert" wird fortgesetzt. Sie richtet sich gleichermaßen an Profis und Verbraucher und soll in diesem Jahr neuen Schwung erhalten.

Felicitas Erfurt-Gordon: Gerade mit Blick auf das Handwerk ist das wichtig. Die Bedeutung des Tapezierens geht beim Maler immer weiter zurück. In sofern müssen wir uns als Verband für die Tapete stark machen, ihre Vorteile sowohl gegenüber dem Maler als auch gegenüber dem Verbraucher ganzheitlich darstellen.

BTH Heimtex: Ist hier nicht auch jedes einzelne Unternehmen in der Pflicht?

Brandt: Man braucht für Öffentlichkeitsarbeit ein großes Budget. Aber auch wenn Mittelständler, die nicht direkt an den Konsumenten verkaufen, solche Aktivitäten häufig in einer Werbegemeinschaft bündeln - so wie bei uns "Deutschland tapeziert" -, ist das gemeinsame Budget nicht groß genug, als dass wir davon sprechen könnten, eine klassische Verbraucherkampagne zu machen.

Kappen: Deshalb nehme ich gerne auf, was Frau Erfurt-Gordon gerade gesagt hat: Unsere Botschafter bei den Konsumenten sind die Maler. Sie können ihren Kunden sagen: "Statt zu streichen könnte ich Ihnen noch etwas anderes zeigen..."

Erfurt-Gordon: Das war auch ein Grund dafür, dass wir mit Erfurt & Sohn die Deutsche Tapeziermeisterschaft auf der Messe Farbe, Ausbau & Fassade 2024 als großes Event veranstaltet haben. Tapezierende Maler bekamen eine Bühne und der Sieger hat 10.000 EUR erhalten. Es war eine Veranstaltung voller Emotionen, wo hinterher auch Tränen flossen. Wir waren damit im Frühstücksfernsehen und bei RTL zu sehen. Das hilft der Tapete dabei, ein positives Image zu bekommen. Dazu kann jedes Unternehmen seinen Beitrag leisten und das strahlt dann auch auf die anderen Firmen aus.

Rasch: Die deutsche Tapetenindustrie hat immer wieder einen großen Aufwand betrieben, um Aufmerksamkeit zu generieren, auf Messen, über Testimonials oder über Kollektionen, von denen wir zwar wussten, dass sie wahrscheinlich keine Topseller werden, die aber Highlights gesetzt haben. Hinzu kommt die technische Weiterentwicklung: Wir als Tapetenfabrik Gebr. Rasch hoffen, mit der neuen selbstklebenden Strukturtapete ein Produkt entwickelt zu haben, dass dem Verbraucher, aber auch dem Profi das Tapezieren einfacher macht.

BTH Heimtex: Unser Gespräch findet auf der Heimtextil statt, eine weitere Gelegenheit, beim Profi für die Tapete zu werben. Allerdings läuft die Messe in diesem Jahr parallel zur BAU in München. Sehen Sie das als Problem?

Erfurt-Gordon: Auf jeden Fall. Eine Branche lebt von ihrer Sichtbarkeit. Je weniger Menschen auf der Heimtextil waren, desto weniger sichtbar ist die Tapete.

Kappen: Besucher der BAU aus Norddeutschland hatten zumindest die Gelegenheit, in Frankfurt kurz rechts ranzufahren und sich auch die Heimtextil anzusehen. Und natürlich besucht der Außendienst unsere Kunden. Aber es ist eine Sache, die neuen Kollektionen daheim im Laden durchzublättern - und eine ganz andere, sie auf einer Messe zu erleben. Nicht hier gewesen zu sein, ist eine vertane Chance, auch zur Fortbildung. Ein Besuch auf der Heimtextil ist ein Kickstart ins Jahr, statt die ersten Wochen darauf zu warten, dass die Außendienstler von allen mal vorbeigeschaut haben.

Brandt: Aber der Appell geht auch an die Industrie, als Aussteller dabei zu sein. Wer keinen Stand hat, verringert die Sichtbarkeit der Branche und macht die Messe weniger interessant für Fachbesucher.

BTH Heimtex: Was ist aber mit dem Endverbraucher, der nicht zum Maler geht, kein Tapetenfachgeschäft mehr findet und deshalb auf den Baumarkt angewiesen ist?

Kappen: Auch in Baumärkten sieht man schöne Designs. Aber die Darbietung der Ware ist dort häufig nicht optimal.

Rasch: Und die Beratung fehlt. Tapete braucht Beratung.

BTH Heimtex: Noch einmal zurück zu "Deutschland tapeziert": Wie viele Mitglieder hat die Initiative aktuell?

Brandt: Rund 35.

Rasch: Wichtig ist aber nicht allein die Anzahl, sondern auch die Qualität der Mitglieder. Und da kann man sagen: Es sind diejenigen Marktteilnehmer, die die Branche ausmachen.

BTH Heimtex: Bei unserem Rundgang auf der Heimtextil hatten wir den Eindruck, dass die Tapeten wieder hochwertiger werden, konsumige Produkte nicht mehr so im Vordergrund stehen.

Rasch: Ich kann das in sofern bestätigen, als dass wir bei sinkenden Mengen schon auf den Mehrwert bei unseren Produkten achten. Und mit dem Wettbewerb um die Tapete des Jahres schaffen wir als Verband ein Forum für hochwertige Produkte. Er schärft den Blick für das Detail. Unser Produkt ist eben alles andere als beliebig.

Erfurt-Gordon: Wenn die Wandflächen insgesamt weniger werden, müssen wir es schaffen, den Hochwertbereich zu bedienen, dabei den Basisbereich aber nicht zu vernachlässigen. Bei Erfurt ist die Raufaser als Wandbelag, den sich jeder leisten kann, konstant.

Brandt: Wenn in den letzten Jahren die Märkte geschrumpft sind, war der Rückgang bei den Mengen immer größer als beim Umsatz. In sofern findet bereits ein Trading up statt.

BTH Heimtex: Stichwort Markt: Wie hat der sich 2024 entwickelt?

Brandt: In den ersten drei Quartalen 2024 ist der Umsatz in Deutschland um rund 6 % zurückgegangen, aber im Ausland - der Markt ist vom Volumen her viel größer - um 1 % gestiegen.

Kappen: In den vergangenen beiden Jahren haben sich mehr ausländische Anbieter zurückgezogen als das Marktvolumen geschrumpft ist. In sofern sehe ich gute Chancen für die deutsche Tapetenindustrie. Was aber nicht mehr geht ist, auf den Anruf zur Nachbestellung zu warten und zu hoffen, dass man damit durchkommt.

Rasch: Wir befinden uns in einer Phase der Konsolidierung. Aber die bietet auch Chancen, beispielsweise die Fokussierung auf deutsche Lieferanten. Die Entwicklung dahingehend zu beeinflussen, darin sehe ich auch eine Aufgabe des Verbandes. Ich bin optimistisch für 2025.
| Die Fragen stellte Cornelia Küsel


Daten + Fakten VDT
Verband der Deutschen Tapetenindustrie e.V.
Breite Straße 27
40213 Düsseldorf
Tel.: 0211/86 28 64 11
sekretariat@tapeten.de
www.tapeten.de

Vorstand:
-Dr. Frederik Rasch (Vorsitzender)
-Felicitas Erfurt-Gordon
-Dietmar Everding
-Wolf Kappen

Geschäftsführung: Karsten Brandt
Gründungsjahr: 1889
Mitglieder:
-Caspar GmbH
-Erfurt & Sohn KG
-Erismann & Cie. GmbH
-Tapetenmanufaktur Hembus
-Komar Products GmbH & Co. KG
-Leco-Werke Lechtreck GmbH & Co. KG
-Marburger Tapetenfabrik J.B. Schaefer GmbH & Co. KG
-Tapetenfabrik Gebr. Rasch GmbH & Co. KG
-Taubert GmbH & Co. KG
-Vitrulan Textile Glass GmbH
-Welter - Manufaktur für Wandunikate

Assoziierte Mitglieder:
-Follmann GmbH & Co. KG
-Glatfelter Dresden GmbH
-ISL-Chemie GmbH & Co. KG
-Kämmerer Paper GmbH
-Lahnpaper GmbH
-Metylan - Henkel AG & Co. AG
-Neu Kaliss Spezialpapier GmbH
-Olbrich GmbH
-Sügravo GmbH + Co. KG
"Der Tapetenverband ist das Rückgrat der Branche"
Foto/Grafik: VDT
Im Frühjahr und Herbst finden die Tapetenwochen der Initiative "Deutschland tapeziert" statt. Zuletzt lautete das Motto "Herbstgefühle von der Rolle".
"Der Tapetenverband ist das Rückgrat der Branche"
Foto/Grafik: VDT
Das PDF mit Informationen zum Engagement der Branche zur Nachhaltigkeit gibt es unter tapeten.de/nachhaltigkeit.
aus BTH Heimtex 02/25 (Wirtschaft)