BVPF-Herbsttagung bei Sika in Rosendahl
Neue Fachgruppe bündelt die Technik-Kompetenz
Der Bundesverband Parkett und Fußbodentechnik (BVPF) hat die neue Fachgruppe "Holz, Bodenbelag und Sportböden" vorgestellt. Die drei technischen Bereiche waren bislang separat geführt worden. Das Ersttreffen bei Sika in Rosendahl mit 45 Teilnehmern war der erfolgreiche Auftakt für eine jährliche Herbsttagung mit Schwerpunkt Technik.Der Bundesverband Parkett und Fußbodentechnik (BVPF) tagte im Oktober auf Einladung von Sika Deutschland in der Niederlassung Rosendahl im Münsterland. Rund 45 Teilnehmer aus Kreisen des Bundesvorstands, der Obermeister und der Förderindustrie waren der Einladung gefolgt. Haupttagesordnungspunkt war die Vorstellung der neuen Bundesfachgruppe "Holz, Bodenbelag und Sportböden": Die anwesenden Stimmberechtigten votierten einstimmig für die Zusammenlegung der drei bisher separat geführten Bereiche. Zum Fachgruppenleiter gewählt wurde Christian Druckmüller (Raumausstattung Druckmüller, Götting), zu seinem Stellvertreter Konstantin Blum (Fußboden Blum, Kalbach) sowie als weitere Mitglieder der Leitung Thomas Allmendinger (Allmendinger - der Parkettmeister, Ellwangen) und Jens Bader (Bader Parkett Boden, Senden).
"Mit der Vorstellung der neuen Bundesfachgruppe beginnt eine neue Zeit und wir haben dafür neue junge Mitglieder gewonnen", freute sich Bundes-
innungsmeister Manfred Weber. Der Bundesverband sei fachtechnisch sehr gut vernetzt und dieses Know-how soll jetzt stärker in die Landesinnungen und an deren Mitglieder weitergetragen werden. "Die Berufsgrenzen zwischen Parkettlegern und Bodenlegern sind in den letzten zehn Jahren deutlich ineinander übergegangen", führte Ralf Wollenberg, stellvertretender Bundesinnungsmeister, einen weiteren Grund für die Sinnhaftigkeit des Zusammenschlusses der Fachbereiche an. Alle drei Gruppen waren in den letzten Jahren zudem kaum aktiv gewesen.
Der Verband deckt die verschiedenen Aufgabenfelder des Gewerks mit nunmehr fünf Bundesfachgruppen ab: "Aus- und Weiterbildung", "Digitalisierung", "Holz, Bodenbelag und Sportböden" (inklusive Holzpflaster), "Restauratoren" und "Sachverständigenwesen". "Wir wollen unsere Bundesfachgruppen künftig so auf den Weg bringen, dass der direkte Austausch zwischen den Fachgruppen bzw. Fachgruppenleitern und dem Vorstand immer gewährleistet ist", betonte Weber.
Und auch das ist neu: Mit dem Ersttreffen im Münsterland richtet der BVPF neben seiner jährlichen Mitgliederversammlung mit Schwerpunkt Verbandsregularien, die in Zukunft im Frühjahr immer als eintägige Veranstaltung in Berlin geplant ist, jetzt auch wieder eine jährliche Herbsttagung mit Schwerpunkt Technik aus. Federführend ist die neue Bundesfachgruppe "Holz, Bodenbelag und Sportböden".
KRL- vs. CM-Messung -
wie ist der aktuelle Sachstand?
In einer Podiumsdiskussion unter der Überschrift "Stand der Technik oder Anerkannte Regel der Technik - wie ist der aktuelle Sachstand?" erörterten Vertreter aus der Industrie und dem bodenlegenden Handwerk die jeweiligen Positionen in Sachen KRL- vs. CM-Messung. Auf der Bühne moderierte Christian Druckmüller die Runde mit Dr. Norbert Arnold (TKB, Uzin Utz), Dipl. Ing. Hartmut Urbath (GEV, Sika/Schönox) sowie von Innungsseite Manfred Weber, Konstantin Blum und Thomas Allmendinger.
Die Zielsetzung der Technischen Kommission Klebstoffe (TKB) legte deren Vorsitzender Dr. Norbert Arnold im Vorausgang dar: Die Interessenvertretung der Verlegewerkstoffindustrie hat eine Kampagne zur Umsetzung der KRL-Messmethode mit dem Zielsegment Boden/Parkett gestartet. Sie strebt damit die zukünftige Bestimmung der feuchtebezogenen Belegreife ausschließlich nach der KRL-Methode an. Auf dem Weg dahin unterstützt sie das bodenlegende Handwerk mit begleitenden Unterlagen sowie mit der frisch gelaunchten Website "www.krl-methode.de".
Aber wie stehen die Fachbetriebe aktuell zur Anwendung der KRL-Messung? Konstantin Blum stellt in seiner Innung Hessen fest, dass die Betriebe fast alle CM messen, doch inzwischen auch schon ein signifikanter Anteil nach KRL. "Wir wollen unseren Mitglieder weitere Informationen bereitstellen", sagt der Pakettlegermeister. "Es geht aber nicht nur um Aufklärung im Handwerk, sondern auch in Richtung Planer und Architekten." Und es bedarf Erklärungen, etwa warum die KRL-Methode als materialunabhängig bezeichnet wird, wenn es dann doch möglicherweise Einschränkungen gibt mit Calciumsulfatestrichen oder Unsicherheiten mit neuen Schnellzementestrichten, merkte Christian Druckmüller an. "Das ist das, was die Debatte so schwierig macht und draußen für Verunsicherung sorgt."
Aus technischer Perspektive, erklärte Hartmut Urbath, müssten Schnellzementestriche im Grunde gar nicht gemessen werden: "Bei jedem mineralischen System gibt es den Prozess der Wasserverdunstung und den der Wasserbindung - beide stehen im Wettbewerb und der schnellere gewinnt." Wie viel Wasser ein Schnellzement-Bindemittel binden könne, sei von der Formulierung abhängig. Und wenn ein Hersteller angibt, dass sein Schnellzementestrich nach 24 Std. belegt werden könne, dann spiele der Feuchtegehalt keine Rolle. "Selbst die CM-Messung betrachte ich als Techniker bei Schnellzementestrichen als überflüssig, wenn der Hersteller und die Daten bekannt sind - dafür ist natürlich eine funktionierende Kommunikationskette unabdingbar."
In der Praxis wird auf der Baustelle jedoch gemessen und deshalb bleibt die Debatte um KRL- und CM-Methode. Materialunabhängig sind beide Messverfahren, unterstrich Manfred Weber, und beide dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. "Uns im Verband geht es nicht um wissenschaftliche Erklärungen, sondern um die Botschaft an unsere Betriebe: Mit der CM-Methode ist max. 1,8 bzw. 2,0 CM-% safe (beheizt/unbeheizt), mit der KRL-Methode ist 80 % rLF safe", so der Bundesinnungsmeister. "Anerkannte Regel des Fachs ist das, was sich im Handwerk durchgesetzt hat. Das ist bis jetzt die CM-Messung. Und Stand der Technik ist ein neueres Verfahren, das noch nicht in der Branche komplett angekommen ist, aber das an Fahrt aufnimmt."
Ziel des BVPF ist ein sicheres System für seine Mitgliedsbetriebe. Dazu bedarf es für neuere und künftige Estrichsysteme entsprechende Erfahrungen, an denen es auch künftig mitzuwirken gelte. Dr. Arnold stimmte zu, dass der Bodenleger mit nur einer Messung sicher sein sollte - und fügte an: "Deswegen ist unser Anliegen, dass die KRL-Methode Anerkannte Regel der Technik wird. Ob es daneben noch andere gibt, ist eigentlich zweitrangig."
Parkettleger wollen den Estrichpass
Doch sicher bedeutet auf der Baustelle nicht automatisch gleich praxistauglich. Thomas Allmendinger: "Wenn ich dem Handwerker sage, ein Schnellzementestrich ist bei 80 % rLF sicher, dann ist er verunsichert, ob er ihn belegen kann. Das Verständnis, dass ein nach drei Tagen zum Belegen freigegebenes Produkt nicht gemessen werden muss, weil das Wasser chemisch gebunden wird, hat er nicht. Ich messe beides, und zwar so lange, bis ich genug Erfahrung habe, um sicher zu sein." Eine andere Forderung in puncto Sicherheit für den Parkettleger nannte Konstantin Blum: "Ist ein Schnellzementestrich eingebaut, bräuchten wir vom Bauherrn im Grunde eine Gewährleistungsfreistellung, dass wir darauf legen können, wie er es bestellt hat." Wünschenswert wäre ferner auch eine Abnahme durch den Architekten oder Planer als Bauherrenvertretung mit dem Estrichleger hinsichtlich Ebenheit, Risse, Fugenplanung etc.
Hartmut Urbath verwies indes auf eine Mitteilung des Bundesverbands Estrich und Belag (BEB) aus dem Jahr 2021 zur DIN 18560 Teil 2, in der die CM-Messung festgeschrieben wurde, wie es darin heißt, damit der Estrichleger für sein Gewerk ein objektiv messbares Abnahmekriterium hat. Der Estrichleger könne keine Aussage dazu machen, ob der Feuchtegehalt seines Estrichs für den nachfolgenden Belag schädlich sein kann, weil er diesen ja oftmals gar nicht kenne. "Das heißt, es geht darum, dass der Estrich keinen Schaden mehr nimmt, egal was oben drauf passiert", folgerte Urbath, "das heißt aber noch lange nicht, das vom Estrich keine schädigende Wirkung mehr für feuchtigkeitssensible Oberbeläge ausgeht."
"In naher Zukunft wird nur der Estrichleger selbst wissen, was für einen Estrich in welcher Zusammensetzung er verarbeitet hat. Im Umkehrschuss bedeutet dies, dass er ihn gegenüber seinem Kunden freigeben muss", ist Webers Meinung dazu. Eine Alternative könnte der Estrichpass sein, in dem protokolliert wird, wann welcher Estrich eingebracht wurde und welche Messverfahren und Messwerte für ihn gelten. Damit kann der Parkettleger die Belegreife weiterhin selber messen, bewertet sie aber nicht. Dieses Vorgehensweise fand auf der Tagung bei den Parkettlegern Zustimmung und soll jetzt im Sachverständigenwesen ausgearbeitet werden.
| Imke Laurinat
Klick-Verriegelungen von MMF-Böden - "zu wenig belastbar für normalen Gebrauch
Die Sachverständigen Thomas Allmendinger und Dominik Kison berichteten aus ihrer Gutachtertätigkeit von Schadensfällen bei Verlegungen von mehrschichtigen modularen Bodenbelägen der verschiedenen Aufbautypen gemäß MMFA - Verband der mehrschichtigen modularen Fußbodenbeläge. Während in Produktbeschreibungen häufig mit der einfachen Verlegung der dünnen Vinyl-Beläge geworben werde, komme es in der Praxis immer wieder zu Problemen. Dominik Kision: "Je nach Verlegemethode und Aufbauhöhe eignen sich die einzelnen Untergründe unterschiedlich gut. Grundsätzlich gilt, dass bei Klebevinyl exakteres Arbeiten gefragt ist, als bei Klick-Produkten, die in der Regel sehr dünn sind und Unebenheiten deshalb schneller durchdrücken können."
Bei den Klick-Belägen stelle sich jedoch die Frage nach der Haltbarkeit der Verriegelungen bei der Nutzung. Die wesentlichen Informationen zum Verlegen von MMF-Bodenbelägen finden Verleger aktuell im Technischen Merkblatt TB 2. Darin wird auf die Angaben und Empfehlungen der Hersteller verwiesen und darauf, dass diese aus Sicherheits- und Gewährleistungsgründen zu befolgen seien. Allerdings haben Allmendinger und Kison festgestellt, dass die Angaben und Empfehlungen von Herstellern in der Praxis oft nicht realistisch umsetzbar sind. Vielfach würden planebene Untergründe quasi gleich einer Tischplatte gefordert. In einem Fall empfahl ein Hersteller sogar, die Belagsplanken unter den Möbelfüßen auszuscheiden, damit der Boden nicht punktuell zu stark belastet wird. Auch von sehr schweren Möbeln wird mitunter abgeraten. "Man könnte meinen, dass Möbel nichts auf einem solchen Fußboden zu suchen haben", merkte Kison ironisch an. Schon bei geringer Belastung durch Möbel können manch filigrane Klick-Verriegelungen brechen. Auch Temperaturen über 27°C, die bei Sonneneinstrahlung durch Fensterglas schnell erreicht sind, können die Planken aus der Verriegelung drücken.
Schließlich haben die Sachverständigen die gängig verwendeten Klick-Verriegelunssysteme aufgeschnitten und vermessen. Dabei stellten sie fest, dass die Nasen im Profil der dünnen Planken, die die eigentliche mechanische Verriegelung erzeugen, mit Dickenmaßen von gerade einmal 0,4 mm bis maximal 0,85 mm ineinandergreifen. "0,4 mm ist dünner als meine Visitenkarten - was soll das denn halten", fragte Allmendinger - und gab selbst die Antwort: "Das kann nur auf einer ebenen Tischplatte funktionieren." In den Produktdatenblättern gibt es zu diesen Maßen übrigens in aller Regel keine Angaben.
Kison und Allmendinger erleben in ihrer Gutachtertätigkeit immer wieder, dass bei MMF-Böden in der Nutzung die Klick-Verriegelungen ausklinken, die Planken in Bewegung geraten und es zu Fugenbildungen und Aufschüsselungen kommt. In ihrer Schlussbetrachtung sensibilisierten sie die Parkett- und Bodenleger daher zur Vorsicht im Umgang mit entsprechenden Aufträgen: "Die (Mindest-)Anforderungen des MMFA an die Produkte werden von guten Anbietern eingehalten, von vielen Marktteilnehmern in deren spezifischen Herstellervorgaben aber konterkariert." Und: "Die Verriegelungssysteme sind teilweise nicht geeignet, um eine ordnungsgemäße und dauerhafte Verriegelung der Böden zu gewährleisten - selbst bei Einhaltung von außergewöhnlich hohen Anforderungen der Lieferanten und Hersteller."
aus
Parkett Magazin 01/25
(Wirtschaft)