VDT Verband der Deutschen Tapetenindustrie e.V.
Tapetenverband will schlagkräftiger werden
Der VDT öffnet sich für alle Hersteller von Wandbekleidungen und benennt sich in Verband der Tapeten um. Die Kampagne "Deutschland tapeziert" wird fortgesetzt; neuer Schwerpukt: B2B. Maler-Vizepräsident Ahle fordert mehr Kontakt zur Industrie.100 Jahre Deutsches Tapetenmuseum, Grundsteinlegung für ein neues Tapetenmuseum und Tapeten-Gipfel - die Tapetenbranche erlebte am 30. Juni 2023 rund um das Schlosshotel Wilhelmshöhe in Kassel einen ereignisreichen Tag. Während der verschiedenen Veranstaltungen mit insgesamt rund 200 Gäste feierte sie sich nicht nur, sondern stellte auch die Weichen für die Zukunft. So wird sich der Verband der Deutschen Tapetenindustrie (VDT) 136 Jahre nach seiner Gründung in Verband der Tapeten umbenennen und damit für neue Mitglieder öffnen. Das erläuterte Geschäftsführer Karsten Brandt beim 5. Tapeten-Gipfel, der im Anschluss an die VDT-Jahreshauptversammlung stattfand.
Waren bisher nur deutsche Hersteller von Mustertapeten und Zulieferer Mitglieder des Verbands, sollen nun alle Produzenten von Wandbekleidungen in Deutschland dem Verband der Tapeten beitreten können. Auch ausländische Produzenten mit Niederlassungen in Deutschland, Anbieter aus dem Objektbereich sowie Editeure und alle Zulieferfirmen inklusive Hersteller von Druckmaschinen und komplementären Produkten haben die Möglichkeit, sich anzuschließen. Der Verband ist damit offen für alle Arten von Wandbekleidungen, Tapeten bleibt jedoch als Namensteil erhalten, weil der Begriff dem Verbraucher geläufig ist.
Neue Mitglieder
Wie Brandt sagte, zählte der VDT im vergangenen Jahr die reinen Tapetenhersteller Caspar, Marburger Tapetenfabrik, Hohenberger Manufaktur für Tapeten, Gebr. Rasch und Rasch Textil als ordentliche Mitglieder. Schon vor der offiziellen Umbenennung kamen im ersten Halbjahr 2023 Erismann, Erfurt & Sohn, Komar, Leco, Vescom und Vitrulan dazu.
Die Verantwortlichen haben eine weitere Idee, die aber noch ausgearbeitet werden muss. Mit einer Junior-Mitgliedschaft ohne Stimmrecht beziehungsweise begrenzter Leistungen für Kleinsthersteller und sonstige Interessierte soll der Kreis der Assoziierten erweitert werden. Diese haben zukünftig als Gruppe gemeinsam eine Stimme.
Ein wichtiger Schwerpunkt der Verbandsarbeit ist die Nachhaltigkeit. Anhand der 17 UN Sustainable Development Goals sollen gemeinsame Positionen für die Tapetenbranche entwickelt werden. Zudem soll die Statistik überarbeitet werden. Wie Brandt hervorhob, wird eine Arbeitsgruppe aus bisherigen Teilnehmern und neuen Interessenten zusätzlich zur bestehenden Statistik Vorschläge erarbeiten. Das Budget des Verbands beläuft sich auf rund 500.000 EUR.
"Deutschland tapeziert"
richtet Fokus auf B2B
Der Tapete zu neuem Ruhm verhelfen - das ist das Ziel der Kampagne "Deutschland tapeziert" unter der Regie des VDT. Ihr haben sich rund 30 Unternehmen aus Industrie, Handel und der Zulieferbranche angeschlossen. Verbandsmitglieder sind automatisch Partner. Die Kampagne soll auch 2023/24 fortgesetzt werden. Nachdem bislang der Verbraucher im Fokus stand, liegt die Priorität nun auf B2B: auf Malern, Planern und dem Handel. Deutlich gemacht werden soll, dass Wandbeläge auch überstreichbar sein können und welche Vorteile sie gegenüber Putz haben.
Ein Highlight von "Deutschland tapeziert" sind die Tapetenwochen. Die kleinen Tapetenwochen, an denen sich die Partner mit eigenen Aktionen beteiligen können, starten in der ersten Oktoberhälfte 2023. Mit den Planungen für die Tapetenwochen 2024 wird im November begonnen.
"Der Maler muss
beraten und inspirieren"
Auch Maler und Lackierer haben großen Einfluss auf die Tapetennachfrage. Dietmar Ahle, Inhaber des Malerbetriebs Ahle in Paderborn und Vizepräsident des Bundesverbands Farbe Gestaltung Bautenschutz, gab in Kassel Tipps, wie Kunden zu einer Tapete verholfen werden kann. Viele hätten keine Vorstellung zur Gestaltung von Decken und Wänden und entschieden sich deshalb für weiße Flächen. "Dabei sind weiße Räume lebensfeindlich. Am wohlsten fühlen sich Menschen mit Farben, die in der Natur vorkommen. In diesen wohltuenden Farbenklängen verschaffen Tapeten ein neues Lebensgefühl", ist Ahle überzeugt.
Er appellierte an die Maler- und Lackierbetriebe: "Wir müssen den Kunden beraten und inspirieren. Unsere Kunden müssen die Tapeten im Raum sehen, damit sie sich das Ergebnis vorstellen können - entweder mit VR-Brillen oder direkt vor Ort." Ahle selbst betreibt seit 2019 einen Showroom in Paderborn, in dem die Wände tapeziert sind. Zudem habe er eine Auswahl von rund 150 Kollektionsbüchern. "Es reicht aber nicht aus, die Tapeten nur im Raum zu präsentieren. Wir unterstützen unsere Kunden, indem wir nach einem Beratungsgespräch oder Vor-Ort-Termin eine Kollektionsauswahl treffen und sie bei der Entscheidungsfindung nicht allein lassen." Sein Betrieb versuche, dem Kunden die Gestaltung zumindest einzelner Wände näher zu bringen, statt ausschließlich fugenlose Oberflächenputze zu wählen.
Engeren Kontakt
zum Handwerk gefordert
Bei der großen Zahl an Tapetenkollektionen wünscht sich Ahle, dass die Hersteller den Handwerksbetrieben jährlich eine Schulung anbieten würden, um die Ideen, Geschichten, Farben und Haptik der Tapete zu erfahren. "Wir können nämlich keine Tapeten verkaufen, wenn wir bei unseren Kunden keine Emotionen über Geschichten hervorrufen können." Wie der Vizepräsident meinte, fehle es insgesamt am Austausch zwischen Industrie und Handwerk. Er kritisierte, dass auf der Heimtextil 2023 nur zwei deutsche Tapetenhersteller präsent gewesen seien. Dafür lohne sich der Besuch der Messe nicht.
Zudem seien die Kollektionsbücher zu teuer. Bei einer Laufzeit von zwei Jahren müssten 60 bis 200 EUR pro Kollektion bezahlt werden. Das sei viel Geld angesichts eines lediglich fünfprozentigen Anteils am Gesamtumsatz der Malerbetriebe. Die seien aber ernsthaft daran interessiert, Tapeten zu verkaufen und in der Wohnung des Kunden an die Wand zu bringen. "Weil wir neben der Beschichtung von Wänden und Decken ein Zusatzgeschäft in der Innenraumgestaltung erschließen können. Gerade im höherwertigen Bereich liegt für den Fachhandel und die Betriebe ein sehr großes Umsatzpotenzial." Für den Erfolg aber bedürfe es des Kontakts zur Industrie.
Ahle rief die Tapetenhersteller auf, die Messe Farbe - Ausbau und Fassade (FAF) im April 2024 in Köln als Forum und Impuls für eine stärkere Zusammenarbeit mit den Maler- und Lackierbetrieben zu nutzen. Der Verband wünsche sich, mehr Tapeten und auch Bodenbeläge auf der Messe vertreten zu sehen. "Dann können wir gemeinsam die Zukunft der Tapeten gestalten." Die Leitfrage seines Vortrags "Hat die Tapete noch eine Zukunft?" beantwortete Ahle klar mit "ja" - wenn die Voraussetzungen erfüllt wären.
| Cornelia Küsel
aus
BTH Heimtex 09/23
(Wirtschaft)