Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz
Zukunftsfähigkeit der Maler-Innungen im Fokus
Ein Workshop auf dem Maler- und Lackierertag in Hannover machte deutlich, dass die Attraktivität von Innungsveranstaltungen erhöht werden muss. Arbeitgeber sollten sich auf die Anforderungen der jungen Generation einstellen.Innovative Workshop-Formate, spannende Impulse, mehr als 100 Teilnehmer - das war der vom Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz ausgerichtete Maler- und Lackierertag 2023. In Hannover diskutierte eine Expertenrunde über das Thema "Welche Zukunft hat die Innungsorganisation?" Dabei herrschte Einigkeit darüber, dass die Innungen auch künftig ein wichtiger Bestandteil der Handwerksorganisation in Deutschland sind. Verbandspräsident Guido Müller bekräftigte dies, mahnte jedoch in seinem Impulsvortrag: "Es reicht nicht, allein visionäre Ansätze zu verfolgen, die sich schwer umsetzen lassen. Um unsere Innungsorganisationen rasch voran zu bringen, müssen wir die großen Fragen in kleinen Schritten angehen. Dazu gehört, dass wir stärker das Engagement von unseren Innungen, Landesverbänden und ehrenamtlich Tätigen herausstellen. Auf der Messe Farbe, Ausbau und Fassade (FAF) 2024 werden wir deshalb erstmalig Innungen prämieren, die herausragendes Engagement beispielsweise in der Mitgliedergewinnung gezeigt haben."
Wie eine erfolgreiche Aktivierung von Mitgliedern gelingen kann, erläuterte Christoph Schleifer, Gründer und Geschäftsführer von Cam Buildr, einer digitalen Lösung für Mikrokampagnen. Emotionale Bindung durch kleine Interaktionen sei der Schlüssel, mit dem sich Menschen mobilisieren ließen.
In einem Workshop wurde herausgearbeitet, dass nicht mangelnde Zeit der ausschlaggebende Faktor für geringes Engagement auf regionaler Ebene ist. Vielmehr müssten die Attraktivität von Innungsveranstaltungen erhöht und die Gemeinschaft unter den Mitgliedern gestärkt werden. Dann ließen sich auch junge Maler- und Lackierermeister für die Innungsarbeit begeistern.
Selbstverwirklichung steht bei
jungen Menschen im Vordergrund
Karla Sieker, eine Vertreterin der Generation Z, machte in ihrem originellen Vortrag deutlich, dass die zwischen 1995 und 2010 Geborenen keineswegs arbeitsscheu sind. Sie hätten aber andere Prioritäten. Sie wollten die Welt zu einem besseren Ort machen und suchten nach einer Arbeit, bei der sie sich selbst verwirklichen könnten. Diese neuen Anforderungen erforderten ein Umdenken der Arbeitgeber: Vertrauen und Feedback sowie ein kooperativer Führungsstil haben einen höheren Stellenwert, die Sinnhaftigkeit des Berufs müssen über eine werteorientierte Kommunikation herausgestellt werden.
Wie die Zukunft aussehen kann, skizzierten Caparol-Geschäftsführer Guido Kuphal und Mathias Bucksteeg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands, in ihrem Impulsvortrag zur Zukunftsstudie Delphi 2040. "Unser Handeln in den nächsten fünf Jahren wird entscheiden, wie der Beruf des Malers und Lackierers in 25 Jahren aussehen wird. Wir müssen also schon heute die richtigen Weichen stellen", so Bucksteeg. Dazu gehören seiner Meinung nach eine frühzeitige Digitalisierung kleiner Betriebe, die mit Hilfe von Apps ihre Kundenkommunikation und -bindung sowie Geschäftsprozesse verbessern könnten. Zudem müsse sich das Maler- und Lackiererhandwerk frühzeitig in strategisch wichtige Projekte rund um das Bauen 4.0 einbringen. Nach Einschätzung von Kuphal weisen auch Innovationen wie der Maler-Roboter von Caparol den Weg in die Zukunft des Handwerks. Dabei gehe es auch um das Image und damit die Präsentation als innovativer Betrieb.
aus
BTH Heimtex 09/23
(Wirtschaft)