W. Classen GmbH & Co. KG

Flexibel und PVC-frei spricht Classen den Fachhandel an

Mit PVC-freien Bodenlösungen aus eigener Entwicklung will Classen verstärkt den Fachhandel ansprechen. Der Einstieg der dritten Familiengeneration in die Firmenleitung und eine neue Vertriebsstruktur sorgen für frischen Wind im Unternehmen.

Wasserresistenter Laminatboden, industrieller Digitaldruck, PVC-freie Designbeläge, schnelle und unkomplizierte Verlegesysteme, auch für Fischgrät - und 2024 voraussichtlich eine Cradle-to-Cradle-Zertifizierung: Classen zeigt sich stark bei Patenten, Nachhaltigkeit und generell in Sachen Forschung und Entwicklung. Am Standort Kaisersesch entstehen PVC-freie Designbeläge; hier entwickelte die F&E-Abteilung in den 2010er-Jahren den Polypropylen (PP)-basierten, voll recyclingfähigen Werkstoff Ceramin. Im brandenburgischen Baruth betreibt Classen "das größte zusammenhängende Laminatwerk der Welt", und im polnischen Rybnik werden Türen gefertigt. Mit über 90 % machen Bodenbeläge aber den größten Umsatzanteil aus.

Fachhandel soll über den
Großhandel beliefert werden

"Wir zahlen keine einzige Patentgebühr an Externe, sondern nutzen ausschließlich unsere Eigenentwicklungen", erklärt Céline Quervel, Mitglied der Geschäftsführung von Classen International. Dadurch ist das Familienunternehmen unabhängig und flexibel und verfügt über deutliche Alleinstellungsmerkmale.

Mit diesen USPs kann - und will - man gerade auch im höherwertigen Bereich punkten: Derzeit richtet Classen seine Vertriebsstrategie verstärkt auf den Fachhandel aus. Bisher hat der Anbieter mit viel White-Label-Ware hauptsächlich Baumärkte und den DIY-Bereich bedient und will auch weiterhin Volumenprodukte anbieten. Gleichzeitig aber eben auch Fischgrät-Designplanken, Digitaldruck, besondere Verlegetechniken und wasserresistentes Laminat. Und während Classen bis vor einem halben Jahr ausschließlich Klick-Beläge im Sortiment hatte, ist nun auch PVC-freier Dryback im Angebot und für erste Listungen im Gespräch.

Das alles sind Themen, die im Fachhandel gut ankommen, den Classen vor allem über den Großhandel beliefern wird. In der Region D/A/CH wird der branchenerfahrene Dirk Beneke als neuer Verantwortlicher verstärkt Kontakte knüpfen und bestehende intensivieren.

Neues internationales Vertriebsteam

Auch international hat sich Classen vertrieblich zum Teil neu aufgestellt: Moritz Menier, CEO der gerade gegründeten Vertriebsgesellschaft Classen Americas, zeichnet für den strategisch wichtigen Markt Nord- und Südamerika verantwortlich. David Hussey übernimmt die Leitung für wichtige Exportmärkte wie Westeuropa, Skandinavien und den Mittlerer Osten.

Die Gesamt-Vertriebsstrategie des Unternehmens bringen Mathias Gorecki und Céline Quervel gemeinsam voran: Vertriebsprofi Gorecki, seit über 30 Jahren im Unternehmen, wurde erst kürzlich in die Konzern-Geschäftsführung berufen. Quervel, Enkelin des Unternehmensgründers Dr. Hans-Jürgen Hannig, hat in kürzester Zeit eine beeindruckende Karriere hingelegt: Die 26-jährige studierte Medien- und Kommunikationsdesignerin stieg Anfang 2020 ins Unternehmen ein, ist seit 2023 Marketingleiterin und verantwortet jetzt zusätzlich den Gesamtvertrieb auf Familienebene.

Insgesamt soll die neue Vertriebsstruktur frische Dynamik in das Unternehmen bringen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem engen Austausch zwischen allen Abteilungen: Vertrieb, Marketing, Produktmanagement, Forschung und Entwicklung. Abteilungsübergreifende Teams werden gezielt eingesetzt, um Produktneuheiten wie den PP-Dryback Ceramin Flex einzuführen. Gemeinsam will man auch Produkte "direkt am Markt" entwickeln und hierfür verstärkt das Feedback der Kunden einholen.

Ceramin-Platten direkt bedruckt

Alle Ceramin-Böden und -Wandbeläge produziert Classen in Kaisersesch. Zwei brandneue Breitschlitzdüsen sorgen dafür, dass eine besonders hohe Trägerplattenqualität erreicht wird. Die Platten lassen sich direkt per Digitaldruck gestalten und werden anschließend profiliert. Für den gesamten Produktionsprozess hat Classen mehrere Patente angemeldet.

"Das direkte Bedrucken ist etwas Besonderes, das macht so noch kein Hersteller im Designbodenbereich", erklärt Quervel. Dieses Know-how stellt Classen anderen Anbietern als Dienstleistung zur Verfügung.

Der Druck ist allerdings nur der letzte Schritt im komplexen Designentwicklungsprozess. Der erfolgt im modernen Entwicklungszentrum, das Classen 2015 in Kaisersesch gebaut hat, um die Möglichkeiten des flexiblen Digitaldrucks voll auszuschöpfen. Hier arbeiten momentan sechs Designer, die Materialien sichten und einkaufen als Vorlage für neue Bodenbelagsoptiken. Das können Hölzer sein, Stoffe oder auch alte Weinfässer. Das Material wird in der Werkstatt aufbereitet, eingescannt und am Computer nachbearbeitet.

Was sich in einem einzigen Satz zusammenfassen lässt, ist ein hoch anspruchsvoller Prozess. Beim Einscannen gilt es, das Produkt perfekt auszuleuchten, damit eine kontrastreiche Vorlage entsteht. Diese wiederum wird intensiv bearbeitet. Probedrucke - zunächst auf Papier - vermitteln einen ersten Eindruck, Materialmuster einen noch besseren. Wichtig zu beachten: Je nachdem, unter welchem Lichteinfluss (warm oder kalt) das Dekor steht, wirkt es sehr unterschiedlich. "Deswegen haben wir hier im Entwicklungszentrum in eine große Lichtanlage investiert, an der wir verschiedene Einstellungen und Wirkungen ausprobieren können, um letztlich die optimale Farbeinstellung für den Druck zu wählen", erklärt Quervel.

Laminat 2.0 - "ein völlig neues Produkt"

Im Laminatwerk Baruth werden 30 bis 40 % der Dekore digital gedruckt; für die übrigen 60 bis 70 % verwendet Classen Dekorpapiere aus dem Offsetdruck. Ein beachtlicher Anteil der Oberflächen ist synchrongeprägt. In Baruth entsteht auch der Hightech-Bodenbelag Uberwood, der dank einer extrem hoch verdichteten Trägerplatte und Kantenimprägnierung bis zu einer Woche lang stehendem Wasser standhält und besonders kratzfest ist.

Alle Laminatböden liefert Classen mit dem schnell verlegbaren Fold-Down-System Megaloc; für das Fischgrät-Laminat ist mit Megaloc Twin ein weiteres Patent am Start: Hier gibt es statt der gängigen A- und B-Dielen nur eine Variante, die sich sowohl rechts als auch links anlegen lässt.

Laminatbeläge haben in den letzten Jahren deutliche Marktanteile an die Designbeläge verloren - doch dank diverser Weiterentwicklungen stehen die aktuellen Produkte viel stärker da. "Laminat ist ein sehr nachhaltiges Produkt, das nahezu vollständig aus Holz besteht", erklärt Quervel. "Es punktet in Preis, Optik und Kratzfestigkeit. Und es hat sich technologisch so stark weiterentwickelt, dass man es nicht mehr mit Produkten von vor zehn Jahren vergleichen kann."

Außendarstellung:
Digital und zum Anfassen

Die Neuerungen und Spezialitäten müssen nach außen gezeigt werden, gerade auch dem Fachhandel. Das geschieht beispielsweise vor Ort in Kaisersesch ganz plastisch und zum Anfassen in Form von Verlegeschulungen im Entwicklungszentrum. Seine designtechnischen Möglichkeiten stellt Classen durch mehrere stimmungsvoll eingerichtete Kojen dar: Sie zeigen beispielsweise Natursteine aus einem italienischen Steinbruch, die das Team einscannt und als Vorlage für verschiedene Designs verwendet. In einer weiteren Koje hat ein Designer Street Art aus dem malayischen Georgetown per Hand nachgemalt; der Ceramin-Boden basiert auf einem Kachelmuster aus einem dortigen Café.
Für die Außenwirkung jenseits von Kaisersesch sorgt die ständig wachsende Marketingabteilung, die gerade auch in den Sozialen Medien mehr Präsenz zeigt und sich dabei vor allem an Classen-Kunden und deren Mitarbeiter wendet. "Außerdem sind uns Messen wichtig, gerade die BAU war 2023 für uns sehr erfolgreich", so Quervel. 2024 wird es auf der Domotex China, der Surfaces in Las Vegas und auf dem Kölner Branchentag Holz Stände geben; für die Domotex 2024 in Hannover ist eine Präsentation im Rahmen der Green Collection geplant.

C2C-Zertifizierung
für 2024 angestrebt

Für seinen PVC-freien Werkstoff aus Polypropylen und mineralischen Füllstoffen strebt Classen eine Cradle-to-Cradle-Zertifizierung an. Prof. Dr. Michael Braungart, "Urvater der Zertifizierung", war vor Ort und laut Quervel sehr erstaunt darüber, "dass es hier so einen großen deutschen Verarbeiter von Polypropylen gibt, der sich stark gegen PVC positioniert." Braungart prüfte das Produkt auf Herz und Nieren, inklusive aufwendiger chemischer Analyse. "Das Ergebnis hat ihn überzeugt", berichtet Quervel. Der C2C-Zertifizierungsprozess läuft und soll 2024 abgeschlossen sein; gleichzeitig unterstützt Braungart Classen in der Kommunikation mit den großen Recycling-Unternehmen und stellt Kontakte zu anderen PP-Verarbeitern her. Das Ziel: "Synergien bilden und gemeinsam den politischen Druck erhöhen."

Auch in China arbeiten die ersten Unternehmen an Polypropylen-Belägen. Classen ist mit ihnen im Kontakt. "Wir haben großes Interesse daran, diese Kategorie voranzutreiben, und sind überzeugt, dass wir dafür Mitbewerber brauchen", erklärt Quervel.

Unter anderem für die C2C-Zertifizierung wurde bei Classen eine Nachhaltigkeitsabteilung gegründet; die Leitung übernimmt Sebastian Wendel. Auch die jährlichen Nachhaltigkeitsberichte und Verpflichtungen zum Lieferketten-Sorgfaltsgesetz will man in dieser Abteilung bündeln. Julie Quervel, Schwester von Céline Quervel und seit Oktober im Unternehmen, arbeitet auf Controlling-Ebene eng mit Wendel zusammen. Die Abteilung soll kontinuierlich auch personell ausgebaut werden.
| Meike Stewen



Daten + Fakten Classen
W. Classen GmbH & Co. KG
Werner-von-Siemens-Straße 18-20
56759 Kaisersesch
Tel.: 02653 / 9 80-0
info@classen.de
www.classengroup.com

Geschäftsführung:
-Dr. Hans-Jürgen Hannig
-Stefanie Quervel
-Mathias Gorecki
Marketing: Céline Quervel
Gründungsjahr: 1962
Umsatz 2021: 546,1 Mio. EUR
Flexibel und PVC-frei spricht Classen den Fachhandel an
Foto/Grafik: Classen
Hochaktuell: Fischgrät-Muster.
Der Laminatboden Manor macht
die Verlegung unkompliziert.
Flexibel und PVC-frei spricht Classen den Fachhandel an
Foto/Grafik: Classen
Mit den Schwestern Julie und Céline Quervel ist die dritte Generation bei Classen aktiv: Julie Quervel mit dem Schwerpunkt Controlling, Céline Quervel mit den Schwerpunkten Marketing und Vertrieb.
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Foto/Grafik: Classen
Vertriebsprofi Mathias Gorecki, seit über 30 Jahren
im Unternehmen, wurde kürzlich in die
Konzern-Geschäftsführung berufen.
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Foto/Grafik: Classen
Im Entwicklungszentrum zeigen Kojen die designtechnischen Möglichkeiten des Anbieters – etwa mit Natursteinen, die das Team einscannt und als Vorlage verwendet.
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Classen hat in eine große Lichtanlage investiert, mit deren Hilfe man die Wirkung von warmem und kaltem Licht auf die Dekore prüfen kann. Auf diese Weise findet das Team die perfekte Farbeinstellung für den Druck.
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Foto/Grafik: Classen
Classen arbeitet intensiv daran, immer mehr Energie selbst zu erzeugen. Am Standort Kaisersesch deckt man den größten Teil des Bedarfs selbst ab: durch Photovoltaik und ein Kraftwerk für thermische Holzverwertung.
aus BTH Heimtex 10/23 (Wirtschaft)