Meffert AG Farbwerke

"Die Meffert AG gibt in Köln ein Bekenntnis für die Branche ab"

Die Marke Profitec der Meffert AG setzt Zeichen in Sachen Nachhaltigkeit, will mit einem Rezyclat-Gebinde inklusive Kunststoffbügel und Sicherheitsfolie gegen Anhaftung den Wertstoffkreislauf stärken. Das erläutert Vertriebsleiter Benedikt Merz im Vorfeld der Messe Farbe - Ausbau und Fassade.

BTH Heimtex: Die Vorbereitungen auf die Messe Farbe - Ausbau und Fassade (FAF), die nach fünf Jahren Pause vom 23. bis 26. April 2024 in Köln stattfinden wird, laufen auf Hochtouren. Wird die Meffert AG mit einem Stand dabei sein?

Benedikt Merz: Wir haben uns entschieden an der FAF teilzunehmen, weil wir in Köln ein Bekenntnis für die Branche abgeben wollen - und versprechen uns einiges von der Messe. Zusammen mit Dinova wird der Messestand eine Fläche von 700 m haben. Wir konzentrieren uns dabei auf unsere Kernkompetenzen und präsentieren außer Innenfarben auch unser Sortiment an Lacken und Wärmedämmverbundsystemen.

Auf der Produktseite fokussieren wir uns auf unseren Topseller P144 Matt Plus. Innerhalb von nur sieben Jahren hat sich diese Farbe zum absoluten Lieblingsprodukt bei den Malern entwickelt und ist nun fest im Markt etabliert. Dieses Jubiläum haben wir in den vergangenen Wochen mit einer breit angelegten Kampagne gefeiert, in die wir auch unsere verarbeitenden Maler stark mit eingebunden haben. Matt Plus ist ein Produkt für die glatte Wand. Die Farbe ist strukturarm, streiflichtunempfindlich und lässt sich sehr gut ausbessern. Sie ist weltweit das erfolgreichste Produkt unserer Unternehmensgruppe.

Ein weiterer Schwerpunkt auf der Messe wird das Thema Nachhaltigkeit sein. Dabei werden wir den Fokus auf unser Rezyklat-Gebinde legen.

Was ist das Besondere an diesem Gebinde?

Das Gebinde besteht aus Post-Consumer-Rezyklat (PCR), wird also aus haushaltsnahem Plastikmüll hergestellt. Statt mit dem traditionellen Metallbügel ist es seit 2022 mit einem Kunststoffbügel versehen. Dadurch, dass die Gebinde jetzt aus einem Monomaterial bestehen, können sie als Ganzes recycelt werden. Aus den entsorgten Gebinden kann so wieder Rezyklat-Granulat unter anderem für die Produktion neuer Gebinde gewonnen werden. Zur Verdeutlichung: Jeder 12,5 l-Eimer spart im gesamten Herstellungsprozess rund 0,4 l Erdöl ein und verringert die CO-Emmissionen um 26 %.

Gibt es noch weitere Veränderungen an dem Gebinde?

Neu ist auch unsere SIFO-Sicherheitsfolie. Damit sind wir die ersten in der Farbenbranche, die ihre Gebinde versiegeln. So konnten wir eines der ältesten Probleme der Branche lösen - die Farbanhaftung.

Nachhaltigkeit ist eines Ihrer großen Themen. Hat der Europäische Green Deal, der ein klimaneutrales Europa bis 2050 vorsieht, das Engagement der Marke Profitec für den Umweltschutz beeinflusst?

Sicherlich hat das unsere Bestrebungen weiter vorangetrieben. Teil des Deals ist die EU-Verpackungsverordnung, die 2030 in Kraft treten soll. Aber warum sollten wir auf 2030 warten, wenn wir schon heute damit beginnen können? Wir waren im vergangenen Jahr mit die Ersten, die das Gebinde aus PCR eingeführt haben. Darüber hinaus haben wir die Recyclingfähigkeit unserer Gebinde auf den Prüfstand gestellt. Hierzu haben wir HTP, das Institut für Recycling und Produktverantwortung, mit ins Boot geholt.

Nach dem aktuellen Entwurfspapier der EU-Verpackungsordnung müssen wir ab 2030 mindestens 35 % Rezyklatanteil einsetzen, diesen Wert erfüllen wir schon jetzt. Zudem müssen wir nach der Verordnung als Inverkehrbringer der Verpackung bis dahin eine Recyclingfähigkeit von 70 % erreichen, unser Wert liegt schon jetzt bei 97 %.

Ohne den Kunststoffbügel kämen wir im schlechtesten Fall - je nach Sortieranlage des Entsorgers - übrigens nur auf einen Wert von 9 %. Denn die Materialien können nicht voneinander getrennt werden. Mittels Magnet kann nur der Metallbügel recycelt werden. Der gesamte Kunststoff wird verbrannt, da er dann nicht mehr weiterverarbeitet werden kann. Mit diesem Wissen gibt es für uns keine andere Option als den Kunststoffbügel zukünftig einzusetzen.

Die Meffert AG bezeichnet sich im Bereich der nachhaltigen Verpackungen als Pionier. Verändert sich auch das Umweltbewusstsein des Malers in diese Richtung?

Das Bewusstsein steigt auf jeden Fall. Als wir im März 2022 das Rezyklat-Gebinde mit Kunststoffbügel eingeführt haben, zeigten die Maler vermehrt Interesse an der Thematik. Wir haben in diesem Bereich dann viel Aufklärungsarbeit geleistet. Außer der höchsten Recyclingquote hat der Kunststoffbügel noch weitere Vorteile: Das Gebinde liegt deutlich besser in der Hand und schneidet nicht mehr ein. Mittlerweile bekommen wir vermehrt positive Rückmeldungen unserer Verarbeiter. Wenn alle branchenübergreifend weiter Recycling-Gebinde einsetzen wollen, dann müssen wir auch dafür sorgen, dass unsere Verpackungen die höchstmögliche Recyclingquote aufweisen. In Sachen Nachhaltigkeit bei der Verpackung ist eben wirklich höchste Zeit zum Umfassen - des neuen Kunststoffbügels.

Damit unsere Bemühungen nicht umsonst bleiben, sollte jeder Marktteilnehmer am Entsorgungskreislauf teilnehmen. Dafür motivieren wir gerade vermehrt die Maler, die teure Entsorgung im Bauschuttcontainer zu überdenken und stattdessen die Gebinde wieder zurück in den Recyclingkreislauf zu geben. Das geht über unseren Entsorger Zentek für den Maler sogar kostenlos. Alle Informationen und das Beauftragungsformular finden unsere Kunden auf unserer Homepage. Bei weiteren Fragen stehen unser Fachberater auch bei diesem Thema unterstützend zur Seite.

Wir haben ausführlich über nachhaltige Verpackungen gesprochen. Was unternehmen Sie in puncto Nachhaltigkeit auf der Produktseite?

Wir bei Profitec sehen Nachhaltigkeit ganzheitlich an. Unser Entwicklungsteam im F&E-Bereich beschäftigt sich derzeit mit nachwachsenden Rohstoffen. Daraus wird sich das eine oder andere Produkt entwickeln lassen. Wir sind mit Hochdruck dabei. Außerdem setzen wir verstärkt auf Produkte ohne Konservierungsmittel. Dasselbe gilt auch für unsere Mischsysteme. Wir testen aktuell zwei verschiedene Systeme in der Praxis, um Tönen in der Zukunft konservierungsmittelfrei möglich zu machen.

Auch Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) sind wichtige für die Erreichung der Klimaziele. Trotzdem steigt die Nachfrage bisher nicht. Woran liegt das?

Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel geht für dieses Jahr von einem Minus in Höhe von 9 % aus. Damit fehlen gute 3 Mio. m. Wenn es weniger Baugenehmigungen gibt, braucht es auch weniger WDVS. Aber entscheidend ist auch: Im Gebäudeenergiegesetz wird die Wärmedämmung zu wenig hervorgehoben. Dabei gilt bei der Sanierung der Grundsatz: Erst dämmen, dann pumpen. Das muss allerdings bezahlbar sein. Das Wärmedämmverbundsystem muss noch mehr staatlich gefördert werden.

Noch einmal zur Nachhaltigkeit. Welche konkreten Maßnahmen hat das Unternehmen als Organisation schon konkret in Angriff genommen?

Wir tun da schon eine ganze Menge. So stellen wir beispielsweise gerade unsere Fuhrparkflotte auf E-Mobilität um. Wir haben in diesem Zuge auch zahlreiche Photovoltaikanlagen installiert. In Summe erreichen wir bereits eine Gesamtleistung von 1.162kWp und weitere Installationen sind konzernweit in Planung. Eine ganze interne Nachhaltigkeitsinitiative beschäftigt sich mit dem wichtigen Thema.

Das alles kostet Geld. Wie läuft es derzeit wirtschaftlich für die Meffert AG?

Für Profitec kann ich sagen, dass wir seit 2020 ein starkes Mengenwachstum haben. Ich habe die gut geführte Abteilung vor drei Jahren übernommen, innerhalb dieser Zeit konnten wir Profitec im In- und Ausland sehr gut weiterentwickeln. Wir sind absolut großhandelstreu. Das ist für morgen und übermorgen eine große Chance für uns. In Deutschland sind wir mittlerweile in 150 Standorten vertreten. Nicht zu vergessen, unsere Ausrichtung und positive Entwicklung im Private Label Bereich.

Der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie prognostiziert für das kommende Jahr einen weiteren mengenmäßigen Rückgang. Wie fällt Ihre Prognose für Profitec aus?

Ich teile die Einschätzung des Verbands. Alle Faktoren deuten darauf hin. Der Wohnungsbau geht zurück, auch die Zahl der Baugenehmigungen, zusätzlich gehen die Zinsen weiter hoch. Wir wissen also ziemlich genau, was auf uns zukommt. Aber wir sind dafür gut gewappnet und agieren jetzt schon sehr effizient. Selbst wenn der Markt weiter zurückgeht, sehe ich dennoch große Chancen, Profitec weiterzuentwickeln. Dafür arbeiten wir stärker denn je mit dem Großhandel zusammen. Profitec wird im kommenden Jahr 25Jahre alt, von Anfang an waren wir Partner des Großhandels - und das bleibt auch so. Bei vielen Händlern ist Profitec inzwischen die Leitmarke. Wir gewinnen durch unser modernes Auftreten immer neue Zielgruppen hinzu. Vor allem unter den Jungmalern konnten wir in der Zwischenzeit echte Fans und Markenbotschafter gewinnen.
Ein weiteres Problem für die Branche ist der Mangel an Fachkräften und Handwerkern.

Industrie, Handel und Handwerk müssen hier am selben Strang ziehen! Die Innungen und die Handwerkskammern leisten schon wertvolle Arbeit, bei der wir gerne unterstützen. Gegenüber 1995 ist die Zahl der Azubis im Malerhandwerk um die Hälfte zurückgegangen. Wir machen alle viel, damit sich wieder mehr junge Leute für den Beruf interessieren. Es gibt inzwischen sogar Influencer-Maler, die aktiv für den Beruf werben. Ich denke, dass wir auf dem richtigen Pfad sind.

Gibt es bei der Meffert AG Fachkräftemangel?

Wie bei allen. Ein Unternehmen muss sich in dieser Situation neu erfinden. In den digitalen Medien aktiv sein. Die Firmen müssen erlebbar und spürbar sein. Wir müssen die Sprache der Bewerber sprechen und als Arbeitgeber attraktiv bleiben. Hinzu kommt der eingeleitete Generationenwechsel bei Meffert.

Noch einmal kurz zu dem Produkten: Welche werden derzeit am stärksten nachgefragt?

Unsere Kernkompetenz liegt seit Jahren bei den Innen- und Fassadenfarben. Inzwischen entwickeln sich aber auch unsere Lacke und Spachtelmassen sehr gut. Trotz schwieriger Marktbedingungen konnten wir unser WDVS-Geschäft erfolgreich etablieren.

Die Fragen stellte Cornelia Küsel


Daten + Fakten Meffert Farbenwerke
Meffert AG Farbwerke
Sandweg 15
55543 Bad Kreuznach
Tel.: 0671 / 8 70-0
www.meffert.com

Vorsitzender des
Vorstands: Klaus Meffert
Vertrieb: Benedikt Merz
Marketing: Jens Bayer
Gründungsjahr: 1947
Mitarbeiter: 1.535
Jahresumsatz
Gruppe 2022: 420 Mio. EUR
Marken: Profitec, Dinova, Tex-color, Gnature Naturfarben, Albrecht, Erbedol, Düfa, Super Nova, Pronova, Bio Pin, Casa Italia, Feidal Coatings
"Die Meffert AG gibt in Köln ein Bekenntnis für die Branche ab"
Foto/Grafik: Meffert
Mit der matten Farbe P144 Matt Plus hat Profitec den Zeitgeist getroffen. Das Produkt schafft glatte Wände.
"Die Meffert AG gibt in Köln ein Bekenntnis für die Branche ab"
Foto/Grafik: Meffert
"Wir sind absolut großhandelstreu. Das ist auch eine Chance für morgen und übermorgen"

Benedikt Merz, Vertriebsleiter
"Die Meffert AG gibt in Köln ein Bekenntnis für die Branche ab"
Foto/Grafik: Meffert
Benedikt Merz, Marketingmanagerin Jenny Gehres, Jens Bayer, Marketingmanager der Meffert AG, und Marketing Managerin Profitec Theresa Härter präsentieren den Bestseller Profitec Matt Plus, der vor sieben Jahren auf dem Markt kam.
"Die Meffert AG gibt in Köln ein Bekenntnis für die Branche ab"
Foto/Grafik: Meffert
Die Meffert AG hat ihren Stammsitz in
Bad Kreuznach.
aus BTH Heimtex 11/23 (Wirtschaft)