75 Jahre ViS
"Wir sind eine zukunftssichere Branche"
Ein launiges Programm und eine gute Mischung aus Information und Unterhaltung: So ging die Jahrestagung 2023 des Verbands innenliegender Sicht- und Sonnenschutz über die Bühne. Grund zum feiern bot das 75-jährige Bestehen des ViS.Die Jahrestagung des Verbands innenliegender Sicht- und Sonnenschutz bot in diesem Jahr nicht nur den Rahmen für das übliche Stelldichein der Branche, sondern auch für die Feier zum 75-jährigen Bestehen des ViS. Gut 130 Gäste waren Mitte Oktober der Einladung nach Köln gefolgt.
Wie üblich startete die Veranstaltung mit der internen Mitgliederversammlung. Neben einem Blick auf die Verbandsarbeit des zurückliegenden Jahres sowie die strategische Ausrichtung für das kommende stand dort die Neuwahl des Vorstandes auf der Tagesordnung: Außer Ingo Fahl (Ifasol), der bereits seit 2013 den Vorsitz innehat, und Andreas Kopetschny (MHZ Hachtel), der ebenfalls im Amt bestätigt wurde, gehören dem Führungsgremium Ulf Kattelmann (Kadeco) und Heiko Ziffer (Teba) an. Hildegard Frommherz (Warema), die nicht mehr zur Wiederwahl stand, wurde im Rahmen der Veranstaltung verabschiedet.
Für den festlichen Teil am ersten Tag begab sich die Gesellschaft am Abend an Bord der MS Jan von Werth und nutzte bei der Fahrt auf dem Rhein die Gelegenheit zum Netzwerken und Gedankenaustausch. Für Unterhaltung sorgte der Comedyredner Dr. Jens Wegmann.
Fahl macht der Branche Mut
Im öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung am zweiten Tag wurden die neuen ViS-Mitglieder - Hersteller Cortina Sonnenschutz sowie die Lieferanten H. Büsche und Jiecang Europe - offiziell im Verband empfangen. Ingo Fahl hob in seiner Begrüßung hervor, wie wichtig Verbandsarbeit gerade in Krisenzeiten ist. Auch wenn die aktuelle Konjunkturlage der erfolgsverwöhnten Sonnenschutzbranche einen Dämpfer beschere: Sie habe in den zurückliegenden 75 Jahren so manchen Auf- und Abschwung, so manchen Boom und manche Krise erlebt. "Wir als Unternehmen haben heute alle Mittel, mit diesen Krisen umzugehen, denn wir können auf Ereignisse reagieren und etwas unternehmen. Wir sind als Unternehmer in der Lage, das zu meistern, und ich bin überzeugt davon, dass wir eine zukunftssichere Branche sind. Die Konjunktur wird irgendwann wieder Fahrt aufnehmen und wir alle werden gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Das macht uns als Branche aus - das Jammern überlassen wir anderen."
ViS-Geschäftsführer Martin Auerbach führte das Auditorium durch 75 Jahre Verbandsgeschichte, beginnend mit der Gründung des Springrollo Verbandes 1948 in Oldenburg. Ferner berichtete er über die Projektarbeit. So bietet der Verband unter dem Dach des Kompetenz-Zentrums Textil + Sonnenschutz interessierten Mitgliedern mit seinem Nachhaltigkeitsnetzwerk Renewtex eine Plattform, kreislauffähige und nachhaltige Produkte zu entwickeln.
Fehlende Nachfrage
und durchwachsene Aussichten
Die Präsentation der Wirtschaftsdaten zeigte die aktuellen Probleme der Branche auf. Diese reichen von regionalen und globalen Krisen und deren direkten und indirekten Auswirkungen bis zum Dauerbrenner Fachkräftemangel. Trotz eines sonnigen und warmen Sommers wird 2023 nach Einschätzung des ViS rückläufige Umsätze bringen. Es fehlt die Nachfrage, sowohl im stationären als auch im Onlinehandel. Mit Ausnahme von Rollos gehen die Absatzmengen teilweise zweistellig zurück. Beim Umsatz weisen einzig Rollos und Wabenplissee ein Plus auf (siehe BTHHeimtex 11/23). Der Trend der letzten Jahre, in das eigene Zuhause zu investieren, scheint vorbei. Verbraucherinnen und Verbraucher üben sich in Kaufzurückhaltung und Preissensibilität oder geben das Geld für andere Dinge aus.
Ob die Ergebnisse der Konjunkturumfrage unter den ViS-Mitgliedern zur Entwicklung vom ersten zum zweiten Quartal 2023 am Jahresende noch Bestand haben werden, ist angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen zumindest fraglich. Von den 18 teilnehmenden Herstellern und zehn Lieferanten bezeichneten 54 % die Umsatzentwicklung als "gut" beziehungsweise "eher gut", 46 % als "schlecht" beziehungsweise "eher schlecht". Bei der Bewertung der Auftragslage war das Verhältnis 50:50, was der Verband mit der unterschiedlichen Ausrichtung (stationärer vs. Onlinehandel, Raumausstatter vs. Discounter etc.) der Firmen begründet.
Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer gaben an, besonders von Kostensteigerungen betroffen zu sein. Dabei leiden rund 40 % vor allem unter den hohen Belastungen bei der Material- und Rohstoffbeschaffung, für rund ein Viertel schlagen die Kosten im Bereich Personal und Verwaltung am meisten zu Buche. Transport- und Energiekosten liegen mit je 17 % an letzter Stelle und zeigen, dass zumindest hier Entspannung eingetreten ist.
Als Konsequenz gaben zwei Drittel an, geplante Investitionen in den nächsten zwölf Monaten eher vorsichtig anzugehen oder zurückzustellen; das verbleibende Drittel wird die Investitionen wie geplant durchführen.
aus
BTH Heimtex 12/23
(Wirtschaft)