ZVR Zentralverband Raum und Ausstattung Bundesinnungsverband für das Raumausstatter-, Sattler- und Feintäschner-Handwerk
Initiative für mehr Auszubildende im Raumausstatterhandwerk
Die Ausbildungsinitiative Generation Handwerk hat ihre Tätigkeit aufgenommen. Nachdem der Instagram Account online ist, sollen weitere Maßnahmen zeitnah umgesetzt werden, um junge Menschen für das Raumausstatterhandwerk zu gewinnen.Laut August-Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts leiden rund 43 % der Firmen in Deutschland unter Engpässen bei qualifizierten Arbeitskräften. Und nach einer Erhebung der Bundesagentur für Arbeit klagt zwischenzeitlich jeder dritte Berufszweig im Handwerk über erheblichen Fachkräftemangel, wie der Spiegel (14. September 2023) meldet: Von 177 Handwerksberufen werden inzwischen 68 als sogenannte Engpassberufe geführt.
Auch im Raumausstatter- und Sattlerhandwerk fehlt es an qualifiziertem Personal. Firmenschließungen aufgrund mangelnder Nachfolgelösungen sind längst keine Seltenheit mehr. Ein Zustand, den die Raumausstatter Lars Leppin und Dirk Lindemann mit ihrem Kollegen Flynn Buchwald nicht länger tatenlos hinnehmen wollten. Gemeinsam haben sie überlegt, wie ein tragfähiges Konzept aussehen könnte, um dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken.
Das Ziel:
25 % mehr Azubis
Die ursprüngliche Idee, eine Ausbildungsinitiative alleine auf die Beine zu stellen, wurde schnell über Bord geworfen. In Ralf Vowinkel, Präsident des Zentralverbandes Raum und Ausstattung (ZVR), fanden die Protagonisten einen Gesprächspartner, der die Tragweite und Bedeutung einer solchen Ausbildungsoffensive sofort erkannte. Gemeinsam wurde unter der eingängigen Bezeichnung "Generation Handwerk" ein Konzept ausgearbeitet, für das die ZVR-Mitgliederversammlung im Herbst 2022 grünes Licht gab.
Primäres Ziel der Kampagne ist die Imageförderung der Ausbildungsberufe Raumausstatter, Sattler, Bodenleger, Polster- und Dekorationsnäher. Das ambitionierte Ziel: 25 % mehr Azubis innerhalb von fünf Jahren. Um das zu erreichen, sollen jungen Menschen die Zukunfts- und Aufstiegschancen in den Gewerken aufgezeigt werden, bis hin zur Möglichkeit, sich selbstständig zu machen und einen Betrieb zu übernehmen.
Dazu müssen allerdings im Vorfeld die Rahmenbedingungen verbessert werden, denn mittlerweile nimmt auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe kontinuierlich ab, wie Dirk Lindemann weiß: "Wir müssen bestehende und neue Betriebe davon überzeugen, jungen Menschen die Vielseitigkeit, Kreativität und Attraktivität unseres Berufs zu vermitteln, um einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftssicherung des Raumausstatterhandwerks zu leisten. Gleichzeitig müssen die Betriebe gestärkt und unterstützt werden, die bereits ausbilden."
Professionelle Unterstützung
Generation Handwerk ist im Ursprung eine Gruppe des Jungmeisterkreises im ZVR und ab sofort Namensgeber für die Offensive gegen den Fachkräftemangel im Raumausstatter- und Sattlerhandwerk. Das Konstrukt ist dabei so angelegt, dass die Initiative zwar unter dem Dach des Zentralverbands als Arbeitskreis angesiedelt ist, jedoch autonom agieren kann und über ein eigenes Budget verfügt.
Professionell unterstützt wird die Ausbildungsinitiative von der Agentur DIM aus Mülheim an der Ruhr, die auf das Recruiting von Auszubildenden spezialisiert ist und seit annähernd zehn Jahren erfolgreich die Kampagne "Das ist Bodenhandwerk" koordiniert. Der Aufbau einer Webseite sowie die Erstellung von Content für Social Media-Kampagnen sind nach dem strukturellen Aufbau der Initiative die nächsten wichtigen Etappen, um Generation Handwerk an den Start zu bringen und kontinuierlich mit informativen Inhalten zu füttern.
Außerdem werden die führenden Online-Ausbildungsportale und -Börsen bespielt, um das Berufsbild kontinuierlich darzustellen. DIM zählt sich hier zu den führenden Agenturen im Recruiting von Auszubildenden über Facebook, Instagram, Tiktok, Youtube und die Portale.
So ist beispielsweise Instagram bei der Zielgruppe sehr beliebt: Rund 78 % der 16 bis 19-Jährigen nutzen das soziale Netzwerk regelmäßig. "Wir werden hauptsächlich Content für diesen Kanal erstellen und ihn beispielsweise auf Facebook zweitverwerten", führt Lars Leppin dazu aus. In einem zweiten Schritt soll der Aktionsradius auf Tiktok und Youtube erweitert werden, um die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie in ihrer Kommunikation unterwegs sind.
Sponsoren willkommen
Rund 200.000 EUR Jahresbudget werden unter anderem für eine Webseite, Social Media, die Erstellung von Inhalten und das Bespielen der Ausbildungsportale sowie die kontinuierliche Betreuung veranschlagt. Die finanziellen Mittel sollen über Sponsorengelder eingefahren werden, die Herstellern und Lieferanten auf die jeweilige Unternehmensgröße abgestimmt in individuellen Paketen zwischen 2.500 und 20.000 EUR angeboten werden. Mit Firmen, die bereits mit von der Partie sind, hat Generation Handwerk die Anschubfinanzierung hinbekommen und konnte im September mit den ersten Aktivitäten starten.
Weitere finanzielle Unterstützung ist nötig, Sponsoren sind jederzeit willkommen. Interessenten können sich direkt mit den Initiatoren in Verbindung setzen.
| Michaela Fischer
aus
BTH Heimtex 12/23
(Wirtschaft)