Deko+Stoffe Fachhandelsumfrage 2025 - Teil 1

Konzentration auf weniger Lieferanten

Die Fachhandelsumfrage Deko+Stoffe 2025 zeigt: Der Fachhandel listet zunehmend weniger Lieferanten. Um so erfreulicher sind daher die Zahlen für Ado und JabAnstoetz, die als einzige von mehr als der Hälfte der Befragten geführt werden.

Mit welchen Lieferanten arbeitet der deutsche Fachhandel zusammen, woher bezieht er seine Gardinen, Deko-und Möbelstoffe? Antworten auf diese Frage gibt unser Kundenbarometer in Form von aktuellen Informationen über den Verbreitungsgrad. Wichtig dabei: Dieser ist völlig unabhängig davon, welchen Umsatz die Händler mit den jeweiligen Lieferanten machen oder wie viele Meter verkauft werden.

Ado hat in diesem Jahr den Spitzenplatz verteidigen können und legt mit 74 % Verbreitungsgrad ein stabiles Ergebnis vor. Rund 62 % der Befragten gaben an, bei Jab Anstoetz einzukaufen. Damit rangieren die Bielefelder auf Platz 2, haben zum Vorjahr allerdings vier Prozentpunkte eingebüßt.

Auf Rang 3 folgt Indes Fuggerhaus mit 48 % (Vorjahr 51 %). Dahinter ist Heco mit 46 % (45 %) von Platz 6 auf Rang 4 vorgerückt, gefolgt von der Mutter Saum & Viebahn mit 44 %, was im Vergleich zum Vorjahresergebnis ein Minus von neun Prozentpunkten ausmacht.

Gardisette rangiert mit 41 % auf Platz 6 (47 %, Platz 5), gefolgt von Höpke Textiles mit 39 % (42 %), die sich um einen Platz verbessern konnten, und Rasch Textil by Porschen mit 38 %, die sich trotz niedrigerer Verbreitung unter neuer Regie um einen Rang verbessert haben. Mit 36 % (42 %) Marktdurchdringung hat Gustav Gerster seine Position im Mittelfeld behauptet, ist allerdings vom 7. auf dem 9. Platz gerutscht.

Rang 10 teilen sich Carlucci und Unland mit jeweils 34 % und deutlichem Abstand vor Zimmer + Rohde (22 %/31 %). Leicht verbessern konnte sich Sonnhaus (17 %/16 %). Neu im Ranking ist Delius: Der Bielefelder Spezialist für Objekttextilien ist bei 15 % der Befragten gelistet. Auf Platz 15 behauptet sich Apelt mit 13 % (22 %). Auf weiteren Rängen folgen Wölfel (11 %/18 %) und dann im einstelligen Prozentbereich Chivasso (9 %/16 %), Neutex Home (6 %) und Stoeckel & Grimmler (5 %).

Die weiterhin angespannte Konjunktur, geopolitisch unruhige und insgesamt unsichere Zeiten tragen dazu bei, dass die Konsumlaune für Produkte wie Heimtextilien derzeit im Keller ist. Hinzu kommt, dass weniger gebaut wird, was die Nachfrage im Einrichtungsbereich ebenfalls spürbar schwächt. Das hat Claus Anstoetz im Interview mit BTH Heimtex (Ausgabe 7-8/25) so zusammengefasst: "Wir erleben momentan sehr turbulente Zeiten aufgrund der äußeren Umstände. Der gesamte Markt steht unter Druck - egal ob bei Stoffen, Bodenbelägen oder Sonnenschutz. Die Zahlen sind alles andere als gut."

Hinzu kommt der weiterhin fortschreitende Konzentrationsprozess auf Lieferantenseite. Das führt konsequenterweise beim Fachhandel verstärkt dazu, mit Bedacht zu ordern und sich auf die Lieferanten zu konzentrieren, zu denen langjährige Beziehungen bestehen. Damit erklärt sich auch, weshalb die durchschnittliche Anzahl der Firmen, mit denen der Fachhandel zusammenarbeitet, von Jahr zu Jahr signifikant abnimmt: Aktuell sind es durchschnittlich sechs; dieser Wert lag im Vorjahr bei 7,7 Unternehmen, 2023 noch bei 8,6.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass - mit wenigen Ausnahmen - fast alle Lieferanten zum Teil deutliche Abstriche beim Verbreitungsgrad verzeichnen. Schaut man dann auf die enorm große Spanne der Marktdurchdringung innerhalb der Top 19, die von 74 bis zu 5 % reicht, wird deutlich, dass die Aktivitäten der Anbieter in Sachen Marketing, Werbung und Kundenservice eine maßgebliche Rolle in der Wahrnehmung und in der Loyalität der Handelspartner spielen.


BTH Heimtex Fachhandelsumfrage Deko+Stoffe
Panel und Methodik

Die diesjährige Fachhandelsumfrage Deko+Stoffe wurde im Juni und Juli 2025 im Auftrag von BTH Heimtex durchgeführt. Das unabhängige Marktforschungsinstitut Research for Future hat zunächst ermittelt, bei welchen Anbietern der Fachhandel einkauft. Diese Befragung erfolgte gestützt, jedoch offen: Neben vorgegebenen Firmen und Marken konnten zusätzliche Bezugsquellen genannt werden. Die Ergebnisse zeigen den prozentualen Verbreitungsgrad je Anbieter - unabhängig von Umsatz oder Absatzmengen.

Im zweiten Schritt bewerteten die Befragten acht Lieferanten mit Schulnoten zwischen 1 (sehr gut) und 5 (mangelhaft). Abgefragt wurden 14 Einzelkriterien, darunter objektiv messbare wie Konditionen oder Lieferschnelligkeit sowie subjektiv empfundene wie Sympathiewert oder Zukunftsperspektiven. Anschließend wurden sämtliche Noten pro Kriterium zusammengezählt und durch die Anzahl der Nennungen geteilt. Heraus kommenden vergleichbare Durchschnittsnoten, die dann die einzelnen Rankings bilden.

Insgesamt wurden 151 Fachhandelsbetriebe befragt - darunter klassische Raumausstatter mit Ladengeschäft, spezialisierte Heimtextilienfachhändler und gehobene Fachmärkte. Nicht berücksichtigt wurden Filialisten, Großhändler, Kooperationszentralen sowie Großflächenanbieter wie Discounter oder C+C-Betriebe. Die Mehrzahl der befragten Unternehmen (64 %) hat maximal zehn Beschäftigte, die übrigen 36 % mehr als zehn. Regional entfielen 86 % der Rückmeldungen auf Westdeutschland, 14 % auf die ostdeutschen Bundesländer.
Konzentration auf weniger Lieferanten
Foto/Grafik: SN-Verlag
Bei welchen Anbietern von Deko, Gardine und Möbelstoffe kauft der Fachhandel ein?
Konzentration auf weniger Lieferanten
Foto/Grafik: SN-Verlag
Ausbildungsbetriebe
sind aktuell in der Minderheit
Der Fachkräftemangel zählt zu den größten Herausforderungen für das deutsche Handwerk. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) waren 2024 rund 250.000 Stellen im Handwerk unbesetzt – Tendenz steigend. Stark betroffen ist das Bau- und Ausbaugewerbe, zu dem auch das Raumausstatterhandwerk zählt. Zwei Aspekte spielen dabei eine Rolle: Einerseits streben immer weniger junge Menschen ins Handwerk. Andererseits bieten viele Betriebe gar keine Ausbildungsplätze mehr an – sei es aus Mangel an geeigneten Bewerbern, aus Zeitgründen oder weil der Inhaber kurz vor dem Ruhestand steht. Dabei gilt mehr denn je: Wer morgen Fachkräfte haben will, muss heute ausbilden. Denn ohne Nachwuchs ist die Zukunft der Branche ungewiss.

Vor diesem Hintergrund wollten wir in unserer diesjährigen Fachhandels-Umfrage wissen, ob die befragten Betriebe aktuell in einem Handwerksberuf ausbilden. Die Antworten haben den Trend leider bestätigt: Mehr als die Hälfte bildet aktuell nicht aus.
aus BTH Heimtex 09/25 (Wirtschaft)