W. Classen GmbH & Co. KG
Classen bringt Bodenbeläge zurück in den Produktkreislauf
Nach der Entwicklung kreislauffähiger Bodenbeläge und der Schaffung von Recylingkapazitäten macht Classen jetzt den nächsten Schritt. Gemeinsam mit Großhändler Hawo testet der Hersteller ein Rücknahmesystem für seine Ceramin-Produkte.An nachhaltigen Produkten tüftelt die Entwicklungsabteilung bei Classen schon lange. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist Ceramin: Den PVC-freien, emissionsarmen Werktstoff aus natürlichen Rohstoffen und Polypropylen (PP) nutzt der Hersteller als Trägermaterial für Boden- und Wandbeläge (siehe Kasten "Ceramin - Nachhaltiges Material für Boden- und Wandbeläge").
Eine weitere Eigenschaft von Ceramin ist seine Recyclingfähigkeit. Wobei man bei Classen großen Wert darauf legt, dass hiermit stoffliches Recycling gemeint ist - die Rückführung in den Produktkreislauf -, und nicht das thermische Recycling, also das bloße Verbrennen zur Energiegewinnung. Um den Werkstoff und den fertigen Bodenbelag kreislauffähig zu machen, muss dieser Schritt im Produktlebenszyklus bereits bei der Entwicklung mitgedacht, müssen Materialien und Strukturen so gewählt werden, dass sie sich in bestehende Recyclingkonzepte integrieren lassen. Mit dem auf PP basierenden Ceramin ist das möglich.
Pilotprojekt für ein Rücknahmesystem
Dieses "Design for Recycling" bezeichnet Classen als ein Kernprinzip seines Handelns. In Kaisersesch wird aber weiter gedacht: Um einen Bodenbelag recyceln zu können, darf er nach der Nutzung nicht einfach auf dem Müll und in der Verbrennung landen. Zudem fallen schon vorher Verschnitt und Warenreste an, die ebenfalls wertvolle Rohstoffe enthalten. Damit die Materialien von der Baustelle dem Recyclingprozess zugeführt werden, braucht es ein Rücknahmesystem. Hier setzt der Hersteller an und kooperiert für ein Pilotprojekt mit Großhändler Hawo.
Beide Firmen arbeiten bereits partnerschaftlich beim Vertrieb von Laminatböden und Designbelägen zusammen. Jetzt haben sie sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam Prozesse und Abläufe für ein Rücknahmesystem zu entwickeln und zu testen. Seit Anfang 2025 werden im Rahmen eines Pilotprojekts Verlegereste und Restware aus Ceramin-Produkten in den 14 Hawo-Filialen in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz gesammelt. In speziellen Kunststoffboxen gelangen sie zunächst zur Zentrale des Grossisten nach Heppenheim, anschließend weiter ins Classen-Werk nach Kaisersesch. Dort werden die Materialien sortenrein aufbereitet und vollständig dem Produktionskreislauf zugeführt.
Industrie, Handel und Handwerk
müssen zusammenarbeiten
Damit das System funktioniert, müssen nicht nur die logistischen Herausforderungen gemeistert, sondern auch die Handwerksbetriebe für eine Beteiligung gewonnen werden. Sie sollen ihre Restmaterialien umweltgerecht über ihren Großhändler zurückgeben können - natürlich kostenlos. Ob und wie das Angebot angenommen wird, welche Hürden möglicherweise noch beseitigt werden müssen und wie sich der Servicegrad für das Handwerk weiter ausbauen lässt - das sind Fragestellungen, zu denen das Pilotprojekt Antworten liefern soll.
Für Classen ist es aber nicht nur ein Praxistest. Die Initiative soll auch als ein Signal an die Branche verstanden werden: Kreislaufwirtschaft gelingt nur, wenn Hersteller, Handel und Handwerk gemeinsam Verantwortung übernehmen. Gedanklich sind sie in Kaisersesch schon weiter: Während bislang Verlegereste und Restware über das System gesammelt werden, sollen langfristig auch Produkte aus Rückbauprojekten einbezogen werden.
Damit würde Ceramin einen nahezu geschlossenen Materialkreislauf ermöglichen. Schon heute besteht der Werkstoff zu 25 % aus recyceltem Polypropylen. Bodenbeläge seien besonders gut für die Verwendung von Rezyklaten geeignet, da sie Materialschwankungen besser tolerieren als viele andere Anwendungen.
Markt und Gesetze
fordern kreislauffähige Produkte
Mit dem Einsatz von recycelten Materialien und der Rückführung gebrauchter Produkte leistet Classen nicht nur einen Beitrag zur Abfallvermeidung, sondern auch zur Schonung natürlicher Ressourcen. Jede Tonne Kunststoff, die nicht neu produziert werden muss, spart fossile Rohstoffe und reduziert CO-Emissionen. Gleichzeitig sieht sich der Hersteller mit seinem Engagement im Einklang mit den veränderten Marktanforderungen. Da ist einerseits die europäische Gesetzgebung, die das Thema etwa über den Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft oder die Ökodesign-Richtlinie voran treibt. Andererseits gewinnt nachhaltiges Bauen über die entsprechenden Systeme wie DGNB, LEED oder BREEAM an Bedeutung. Kreislauffähige Produkte haben hier klare Vorteile, weil sie die Umweltbilanz von Gebäuden verbessern helfen.
Bei Classen sind sie sich sicher: Recycling ist kein Nischenthema mehr, sondern ein entscheidender Faktor für die Zukunft der Bau- und Bodenbelagsbranche. Es ist aber auch kein einzelner Schritt, sondern ein Prozess, der viele Ebenen umfasst vom Produktdesign über die Anbindung an bestehende Rohstoffkreisläufe bis hin zu praxisnahen Rücknahmesystemen. Mit dem Werkstoff Ceramin und dem jetzt angestoßenen Pilotprojekt soll die Umsetzung der Idee der Kreislaufwirtschaft in der Praxis einen wesentlichen Schritt vorangebracht werden.
Daten + Fakten Classen
W. Classen GmbH & Co. KG
Werner-von-Siemens-Str. 18-20
56759 Kaisersesch
Tel.: 02653/9 80-0
info@classen.de
www.classengroup.com
Geschäftsführung:
Dr. Hans-Jürgen Hannig
Stefanie Quervel
Mathias Gorecki
Céline Quervel
Nachhaltigkeits-
beauftragter:
Sebastian Wendel
Gründung: 1962
Umsatz 2023: 508 Mio. EUR
Beschäftigte: rund 2.000
Produkte: Laminatböden (Werk Baruth), PVC-freie Wand- und Designbeläge (Werk Kaisersesch), Innentüren, Fronten, Sockelleisten und Küchen (Werk Rybnik/PL)

Foto/Grafik: Classen
Cheyenne Natural

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Jan Wöhner, Christoph Schmitz, Julie Quervel und Sebastian Wendel bilden die Nachhaltigkeitsabteilung bei Classen.

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Medieval Oak Beige

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Am Stammsitz Kaisersesch befinden sich Zentrale, Designcenter, Showroom und die Designboden-Produktion. Energie wird über Photovoltaikanlagen gewonnen.

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Ceramin – Nachhaltiges Material
für Boden- und Wandbeläge
2016 hat Classen die ersten Bodenbeläge auf Basis des Verbundwerkstoffs Ceramin vorgestellt, inzwischen nutzt ihn der Hersteller auch für Wandbeläge. Das Material besteht zu 40 % aus recyceltem Polypropylen (PP). Für die übrigen 60 % spricht der Hersteller von "einem natürlichen Mineral" sowie gesundheitlich und ökologisch unbedenklichen Zusatzstoffen, um die anwendungsspezifischen Eigenschaften des Trägermaterials zu optimieren. Ceramin ist frei von PVC und Weichmachern. Die Produkte sind vielseitig einsetzbar, auch in Nassbereichen. Denkbare weitere Verwendungsmöglichkeiten sind beispielsweise Gartenmöbel, Kunststoffinterieurs oder Transportbehälter.
Aufgrund seiner wohngesunden Eigenschaften trägt der Werkstoff neben dem Blauen Engel noch weitere Zertifikate. So bestätigt Cradle to Cradle Certified Material Health in Bronze, dass die verwendeten Chemikalien und Materialien unter Berücksichtigung des Schutzes der menschlichen Gesundheit und Umwelt ausgewählt wurden und sich positiv auf die Qualität der für die zukünftige Verwendung und Wiederverwendung verfügbaren Materialien auswirken. Die Einstufung "Red List Approved" des Declare-Labels bescheinigt dem Dryback-Belag Ceramin Flex, keine Inhaltsstoffe von der roten Liste des International Living Future Institute (ILFI) zu enthalten, von denen bekannt ist, dass sie ernsthafte Risiken für die menschliche Gesundheit und das gesamte Ökosystem darstellen. Und mit dem Solar Impulse Efficient Solution Label gehört Ceramin zu jenen 1.000 Technologielösungen, die der Umweltpionier Bertrand Piccard mit seiner Stiftung als Beitrag zur Reduzierung von CO2-Emissionen, Umweltverschmutzung, Energie- und Wasserverbrauch auszeichnen will. Informationen zur Ökobilanz erhalten Architekten und Planer aus der seit 2024 erhältlichen Umwelt-Produktdeklaration (EPD).

Foto: Classen
aus
BTH Heimtex 10/25
(Wirtschaft)