MZE Möbel-Zentral-Einkauf GmbH
MZE zeigt, wie Raumausstatter Zukunft gestalten
Wer im Raumausstatter- und Einrichtungshandwerk erfolgreich bleiben will, muss die Produkte und deren Verarbeitung beherrschen. Aber er muss auch bereit sein, Neues zu wagen. Welche Möglichkeiten es gibt, zeigte die MZE-Fachtagung Der Textile Einrichter 2025.Volles Haus bei der Fachtagung Der Textile Einrichter (DTE), zu welcher der Möbel-Zentral-Einkauf (MZE) die Mitglieder der Fachgruppe Raumdesign nach Frankfurt am Main eingeladen hatte. Das prall gefüllte Programm spannte thematisch den Bogen von emotionalem Design über Mitarbeitergewinnung und Sonnenschutz-Trends bis hin zu Küchenverkauf und KI im Handwerk.
Denn Stillstand ist auch nach vier Jahrzehnten des Bestehens von MZE keine Option, wie Vertriebsleiter Helmut Stauner zur Eröffnung klarmachte. Der Raumausstatter müsse vom Handwerker zum Einrichter mit neuen Geschäftsfeldern wie Küchen, Objekteinrichtung oder Outdoor-Living werden. Allerdings fehle es häufig am Mut zur Entscheidung für die Veränderung. Daher sein Appell: "Zaudern und Bedenkenträgertum bremsen die Entwicklung und professionelle Aufstellung des Mittelstandes. Es braucht mehr Lust am Gestalten jenseits der Komfortzone."
Von modularen Konzepten
bis zur Mitarbeitergewinnung
Dabei will MZE seinen Anschlusshäusern helfen und so stellte Oliver Aster, Bereichsleiter Raumdesign, die Kraft modularer Konzepte heraus: Räume verändern sich - Wohnzimmer werden zu Büros, Kinderzimmer zum Homeoffice. Kunden erwarteten hier flexible Lösungen, die mit ihrem Leben mitwachsen. Das geht auch mit Stoffen: akustische Raumteiler, wechselbare Möbelstoffe, Hightech-Textilien mit Schutzfunktionen.
Emotional wurde es mit Corinna Kretschmar-Joehnk von Joi Design aus Hamburg. Ihre These: Gutes Design und Atmosphäre sind eng mit Emotionen verbunden und heute wichtiger als je zuvor. In Zeiten digitaler Überflutung und globaler Krisen suchten Menschen Schutz und Wohlbefinden. "Wir müssen schöne Momente kreieren, die als positive Erlebnisse bleiben", so ihre Botschaft. Anhand zahlreicher Hotelprojekte machte sie deutlich, dass gelungene Innenarchitektur immer im Dialog mit dem Nutzer steht.
Eines ganz anderen, nicht minder wichtigen Themas nahm sich Jörg Mosler an. Der Experte für Mitarbeiter- und Azubigewinnung in Handwerk und Mittelstand war selbst jahrelang im Handwerk tätig und weiß, wovon er spricht, wenn er sagt: "Mitarbeitergewinnung findet an 365 Tagen im Jahr statt und nicht nur dann, wenn eine Stelle zu besetzen ist oder wenn das neue Ausbildungsjahr losgeht." Sein Credo: Sichtbarkeit ist entscheidend, denn "wer dich nicht kennt, kann nicht für dich arbeiten". Er plädierte für eine dauerhafte Präsenz - online wie offline - und für Authentizität statt Hochglanzfassade. Mitarbeiterbindung entstehe durch Persönlichkeit und Wertschätzung, nicht durch Stellenanzeigen im Notfall.
Sonnenschutz und
Küche als Umsatztreiber
Mit Zahlen belegte Tom Anhorn von Somfy die Relevanz moderner Sonnenschutzlösungen. Die können Hitzespitzen deutlich senken, besonders in Kombination mit Nachtlüftung und Klimaanlagen. Studien zeigten zudem Vorteile im Winter, wenn sich Wärmeverluste reduzieren und solare Wärmegewinne nutzen lassen. Für Raumausstatter eröffnen sich hier Marktchancen auch angesichts einer nach wie vor geringen Motorisierungsquote beim innenliegenden Sonnenschutz in Deutschland.
Ein anderer Umsatztreiber und gleichzeitig strategischer Türöffner sind Küchen. Das zeigte ein Beispiel aus der Praxis. Bei Myr Deco & More in Esslingen sind die Projektgrößen von 30.000 bis 40.000 auf 100.000 bis 150.000 EUR gestiegen, seitdem das Sortiment um Küchen erweitert wurde, berichtete Inhaberin Nicole Mayer per Videoschalte. Zwar ist Küchenplanung komplex und fehleranfällig, doch mit Partnern wie MZE und durchdachter Organisation lasse sich das Risiko beherrschen. Wichtig sei, die Küche nicht als Nebenschauplatz, sondern als Herzstück der Ausstellung zu platzieren - farbig, mutig, integriert ins Gesamtkonzept. Weiße Küchen? "Ein absolutes No-Go", sagt Nicole Mayer.
KI erleichtert den Alltag
Wie Spezialisierung neue Wege eröffnet, zeigte Michaela Voss-Bergsieker (Hotelident, Lennestadt). Sie plant seit 2003 ausschließlich Hotels und setzt auf Individualität statt Uniformität. Textile Details wie Vorhänge oder Kissen sind für sie keine Nebensache, sondern Erfolgsfaktoren, wenn es um Verdunkelung, Akustik oder Emotion geht. Ihr Appell: Mut zur Differenzierung und enge Kooperation mit regionalen Handwerkspartnern. Wer als Raumausstatter hier andockt, erschließe sich ein hochprofessionelles, lukratives Feld.
Zum Schluss widmete sich Helmut Stauner dem Thema Künstliche Intelligenz, die im Handwerk zunehmend präsenter wird. Bildbearbeitung, Visualisierung, Datenaufbereitung - Aufgaben, deren Erledigung bislang viel Zeit und Geld kosteten, lassen sich heute in Minuten bewältigen. Stauner betonte aber: "KI ersetzt den Menschen nicht, sie verstärkt ihn." Wer mit kleinen Tools startet, könne Schritt für Schritt Routinearbeiten abgeben und mehr Zeit für Beratung und Kreativität gewinnen.
Drei Firmen, die sich mit Mut den Herausforderungen der Gegenwart stellen und sich als kreative, ganzheitliche Einrichter positionieren, erhielten auf der Tagung den DTE-Award: Lüchtenborg - Textile Innenausstattung (Rheda-Wiedenbrück), Reichelt - Die Einrichter (Dresden) und Falter Interior (Utting). Die Auszeichnung gilt, wie Helmut Stauner bei der Preisverleihung betonte, stellvertretend für die gesamte Branche, die Wohnen zu einem Erlebnis macht. |
Michaela Fischer
aus
BTH Heimtex 10/25
(Marketing)