Erfal GmbH & Co. KG
"Der Fachhandel spielt bei Erfal seit jeher die Hauptrolle"
2024 verhinderte das Kartellamt den Verkauf von Erfal an Hunter Douglas. Inhaber Jörg Erler hat nun Kerstin Petzold und Marco Wagner zu Geschäftsführern gemacht. Sie kennen den Sonnenschutzhersteller seit Jahren und haben mit uns über dessen Zukunft gesprochen.BTH Heimtex: Frau Petzold, Herr Wagner, Sie beide sind in die Geschäftsführung bei Erfal berufen worden. Wie fühlt sich die gemeinsame Verantwortung an und was hat Sie motiviert, diesen Schritt zu gehen?
Marco Wagner: Es fühlt sich sehr gut an. Die Leitung eines mittelständischen und bisher familiengeführten Unternehmens mit 500 Mitarbeitern ist eine riesige Herausforderung und auch eine enorme Verantwortung. Die Vielzahl der verschiedenen Unternehmensbereiche und deren enge Verzahnung miteinander plus die Anforderungen, die heute von außen an die Unternehmen herangetragen werden - etwa hinsichtlich Bürokratie oder Cybersicherheit - machen es einem Einzelnen nahezu unmöglich, immer richtige Entscheidungen zu treffen. In unserem Fall vereint das neue Team der Geschäftsführung langjährige Erfahrung aus allen Bereichen und genau das motiviert mich, für Erfal in die Verantwortung zu gehen.
Kerstin Petzold: Ich sehe es genauso. Ich kann mir nicht vorstellen, dieses Unternehmen als alleinige Geschäftsführerin erfolgreich zu leiten. Gemeinsam Entscheidungen treffen zu können und zu wissen, dass da noch jemand ist, der Erfal-Gene lebt und hinter den Entscheidungen steht, motivierte mich, diesen Schritt zu gehen.
BTH Heimtex: Sie beide sind schon lange für Erfal tätig. Welche Aufgaben hatten Sie bislang?
Petzold: Im Februar 1997 habe ich als Groß- und Außenhandelskauffrau bei Erfal begonnen und die Produktionsabteilungen Rollo- und Plisseefertigung als Teamleiterin aufgebaut. Danach war ich über 15 Jahre als Produktmanagerin für diese Bereiche tätig. Vor fünf Jahren erweiterte ich meinen Aufgabenbereich um die gesamtbetriebliche Produktionssteuerung und stellvertretende Produktionsleitung. Prägend waren alle Stationen auf ihre Weise und die Erfahrung, die ich sammeln durfte, hilft mir auch in meiner neuen Funktion.
Wagner: Mein Berufsweg führte mich vor ca. 14 Jahren in die Buchhaltung zu Erfal. Nach acht Jahren folgte die kaufmännische Leitung und seit September 2024 die Geschäftsführung. Der Einstieg in die kaufmännische Leitung war für mich ein großer Schritt, weil ich plötzlich mit Themen konfrontiert war, die mich als Buchhalter nur zahlenmäßig tangiert haben. Aber diese Station war auch die beste Vorbereitung auf meine heutigen Aufgaben.
BTH Heimtex: Gab es Momente, in denen klar wurde, dass Sie einmal die Geschäftsführung übernehmen könnten?
Petzold: Nein, nicht wirklich. Erst als ich von Herrn Erler in der ersten Jahreshälfte konkret darauf angesprochen wurde, habe ich mich mit diesem Thema beschäftigt. Er stand und steht mir immer mit einem offenen Ohr und Rat zur Seite.
Wagner: Diese Gedanken kamen bei mir erst auf, nachdem klar war, dass der Unternehmensverkauf an Hunter Douglas nicht zustande kommt und Erfal allein in die Zukunft geht. Herr Erler sprach die Vakanz in einer Leitungsrunde offen an, und wir einigten uns auf die gemeinsame Geschäftsführung.
BTH Heimtex: Jörg Erler ist weiterhin Mitglied der Geschäftsführung. Wie sind die Aufgaben in diesem Führungstrio verteilt?
Wagner: Als Gründer von Erfal hat Herr Erler dieses Unternehmen maßgeblich geprägt. Zukünftig wird er in seiner Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender der Erfal-Stiftung, die bereits seit 2014 die alleinige Inhaberin der Erfal GmbH & Co. KG ist, das Unternehmen strategisch begleiten und uns neuen Geschäftsführern als Berater zur Seite stehen. Kerstin Petzold bringt ein enormes Wissen aus dem Produkt- und Produktionsumfeld mit und ich kann auf langjährige Erfahrung aus Verwaltung und Vertrieb zurückblicken.
Für ein Führungstrio also eine ideale Zusammensetzung. Gemeinsam arbeiten wir für eine erfolgreiche Zukunft von Erfal und den Erhalt des Produktionsstandortes in Deutschland, in der Region Vogtland.
BTH Heimtex: Sonnenschutz ist heute ein zentrales Thema, wenn es um Klimawandel, Energieeffizienz und Wohnen der Zukunft geht. Eine gute Zeit, um gerade jetzt die Weichen für die Zukunft zu stellen?
Petzold: Wir leben in einer schnelllebigen Zeit und die Weichen für die Zukunft wurden und werden immer wieder neu gestellt. Wir beobachten die Entwicklungen und Erwartungen am Markt sehr genau. Das Thema Energieeffizienz ist nicht neu, es wurde uns durch den enormen Anstieg der Energiepreise nur noch bewusster und medial noch weiter verstärkt. Wir versuchen mit unseren Produkten immer auf dem Stand der Zeit zu sein und das steht immer ganz oben auf der Agenda.
BTH Heimtex: Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen?
Wagner: Die größte Herausforderung sehen wir im Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit von Produkten "Made in Germany". Wir bekennen uns zum Standort Deutschland, wissen aber auch um die vielfältigen Herausforderungen, die sich daraus ergeben. Für uns gilt es, die Effizienz des Unternehmens ständig zu verbessern, um die Kosten im Griff zu behalten und Qualität und Preise für unsere Kunden attraktiv genug zu halten, dass man sich "Made in Germany" leisten kann und möchte.
BTH Heimtex: Welche Rolle spielt dabei der Fachhandel?
Petzold: Der Fachhandel spielt bei Erfal seit jeher die Hauptrolle. Den Fachhandel wird es immer geben. Aber er unterliegt einem ständigen Wandel und muss sich an die Herausforderungen anpassen. Dabei kämpft er zunehmend mit fehlenden Nachfolgern, der Digitalisierung und einem sich verändernden Kundenklientel.
BTH Heimtex: Was bieten Sie Ihren Kunden aus dem Fachhandel?
Wagner: Der Servicegedanke steht für uns an oberster Stelle. Dazu zählt für uns ein unkomplizierter Bestellvorgang, eine schnelle, effiziente Produktion, die Auslieferung der Ware mit dem eigenen Fuhrpark und eine durchgängige persönliche Betreuung unserer Kunden vom Angebot bis zur Endmontage. Wir waren in der Vergangenheit ein zuverlässiger Partner für unsere Kunden und setzen auch in Zukunft alles daran, uns diese Eigenschaft trotz schwieriger Rahmenbedingungen zu bewahren.
BTH Heimtex: Wo sehen Sie produktseitig momentan das größte Wachstumspotenzial?
Wagner: Wachstumschancen sehen wir vor allem im Bereich der Motorisierung unserer Produkte inklusive der Vernetzung mit anderen Smart-Home-fähigen Geräten wie Licht, Heizung und Raumklima.
BTH Heimtex: Zum Schluss eine persönliche Frage: Was wünschen Sie sich für Ihre Aufgaben als Geschäftsführer - und was für das Unternehmen?
Petzold: Ich möchte gern die Ansprechpartnerin für unsere Mitarbeiter sein, die ich immer war. In der Zeit des Arbeitskräftemangels ist es wichtig, den Mitarbeitern eine Wertschätzung entgegenzubringen und mit ihnen eine effektive Fertigung zu gestalten. Mit Blick auf den Markt werden wir unsere Produkte technologisch und anwenderfreundlich weiterentwickeln.
Wagner: Ich wünsche mir, dass es uns beiden gelingt, das Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft in vielen Belangen auf dem Stand der Zeit zu halten, resilient gegen verschiedenste Risiken zu machen, die wuchernden bürokratischen Herausforderungen pragmatisch und gesetzeskonform zu meistern und dabei die Handlungsfähigkeit, Flexibilität und den Spirit des Unternehmens zu erhalten.
Die Fragen stellte Michaela Fischer.
aus
BTH Heimtex 10/25
(Wirtschaft)