Meffert AG Farbwerke
"Die Meffert AG setzt weiterhin auf den deutschen Großhandel"
Nach der Insolvenz des Schlau-Großhandels sucht die Meffert AG nach alternativen Distributionsstandorten. Klaus Meffert, Dr. Frank Jung und Benedikt Merz erläutern, wie sie neue Großhändler gewinnen und worin die Stärke des Unternehmens besteht.BTH Heimtex: Die Insolvenz der Schlau-Gruppe ist ein harter Schlag für die gesamte Branche. Die meisten der 61 Großhandelsstandorte wurden geschlossen, nur einige von Mitbewerbern übernommen. Welche Auswirkungen hat das auf die Profimarke Profitec und Dinova, Tochter der Meffert AG?
Klaus Meffert: Die Branche steht vor einem Scherbenhaufen. Schlau war unser größter Großhandelskunde. Nun bemühen wir uns, mit anderen regionalen Großhändlern ins Geschäft zu kommen, damit nicht unser bisher mit der Schlau-Gruppe generierter Umsatz in Gänze wegbricht. Immerhin hatten wir mehr als 50 Jahre eine gute Geschäftsbeziehung mit Schlau. Im Laufe dieser Jahre haben wir viel gemeinsam aufgebaut, nach der Wende insbesondere in Ostdeutschland. Dort haben wir den Vertrieb unserer Profiprodukte für den Maler weitgehend dem Schlau Großhandel überlassen.
Benedikt Merz: In den vergangenen Monaten haben wir mit großem Engagement unser Großhandelsnetz strategisch neu aufgestellt. Bis heute ist es uns gelungen, 15 Großhändler neu zu gewinnen. Gemeinsam mit unseren bestehenden Partnern konnten wir zudem das Vertriebsnetz in den ehemals von Schlau geprägten Regionen weiter ausbauen. So ist Profitec heute an über 120 Standorten in Deutschland verfügbar. Wir stehen klar zum Großhandel und haben die Marke in den vergangenen Jahren mit unseren Partnern erfolgreich im Markt etabliert.
BTH Heimtex: Wie hoch ist der Anteil des Umsatzes, den Sie über Schlau generiert haben?
Merz: Die gesamte Schlau-Gruppe - inklusive Hammer - macht weniger als 5 % des Umsatzes der Meffert AG aus. Im Großhandelsbereich betrifft das vor allem unsere Marke Profitec sowie die Handelsmarke Profiline, deren Markenrechte wir inzwischen übernommen haben.
Dr. Frank Jung: Dinova ist nur mittelbar von der Schlau-Insolvenz betroffen. Wir stellen an unserem Standort Königswinter nur einige Produkte her, die unter der Marke Profitec an Schlau verkauft wurden. Ein direktes Geschäft mit Schlau hatten wir nicht. Aber uns werden auch einige hundert Tonnen in der Produktion fehlen.
BTH Heimtex: Die Meffert AG ist ausschließlich Hersteller und damit eines der wenigen großen Unternehmen der Branche, das keinen eigenen Großhandel betreibt. Haben Sie im Laufe der sich anbahnenden Schlau-Insolvenz daran gedacht, Standorte zu übernehmen?
Meffert: Nein, eine Beteiligung wollten wir nicht. Aber wir hatten verschiedene Ideen, die Firma Schlau zu unterstützen. Dazu haben wir mit Kollegen besprochen, wie man hätte helfen können. Leider war die Geschäftsleitung beratungsresistent. Ein Großhändler wollte sogar zwölf bis 14 Standorte nebst Mitarbeitern übernehmen. Aber letztlich hat es nicht geklappt, weil die Kundendaten nicht weitergegeben wurden, die für einen Weiterbetrieb natürlich nötig sind.
BTH Heimtex: Hat der deutsche Farbengroßhandel überhaupt noch eine Zukunft?
Meffert: Wir setzen weiterhin auf den deutschen Großhandel! Zusammen mit unserem starken Außendienst, einem perfekt abgestimmten Sortiment und gezielten Marketingkampagnen schaffen wir unseren Händlern täglich spürbaren Mehrwert. Dieses Engagement zahlt sich aus - sowohl Profitec als auch Dinova entwickeln sich sehr positiv, und davon profitieren auch unsere Großhandelspartner. Der Großhandel orientiert sich derzeit neu und sucht gezielt nach händlertreuen Partnern. Das spüren wir deutlich und gewinnen kontinuierlich neue Kunden hinzu.
BTH Heimtex: Profitec und Dinova sind Ihre beiden Profimarken für den Maler. Worin unterscheiden sie sich?
Jung: Der Unterschied liegt in einer klugen Entscheidung in der Vergangenheit. Die Marken werden scharf getrennt distribuiert. Das heißt, wir sind in unterschiedlichen Großhandelshäusern über zwei verschiedene Außendienste vertreten. So kommen wir uns nicht ins Gehege. Das ist unsere große Stärke. Beispiel Rhein-Ruhr-Gebiet: In Düsseldorf ist Sonnen-Herzog mit Profitec erfolgreich unterwegs und in der Region die Mega mit Dinova.
BTH Heimtex: Ihr Markenportfolio beschränkt sich nicht nur auf Profitec und Dinova, sondern ist sehr breit gestreut. Empfiehlt sich ein umfangreiches Angebot, um am Markt bestehen zu können?
Meffert: Mit Tex-Color haben wir eine weitere Profimarke, die wir über den Baustoff-Fachhandel vertreiben. Zudem produzieren wir Hausmarken unserer Großhändler und Eigenmarken für Baumärkte wie zum Beispiel Obi und Hornbach. Darüber hinaus bieten wir Eigenmarken für den Einzel- und Möbelhandel an.
Merz: Gerade unsere Mehrmarkenstrategie im Profi-Bereich hat sich als sehr effektiv erwiesen. Sie ermöglicht es uns, eine Vielzahl von Großhändlern erfolgreich zu betreuen.
Jung: Ein weiterer Vorteil ist, dass es sich bei unseren nach den Marken Profitec und Dinova getrennten Außendienstteams um jeweils kleine Einheiten handelt. Die sind im Markt erfolgreicher. Sie sind zwar etwas schwieriger zu führen und kostenintensiver. Aber wenn man Kunden erreichen will, gibt es nichts, das kleine Einheiten schlägt.
BTH Heimtex: Sie sagten gerade, dass die beiden Profimarken gut dastehen. Wie läuft denn das Geschäft derzeit?
Meffert: Uns gelingt es immer wieder, den einen oder anderen Zusatzumsatz zu genieren. Insgesamt liegen wir mit ein bis zwei Prozent leicht hinter den Vorjahreszahlen. Wenn wir Glück haben, holen wir noch auf. Wir werden auch dieses Jahr wieder Geld verdienen. Aber wir müssen uns trotzdem für die Zukunft neu aufstellen.
BTH Heimtex: Der Umsatz mit Farben sinkt bereits seit Jahren und wird nach den Prognosen weiter zurück gehen. Wie reagieren Sie darauf?
Jung: Der Markt ist rückläufig, das ist klar. Aber wir dürfen nicht allein auf die nackten Zahlen sehen. Der Markt ist nämlich auch die Summe aller kaufenden Kunden. Und wenn ich ihn so definiere, ist er im Endeffekt die Summe aller Kundenbeziehungen. Darin sind wir sehr gut und das ist auch das, was wir beeinflussen können. Wir kennen unsere Kunden und unsere Mitarbeiter - das harmoniert. Wenn man sich diese Marktperspektive aneignet, hat man viel mehr Möglichkeiten, als wenn man nur die Zahlen betrachtet. Der Markt lebt. Diese Chance haben wir ergriffen und werden sie auch im kommenden Jahr nutzen. Hier wirkt der Charme der kleinen Einheiten.
Meffert: Die gesamte Branche produziert heute deutlich weniger Farben als noch während der Corona-Zeit 2020/21 - das war ein absoluter Höhepunkt für uns alle. Insgesamt werden in Deutschland derzeit rund 200.000 t weniger Farben produziert als damals. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Preise angesichts deutlich gestiegener Rohstoff-, Energie- und Logistikkosten immer wieder angepasst. Dadurch ist der Umsatz nicht im gleichen Maß zurückgegangen - aber die Menge fehlt natürlich.
Merz: Es gibt aber auch positive Signale. So liegen die Baugenehmigungen im ersten Halbjahr um rund 3 % über dem Vorjahreszeitraum. Als Farbenhersteller spüren wir solche Entwicklungen jedoch erst zeitverzögert, nämlich dann, wenn die Bauprojekte in die Endphase gehen und die Oberflächenbeschichtungen anstehen.
BTH Heimtex: In der diesjährigen Großhandelsumfrage von BTH Heimtex hat Dinova den ersten Platz geholt, Profitec den zweiten. Diesen Erfolg schreiben Sie den engen Beziehungen zum Großhandel und der getrennten Distribution zu. Gibt es weitere Faktoren, die den Erfolg befördert haben?
Jung: Die Meffert AG ist ein eigentümergeführtes Unternehmen. Herr Meffert kennt jeden Spieler im Markt. Das ist die DNA der Meffert-Gruppe, auf die man sich vor allem in schwierigen Zeiten besinnt.
Merz: Wir sind ein sehr flexibles und schlank aufgestelltes Unternehmen mit kurzen Entscheidungswegen. Der Großhandel schätzt an uns vor allem unsere unkomplizierte Art und die enge Zusammenarbeit, mit der wir Herausforderungen partnerschaftlich lösen.
Meffert: Um es simpel auszudrücken: Fleiß und Ehrgeiz machen unseren Erfolg aus. Wir kümmern uns um unsere bestehenden Kunden und bemühen uns aktiv um neue. Wir sind nie zufrieden mit dem, was wir erreicht haben, wollen immer noch ein bisschen mehr.
BTH Heimtex: Ein Anliegen der Meffert AG ist Nachhaltigkeit. Das Unternehmen ist Teil von Ökoprofit, einem Projekt von Kommunen und der örtlichen Wirtschaft mit dem Ziel, Betriebskosten zu senken und gleichzeitig natürliche Ressourcen zu schonen. Was gehört noch zur Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie?
Merz: Wir freuen uns sehr über die erneute Auszeichnung als Ökoprofit-Betrieb. Hier werden Unternehmen geehrt, die sich in besonderem Maße für Umwelt- und Klimaschutz engagieren. Unser Ziel ist es, auch weiterhin eine Vorreiterrolle in unserer Region einzunehmen.
Im Rahmen des Green Deals ist in diesem Jahr die neue Verpackungsverordnung PPWR in Kraft getreten. Ab 2030 müssen Verpackungen aus mindestens 35 % recyceltem Material bestehen und zu 70 % wiederverwertbar sein. Diese Anforderungen erfüllen wir bereits seit 2022. Um beispielsweise die Recyclingfähigkeit unserer Kunststoffgebinde sicherzustellen, haben wir den Metallbügel durch einen Kunststoffbügel ersetzt. Verpackungen aus Monomaterialien - also reinem Kunststoff oder reinem Blech - bieten die höchste Wiederverwertbarkeit. Auch der Entsorgungsprozess wurde deutlich vereinfacht: Über den QR-Code auf dem Gebinde kann der Maler die Abholung ganz bequem und digital beauftragen. Zudem entwickeln sich Farben ohne Konservierungsmittel zunehmend zum neuen Standard. Auch hier stellen wir unser Sortiment schrittweise um. So erfüllen wir bereits heute die höchsten Anforderungen der gängigen Zertifizierungssysteme und Qualitätssiegel.
Meffert: Nachhaltig sind auch unsere Kartuschen: Unsere auf Dichtmassen spezialisierte Tochtergesellschaft Pronova produziert jährlich rund 30 Mio. Stück. Ein Teil davon besteht bereits aus recycelbarer Pappe, wodurch der Kunststoffanteil auf ein Minimum reduziert wird. Durch die kontinuierliche Optimierung von Materialzusammensetzung und Fertigungsprozessen leistet Pronova so einen messbaren Beitrag zur Ressourcenschonung und zur Kreislaufwirtschaft.
BTH Heimtex: Wie sieht es mit dem Energieeinsatz aus?
Meffert: Unsere Stromnutzung ist jetzt nachhaltig. Wir haben für 1,4 Mio. EUR in den Werken Bad Kreuznach, Ostrau und Erfurt Photovoltaikanlagen installiert.
BTH Heimtex: Vor drei Jahren haben Sie die Firma Biopin Naturfarben in Jever gekauft, die Lacke, Öle, Wachse und Holzschutzlasuren herstellt. Was haben Sie damit vor?
Meffert: In der derzeit schwierigen wirtschaftlichen Lage achten Verbraucher wieder stärker auf den Preis und greifen eher zu günstigeren Produkten statt zu hochpreisigen Naturfarben. Die Firma Biopin ist noch nicht profitabel, aber in zwei Jahren werden wir sie hoffentlich so weit haben, dass wir damit Geld verdienen. Die Naturfarben erweitern unser Portfolio sinnvoll, und bereits heute konnten namhafte Kunden gewonnen werden.
BTH Heimtex: Zusammen mit Ihrem Großvater, der das Unternehmen 1947 gegründet hat, haben Sie, Herr Meffert, die Firma in die Internationalität geführt und die Expansion mit Zukäufen vorangetrieben. Sind weitere Standorte geplant?
Meffert: Nein, wir sind mittlerweile in 60 Ländern vertreten, haben 16 Standorte, davon zwölf Produktionsstätten. Wir werden unsere Kapazitäten nicht mehr ausweiten, sondern weiter in Automatisierung und Modernisierung investieren. Schließlich haben wir in allen Werken Kapazitäten frei, da macht Expansion keinen Sinn. Aber ich will nicht ausschließen, dass wir zukaufen, wenn wir etwas Passendes finden.
BTH Heimtex: Ihr Werk Casati in Verona war 2022 abgebrannt. Wie weit sind Sie mit dem Wiederaufbau?
Meffert: Wir werden zum 1. Januar 2026 die Produktion wieder aufnehmen. Dafür haben wir rund 15 Mio. EUR investiert und eines der modernsten Farbwerke Europas gebaut. Die Anlage ist auf eine Jahreskapazität von 30.000 t im Einschichtbetrieb ausgelegt. Diese Investition stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren.
BTH Heimtex: Welches ist Ihr stärkster Markt?
Meffert: Deutschland mit zwei Dritteln am Gesamtumsatz von insgesamt 370 Mio. EUR.
BTH Heimtex: Bleibt die Meffert AG auch künftig ein Familienunternehmen?
Meffert: Wir werden unser Unternehmen nicht verkaufen. Eine Stiftung sorgt dafür, dass die Meffert AG langfristig unabhängig bleibt, und unsere Werte, die uns seit Generationen auszeichnen, bewahrt werden.
BTH Heimtex: Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel. Sie auch?
Meffert: Wir finden weiterhin noch genügend Mitarbeiter. Allerdings ist die Fluktuation in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen, insbesondere in der Produktion sowie in Kommissionierung und Lager. Deshalb werden wir unsere Produktionsabläufe künftig stärker automatisieren. Zudem wird uns künstliche Intelligenz zunehmend dabei unterstützen, den Warenbestand zu optimieren und unser Sortiment gezielt zu straffen.
Jung: Insgesamt aber vernichtet KI nicht Arbeitsplätze, sondern sorgt dafür, dass die Mitarbeiter interessantere Arbeiten verrichten und sich auf wesentliche Aufgaben konzentrieren können.
Die Fragen stellte Cornelia Küsel.
Daten + Fakten Meffert Farbwerke
Meffert AG Farbwerke
Sandweg 15
555543 Bad Kreuznach
Tel.: 0671/8 70-0
info@meffertcom
www.meffert.com
Vorstand:
-Klaus Meffert (Vorsitzender)
-Thorsten Stöffel
Vertriebsleiter:
Benedikt Merz
Dinova-Geschäftsführer:
Dr. Frank Jung
Gründungsjahr: 1947
Konzernumsatz 2024: 370 Mio. EUR
Beschäftigte: 1.335
Tochtergesellschaften: Dinova, Bio Pin Naturfarben, Colorfiicio Casati, Lackfabrik J. Albrecht, Pronova Dichtstoffe, O.D.D. Print + Medien (Druckerei)
Marken: Profitec, Düfa, Flamingo, Albrecht, Dinova, Pronova, Tex-Color, Super Nova, Feidal, Büchner, Erbedol
Produktionsstandorte: 12
aus
BTH Heimtex 12/25
(Wirtschaft)