Enno Roggemann: In dritter Generation erfolgreich
Immer weiter entwickeln – für den nächsten Aufschwung
Enno Roggemann zählt mit seiner Größe, seiner Präsenz und seinem Netzwerk zu den prägenden Akteuren im deutschen Holzhandel. In dritter Generation steht heute Max Roggemann an der Spitze des 1948 gegründeten Familienunternehmens und steuert den Holzgroßhändler durch ein zunehmend anspruchsvolles Marktumfeld.Der Weg zu Enno Roggemann führt in den Neustädter Hafen in Bremen, einem der größten Gewerbe- und Logistikareale in der Hansestadt. Schon Meter vor dem eigentlichen Firmengelände kündigen die blauen Lkw mit weißem Schriftzug das Unternehmen an. Der Name steht an Hallen, auf Fahnen und auf jeder zweiten Palette: Enno Roggemann ist nicht zu übersehen - und in der Branche ein fester Begriff.
Max Roggemann, der das Familienunternehmens seit 2010 in dritter Generation führt, sitzt an einem schlichten Holztisch im Büro seines Vaters. Fotos, Erinnerungsstücke aus Indonesien, eine gerahmte Collage an der Wand - darauf ein Satz des Vaters: "Bitte mach dir nie mehr Sorgen um Geld." Um 7 Uhr startet Roggemann gewöhnlich seinen Arbeitstag im Büro. "Nicht, weil ich Frühaufsteher bin, sondern weil ich so dem Stau entgehe." Zusammen mit Timo Lembcke verantwortet der zweifache Familienvater die geschäftlichen Aktivitäten der Gruppe mit neun Standorten in ganz Deutschland und 750 Mitarbeitenden.
Nicht immer arbeitet Roggemann in Bremen. "Knapp ein Drittel meiner Zeit bin ich an anderen Standorten, auf Branchenveranstaltungen etwa beim Holzring oder beim GD Holz, manchmal auch bei Kunden oder Lieferanten", erklärt er. Sechs bis zehn Mal im Jahr fährt er zu den einzelnen Niederlassungen, um sich vor Ort ein Bild zu machen, denn: "Viele Dinge sieht man im Gespräch oder im Lager einfach besser als am Bildschirm."
"Jeder Standort lebt sein eigenes Profil"
In Bremen laufen die Fäden zusammen. Von hier aus koordinieren Verwaltung, IT und Marketing die Abläufe im Unternehmen, doch vor Ort entscheiden die Standortleiter - mit viel Eigenständigkeit. "Jeder Standort lebt sein eigenes Profil, und das ist uns auch sehr wichtig", sagt Roggemann. Keiner schreibt den Filialen vor, wie sie arbeiten sollen. Die Teams sprechen sich untereinander ab, stimmen Sortimente und Preise miteinander ab. "Einheitlichkeit entsteht nur, wenn sie gewollt ist", beschreibt Roggemann die Unternehmenskultur. Er ist überzeugt: Wer gegen die Realität am Standort steuert, läuft ins Leere. Diese Art von Führung hat den Vorteil, das gezielt auf den Markt vor Ort reagiert werden kann. So bleibt jeder flexibel und nutzt seine eigenen Stärken.
Roggemann ist ein klassischer Großhändler, der Handel, Industrie und Handwerk bedient. Trotzdem finden auch zahlreiche Endkunden den Weg ins Unternehmen, etwa wenn sie sich Böden oder Türen anschauen wollen und vom Handwerker oder Einzelhändler in die Ausstellung verwiesen werden. "Wir beraten dann die Endkunden in unserer Ausstellung, aber abgewickelt wird alles über den Handwerker", betont Roggemann.
Im 500 m großen Showroom in Bremen geben rund 200 Türen und 400 Bodenmuster Einblick in das Sortiment. Auch an den anderen Standorten gibt es Ausstellungen - jeweils mit eigenen Schwerpunkten und Materialwelten. In der Ausstellung fordert Roggemann seine Besucher gern heraus. Plötzlich bleibt er an einer Diele stehen, zeigt darauf und fragt: "Raten Sie mal, was das für eine Holzart ist." Mit sichtlicher Freude spricht er über das Material. Dann die Auflösung: "Das waren mal die Gründungspfähle des Berliner Schlosses. Wir haben das Holz vor Jahren aufgekauft und diese Dielen daraus fertigen lassen."
Der Umsatz setzt sich aus verschiedenen Segmenten zusammen. "Ein großer Anteil kommt aus dem konstruktiven Bereich", sagt Roggemann. Etwa 40 % entfallen darauf, ähnlich viel auf das Massivholzgeschäft - etwa mit Fensterkanteln, Holz für den Treppenbau oder den Gartenbereich. Der Innenausbau mit Türen, Böden und Platten macht rund ein Fünftel der Erlöse aus. Insgesamt ist das Geschäft breit aufgestellt und verteilt sich auf mehrere tragende Säulen. Als Alleinstellungsmerkmal sieht Max Roggemann das breit gefächerte Sortiment und die Verfügbarkeit. "Wir sind nicht in jedem Bereich der Beste, aber wir sind breiter und tiefer aufgestellt als viele andere."
Der Markt verlangt Anpassungen
Im Unternehmen sind die Auswirkungen der Konjunktur spürbar. Die Arbeit ist hektischer geworden, neue Themen wie Digitalisierung und Bürokratie erfordern mehr Aufmerksamkeit und Aufwand. Das Jahr 2023 brachte starke Umsatzeinbußen mit sich, was sich 2024 wieder konsolidiert hat. Doch die Arbeit ist nicht weniger geworden, was Roggemann auf den Margendruck zurückführt. Wer früher zwei Paletten bestellt hat, ordert heute vielleicht nur eine. Der Aufwand im Lager bleibt jedoch gleich oder steigt sogar. Kurzarbeit stand nie zur Debatte: "Das hätten wir operativ gar nicht geschafft."
Zwar schreibt Roggemann schwarze Zahlen und rechnet auch für das laufende Jahr mit einem stabilen Ergebnis - allerdings deutlich unter dem Niveau der Boomjahre - "eher eine schwarze Null. Das reicht, solange wir langfristig planen. Rekordergebnisse schreibt in unserer Branche gerade niemand." Umsatz und Handelsspanne sind gesunken, die Kosten steigen - für Löhne, Digitalisierung, Energie und vor allem die Maut. "Die Maut hat uns mehr getroffen als die Strompreise, das merkt man deutlich im Ergebnis", sagt Roggemann. Dennoch fühlt er sich sicher aufgestellt: "Selbst wenn es einmal eine kleine rote Zahl gibt, könnten wir das verkraften. Wir sehen mittel- bis langfristig wieder bessere Rahmenbedingungen, dann werden auch wieder moderate Gewinne möglich."
Bauen, Holz, Großhandel -
drei Gründe für Zuversicht
Trotz angespannter Zeiten bleibt also der Blick auf die Zukunft im Unternehmen optimistisch. Der Kurs hält, und das liegt laut Roggemann an drei Dingen: Erstens wird der Bau irgendwann wieder anziehen. Zweitens wird der Werkstoff Holz tendenziell immer mehr nachgefragt. Und drittens bleibt der Großhandel unverzichtbar - wegen seiner Logistikfunktion. "Ein Systemlogistiker kann unser Geschäft nicht übernehmen."
Die Logistik bildet den Kern des Großhandels. Beim Rundgang durch die Lagerhallen läuft Roggemann zu Hochform auf. Er beschleunigt den Schritt, zeigt auf Details, erklärt Abläufe, spricht über Marken, Holzarten und Sortimentslogik. Zwischen den Regalreihen wird schnell deutlich: Hier ist er in seinem Element. Nach einigen Hundert Metern zeigt sich auch die Dimension des Geländes - wer das Lager durchquert, sammelt 10.000 Schritte im Handumdrehen.
110.000 m misst das Gelände insgesamt, 50.000 m davon sind überdacht. Zur Flotte gehören in Bremen 30 LKW, in der ganzen Gruppe sind es 105. Container werden direkt auf das Firmengelände geliefert und vor Ort entladen - so lässt sich der Zeitplan flexibel anpassen.
Online wächst - stetige Investitionen
Im Online-Shop können Geschäftskunden nicht nur bestellen, sondern auch sehen, was tatsächlich auf Lager vorrätig ist. Fehlt ein Artikel am Standort, zeigt der Shop die Verfügbarkeit im Verbund. Der Anteil der Bestellungen, die über den Shop laufen, steigt kontinuierlich. An manchen Standorten liegt er schon bei mehr als 15 % des Gesamtumsatzes, insgesamt sind es knapp 10 %.
Um am Puls der Zeit zu bleiben wurde zuletzt in einen aufwändigen digitalen Zaunplaner investiert, obwohl die Entwicklung teuer war. "Würde ich an der Entwicklung sparen, würde mich das später einholen", meint Roggemann. Die Strategie ist: sich immer weiterzuentwickeln, um gut für den nächsten Aufschwung vorbereitet zu sein. Ersatzinvestitionen in Lkw und Technik laufen ständig. Daneben entstehen beispielsweise immer wieder neue Projekte: ein Bürogebäude in Wandlitz ist in diesem Jahr fertig gestellt worden, der Standort Hasum wird ausgebaut und in Bremen ist neue Lagertechnik für Fensterholz geplant.
Langfristig denken, kurzfristig handeln
Im Unternehmen bleibt der Blick auf das große Ganze gerichtet. "Wir denken langfristig und handeln auch danach", sagt Roggemann. Gleichzeitig erfordern kurzfristige Entwicklungen immer wieder schnelle Reaktionen: Strafzölle, das Lieferkettengesetz oder Anti-Dumping-Maßnahmen schaffen Rahmenbedingungen, auf die das Unternehmen reagieren muss. "Es gibt viele Themen, die von außen kommen und auf die wir schnell reagieren müssen."
Gleichzeitig verändern sich die Bedürfnisse im Team. "Mobiles Arbeiten bieten wir im gesunden Maße an, wo es der Job ermöglicht." Neben den täglichen Aufgaben managt das Unternehmen neu hinzugekommene Anforderungen, "solche kurzfristigen Themen, wie Unplanbarkeiten, Verfügbarkeiten oder Preissprünge, die gab es vor fünf Jahren noch nicht so." Zentrale Frage bleibt: Wann zieht der Markt wieder richtig an? "Ich rechne kurzfristig nicht damit," sagt Roggemann. Trotzdem sieht er die Lage weniger dramatisch als mancher andere. "Die meisten Handwerker haben Arbeit, vielleicht keine vollen Auftragsbücher wie in der Boomphase, aber sie arbeiten - und brauchen Holz."
Kontinuierlich in Bewegung
Es geht darum sich Jahr für Jahr weiterzuentwickeln - aber mit Augenmaß. "Ziel ist nicht Wachstum um jeden Preis, sondern gesundes Wachstum", sagt Roggemann. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen viel in Personal und Digitalisierung investiert, nun stehen die Logistikprozesse stärker im Fokus, insbesondere in Bremen. Das Sortiment wird stetig angepasst, Kompetenzen werden ausgebaut. "Im Fassadenbereich sehen wir noch viel Potenzial, beim Fensterholz besetzen wir eine Nische, die wir weiter intensiv bearbeiten."
Die Entwicklung geht weiter: Ein neues automatisches Lager, eine aktualisierte Kollektion im Innenausbau mit QR-Codes für die Handwerker, Investitionen in Standorte und Gebäude - der Betrieb bleibt in Bewegung. "Unser Architekt hat eigentlich immer etwas zu tun", sagt Roggemann.
Eigenverantwortung statt enger Vorgaben
Das Unternehmen investiert seit Jahrzehnten in die eigene Ausbildung - heute noch stärker als früher. Junge Menschen lernen klassische Berufe wie Groß- und Außenhandelskaufmann oder Fachkraft für Lagerlogistik, aber auch E-Commerce und Büromanagement. Im Alltag überträgt das Unternehmen den Mitarbeitenden viel Verantwortung. Entscheidungen fallen oft dort, wo sie relevant sind - das schätzen viele im Team. Wer Verantwortung übernehmen will, bekommt - wenn er engagiert ist - auch den Raum dafür: "Über die Hälfte unserer Führungskräfte kommen aus den eigenen Reihen", sagt Roggemann nicht ohne Stolz. Er ist wie sein Vater davon überzeugt, dass die Dynamik im Unternehmen von unten kommen muss und nicht von oben verordnet werden kann. "Das dauert manchmal etwas länger und fordert in der Führung mehr Kraft, aber es lohnt sich. Die Mitarbeiter wissen zu schätzen, dass sie nicht einfach ein System umsetzen müssen, sondern hier relativ frei entscheiden können."
Im Umgang mit den Mitarbeitern prägt ein Leitsatz die Kultur: "Verantwortung geben, Eigenständigkeit fördern, Entwicklung ermöglichen." Über allem steht ein Satz, den Vater Jürgen Roggemann über Jahre vorlebte: "Lieber mit Schwung in die Scheiße als in Schönheit sterben." Dahinter steckt eine Haltung, die Mut zum Handeln belohnt - und Fehler zulässt. Für den Betrieb gilt das damals wie heute: Lieber handeln als zögern, lieber vorwärts als in lähmender Perfektion verharren.
Verantwortung für das Erbe
Die Firmenleitung ist für Roggemann Ehre und Aufgabe zugleich. "Das weiterzuführen, was über Generationen aufgebaut wurde - nicht nur durch meine Familie, sondern auch von den Mitarbeitenden - das ist schon besonders." Die Arbeit mit Holz macht Freude, die Branche bleibt mittelständisch geprägt: "Da hat man noch die Chance, selbst zu gestalten und zu entscheiden. Das ist in anderen Bereichen nicht mehr selbstverständlich", meint Roggemann. Sein Ziel ist es, das Unternehmen weiterzuentwickeln und eines Tages an die nächste Generation zu übergeben - möglichst, wie er es selbst formuliert, "den Bauernhof in besserem Zustand zu übergeben, als ich ihn übernommen habe". Und sollte die Familie es nicht weiterführen wollen, soll das Unternehmen auch ohne sie gut funktionieren.
Max Roggemann wollte erst prüfen, ob ihn das Geschäft seines Vaters wirklich interessiert. Nach der Ausbildung bei Habisreutinger in Weingarten und dem Parallelstudium der Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Holzhandel an der Berufsakademie Mosbach (heute DHBW Moosbach) wirkte er bei Pollmeier im Vertrieb. 2004 wechselte er als Niederlassungsleiter und Prokurist zur Roggemann-Gruppe nach Coesfeld, 2009 kam er nach Bremen zurück, 2010 wurde der Vater von zwei Töchtern geschäftsführender Gesellschafter.
Roggemann
Roggemann gehört zu den führenden Holzgroßhändlern in Deutschland. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bremen betreibt neun Standorte in Deutschland. Die Logistik ist zentral organisiert und läuft mit eigener Lkw-Flotte.
Gründung: 1948 durch Enno Roggemann
Geschäftsführung: Max Roggemann (geschäftsführender Gesellschafter),
Timo Lemcke
Mitarbeiter: 750
Fläche: Gesamtfläche aller Standorte 360.000m
2 , ca. 160.000 m
2 überdacht
Fuhrpark: 105 firmeneigene Lkw
Sortiment: Holz, Plattenwerkstoffe, Türen, Massivholz, Fensterholz, Gartenholz,
Bodenbeläge
Kunden: Fachhandel, Handwerk, Industrie
aus
Parkett Magazin 06/25
(Wirtschaft)