Bettenring-Jahrestagung
Stabilität und Zuversicht in schwierigen Zeiten
Stabil und zukunftsorientiert - trotz schwieriger Rahmenbedingungen - präsentierte sich der Bettenring auf seiner Jahrestagung, die Ende Juni im Baden-Württemberischen Aalen stattfand. Aufsichtsratschef Stephan Schulze-Aissen appellierte an Politik und Branche, entschlossen zu handeln. Dazu lieferte der Vorstand ein inspirierendes Programm: Neben personellen Weichenstellungen und solider Finanzlagestießen das umfangreiche Qualifizierungsprogramm und vor allem ein neues Messsystem auf großes Interesse.Mit einer Mischung aus Klartext und Zuversicht eröffnete Stephan Schulze-Aissen, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bettenring eG, die diesjährige Jahrestagung mit einer ausführlichen Rede. Inmitten globaler und nationaler Herausforderungen spannte er den Bogen von der politischen Großwetterlage bis zur Entwicklung des Bettenrings. Seine Botschaft: Die Zeiten bleiben herausfordernd - doch mit klarer Haltung, stabiler Struktur und gemeinschaftlichem Engagement lässt sich auch in stürmischem Fahrwasser Kurs halten.
"Wann hören die Krisen endlich auf?" - Mit dieser Frage griff Schulze-Aissen ein weit verbreitetes Gefühl auf. Die wirtschaftliche Lage bleibe angespannt: "Die Konjunktur war auch 2024 schwach", so Schulze-Aissen. Das preisbereinigte BIP sank laut Statistischem Bundesamt um 0,2 Prozent. Zwar sei auch die Inflation auf 2,2 Prozent gesunken, doch: "Die hohen Preise sind geblieben." Die Folge: Kaufkraft bleibt gebunden, Konsum stagniert trotz steigender Realeinkommen.
Auch innenpolitisch herrsche Unsicherheit - durch Debatten um das Bürgergeld, den Bruch der Ampelkoalition und die erneute Wahl Donald Trumps in den USA. "Kriege und Inflation haben in kürzester Zeit gesellschaftliches Vermögen und Wohlstand vernichtet", sagte Schulze-Aissen. Eine gute Basis für Konsum sei das nicht.
Trotzdem betonte er: "Wir sind im Tal angekommen - aber es gibt Hoffnung." Die neue Bundesregierung sende erste Signale eines klareren Kurses, Europa rücke zusammen. Jetzt sei der Zeitpunkt für einen Stimmungsumschwung - hin zu mehr Optimismus.
Ein positives Beispiel sei der Bettenring selbst. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht", sagte Schulze-Aissen mit Blick auf die erfolgreiche Neuausrichtung. Seit Juli 2024 gehört Cornelia Loos dem Vorstand an, seit Januar 2025 ist sie Vorstandssprecherin. Auch Matthias Engelter wurde zum Jahresbeginn in den Vorstand berufen. "Unsere Mannschaft ist zukunftssicher aufgestellt."
Auch die Eigenmarken Dormabell und Sympathica seien gut positioniert. "Dormabell steht für höchste Qualität und ständige Weiterentwicklung. Sympathica ergänzt das Sortiment ideal." Parallel werde die EDV weiter ausgebaut - von Webshops bis zur Homepage. "Das entlastet uns und schafft Freiräume für unsere Kunden."
Ein zentrales Motiv seiner Rede war der Appell zum Handeln - an Politik wie Branche. Seine Botschaft an die Regierung: "Einfach mal erfolgreich machen!" Und an die Branche: "Wir werden dann erfolgreich sein, wenn wir unsere Kompetenzen konsequent bündeln."
Sein besonderer Dank galt den Mitgliedern, die auch 2024 mit "Mut, Fleiß und Engagement" durch ein schwieriges Jahr gegangen seien. "Ich bin ein begeisterter Optimist", so Schulze-Aissen zum Schluss. "Ich glaube daran, dass unsere Wünsche gehört werden - und dass wir zeigen: einfach mal tun!"
Damit schlug er den Bogen zur Tagung selbst, durch die Cornelia Loos führte. "Unsere Tagung ist ein Ort der Orientierung und des Aufbruchs", sagte sie. Impulsvorträge zu Themen wie Teambuilding oder Souveränität sowie Beiträge erfolgreicher Händler und des Bettenring-Teams sorgten für Inspiration.
Generalversammlung:
Rückblick auf das
Geschäftsjahr 2024
Auf der Generalversammlung, wie gewohnt wichtiger Programmpunkt auf der Tagesordnung, präsentierte Vorstandsmitglied Matthias Engelter die zentralen Kennzahlen des Geschäftsjahres 2024 der Bettenring eG. In einem herausfordernden Marktumfeld - geprägt von globalen Unsicherheiten und einem deutlich zurückhaltenderen Verbraucherverhalten - sei es gelungen, Stabilität zu bewahren und ein respektables Ergebnis zu erzielen, fasste der Finanzexperte einleitend zusammen, stellte aber auch klar: "Es war ein bewegtes Jahr." Die konjunkturellen Rahmenbedingungen hätten sich 2024 auch auf den Umsatz der Bettenring eG niedergeschlagen. So lag der Nettoumsatz mit 81,096 Mio. Euro um 2,571 Mio. Euro bzw. 3,1 Prozent unter dem Vorjahr. Dabei entfielen 75,9 Mio. Euro auf zentralregulierten Umsatz und 4,5 Mio. Euro auf das Eigengeschäft über Filderstadt.
Starke Basis -
solide Finanzstruktur
Besondere Aufmerksamkeit widmete Matthias Engelter der Vermögens- und Finanzlage: "Eine solide finanzielle Ausstattung ist eine unserer wichtigsten Aufgaben", leitete er das positive Signal für die Zukunft ein: "Unsere Verbundgruppe ist sicher aufgestellt - für die Gegenwart und für zukünftige Herausforderungen."
Mit der wichtigen Frage "Was bleibt unter dem Strich?" hob Engelter schließlich die Bedeutung der genossenschaftlichen Rückvergütung als zentrales Element der wirtschaftlichen Verantwortung hervor. "Der Rückvergütungssatz für das Geschäftsjahr beträgt 1,1 %. Auch wenn die Ausschüttung damit etwas bescheidener ausfällt als in früheren Spitzenjahren, liegt die Gesamtauskehrung mit 2,751 Mio. Euro auf einem im langjährigen Vergleich sehr respektablen Niveau." Besonders erwähnenswert sei, dass ein erheblicher Teil dieser Summe zusätzlich durch Dormabell-Bonifizierungen ergänzt werde. Die Verbands- und Hausboni, schloss der Finanzexperte seine Zahlenübersicht, bleiben zudem trotz rückläufiger Umsätze konstant und sollen auch im Jahr 2026 unverändert gewährt werden.
Gemeinschaft
als Erfolgsfaktor
Cornelia Loos hob im Anschluss noch einmal die Bedeutung des genossenschaftlichen Geists hervor: "Genossenschaft lebt von Gemeinschaft und gutem Miteinander." Sie dankte dem Aufsichtsrat, den Fachausschüssen und allen Mitarbeitenden in Filderstadt für ihr Engagement im vergangenen Jahr. Gleichzeitig nutzte sie die Gelegenheit, um einen ersten vorsichtigen Blick auf das laufende Geschäftsjahr zu werfen. "Die Umsätze aus Zentralregulierung und Eigengeschäft zeigen bis Ende Mai 2025 ein leichtes Umsatzminus von 1,7 Prozent, die folgende Dekade verheißt aber bereits jetzt wieder Verbesserung." Verantwortlich für das Minus sei vor allem der Rückgang im Segment Matratzen und Bettsysteme, vor allem verursacht durch den Absturz des vormals umsatzstarken Lieferanten Aquinos. Auch in den textilen Sortimenten zeigt sich ein gemischtes Bild: Während viele Produktgruppen zweistellige Rückgänge verzeichnen, deutet sich bei Frottierwaren und insbesondere bei Zudecken, die ein erfreuliches Plus von knapp fünf Prozent verbuchen, eine erste Erholung an.
Der Bettenring agiere in einem Spannungsfeld unterschiedlichster Erwartungen - zwischen ambitionierter Zukunftsvision und gelebter Verantwortung, ergänzte die Vorstandssprecherin: "Wir stehen auf der einen Seite für Innovation und Zukunftsorientierung, auf der anderen Seite für bewährte Konzepte und tragfähige Traditionen." Wo mutige Macher auf bewahrende Kräfte treffen, entstehe ein enormes Potenzial - auch durch Reibung. "Stabilität und Fortschritt - das ist unser Kraftfeld", betonte sie.
Zentrale Projekte
für die Zukunft
Mit Blick auf die Zukunft benannte Cornelia Loos vier zentrale Projekte, die die Entwicklung des Bettenrings in den kommenden Jahren prägen sollen. An erster Stelle steht das neue MessSystem 3.0, das am Point of Sale künftig wichtige Impulse geben und Kundenberatung auf ein neues Niveau heben soll. Der große Zuspruch während der Präsentation zeige, wie relevant dieses Tool für die Mitgliedsbetriebe sei.
Ein weiteres Schlüsselelement sei der neue Dormabell Qualifizierungs-Hub, der mit insgesamt 61 Trainingseinheiten zu zentralen Themen wie Aftersales-Marketing, Mitarbeitergewinnung oder Unternehmensnachfolge eine jederzeit und überall verfügbare Weiterbildungsplattform biete. Gleichzeitig werde die Markenförderung von Dormabell konsequent aus dem Kern heraus weiterverfolgt - mit dem Fokus auf Qualität, Fachkompetenz und klarer Profilierung im Markt.
Auch die Digitalisierung bleibe ein zentraler Entwicklungsstrang: vom Webshop über moderne Beratungstools bis hin zur weiterentwickelten Online-Präsenz.
Besonderen Wert legt der Vorstand auf die Themen Motivation, Wissenstransfer und praxisnahe Umsetzung. "Motivation ist Chefsache", stellte Loos klar. Führungskräfte müssten den Impuls zur kontinuierlichen Weiterentwicklung geben, Möglichkeiten schaffen und mit gutem Beispiel vorangehen. Die neue Schulungsoffensive richte sich daher vor allem auf die drei Kompetenzfelder Produkt & Beratung, Verkaufsförderung sowie Führung & Steuerung ab - mit dem Ziel, Wissen in konkretes Handeln zu überführen. Die insgesamt 61 Trainingseinheiten seien bereits geplant, davon über ein Drittel digital.
Zum Abschluss betonte Cornelia Loos, was den Bettenring im Kern ausmache: Orientierung, Identität und Stärke. "Die Bettenring eG verbindet Fortschritt mit Bodenhaftung, bietet Stabilität in bewegten Zeiten und schafft ein gemeinsames Fundament."
Michael Gouram, Betten Sauer, Köln
"Mehr Mut!" - Aufruf zu Zuversicht und Tatkraft
Mitreißend, pointiert und unkonventionell: Michael Gouram, Geschäftsführer des Kölner Fachgeschäfts Betten Sauer, forderte in seinem Impulsvortrag von der Branche vor allem eines: "Mehr Mut" - zum Ausbilden, Fördern, Netzwerken und zum Umdenken im demografischen Wandel.
Gouram machte klar: Nachwuchsgewinnung beginnt im Alltag - mit Praktika an Schulen oder Aushängen im Sportverein. Förderprogramme von Bund, Ländern und der EU seien "echte Chancen" für Digitalisierung und Schulung, würden aber oft übersehen. Auch ältere Zielgruppen böten enormes Potenzial - vorausgesetzt, Sortimente und Ansprache stimmen. Sein Tipp: Produkte schnell verfügbar machen und online auffindbare Begriffe wie Pflegebett statt Komfortbett nutzen.
Richard de Hoop:
"From Classic to Jamming"
Mit Musik als Metapher demonstrierte der niederländische Redner Richard de Hoop eindrucksvoll, wie Führung in Zeiten permanenter Veränderung gelingen kann.
Statt stur nach Noten zu spielen, brauche es heute mehr Mut zur Improvisation, zum Zuhören und zum gemeinsamen Rhythmus. "Führung ist nicht nur, den Ton anzugeben, sondern den gemeinsamen Groove finden", so de Hoop. Seine Botschaft: Unterschiedliche Charaktere und Talente machen Teams stark - vorausgesetzt, man nutzt ihre Vielfalt bewusst.
Silvia Leins Bender und Rüdiger Jung
Erfa-Profis geben Impulse im Klartext
Mit offenen Worten, praktischen Beispielen und viel Expertise rückten Silvia Leins-Bender und Rüdiger Jung bei der Bettenring-Tagung in Aalen zentrale Zukunftsfragen ins Rampenlicht. Ihre Botschaft: Wer im Markt bestehen will, muss beraten, führen und handeln - effizient, verbindlich und zukunftsorientiert.
So zeigt die Erfahrung der Dozenten und Handelsexperten aus der ERFA-Arbeit: Ein erfolgreiches Beratungsgespräch darf gern kürzer, aber dafür klarer sein. 15 Minuten können ausreichen - wenn die Richtung stimmt. Auch Aftersales, Google-Bewertungen und feste Beratungstermine wurden als unterschätzte Umsatztreiber identifiziert. Bei der Unternehmensnachfolge betonten beide die Bedeutung eines definierten Prozesses mit klaren Zeitplänen - flankiert von gezielter Unterstützung, wie etwa neuen Webinaren.
Stichwort Qualifizierung: Führung bleibt Chefsache - gerade, wenn es um die Weiterentwicklung des Teams geht, da sind Silvia Leins Bender und Rüdiger Jung sich einig. Passend dazu präsentierte der Bettenring ein neues, praxisnahes Schulungsprogramm mit 61 Trainingseinheiten in drei Kompetenzfeldern, anteilig digital und noch bis zum 18. August buchbar.
Mareike Pisall und Lucy Inkelhofen
Die "Jungen" gestalten den Wandel
Von ihrem zweitägigen Workshop über Zukunft, Verantwortung und Wandel berichteten Lucy Inkelhofen und Mareike Pisall als Vertreter der "Jungen" des Bettenrings. Dabei wurde deutlich: Ob Digitalisierung, Prozessoptimierung oder Lagerabbau - die Herausforderungen im Fachhandel ähneln sich, auch wenn die Betriebe unterschiedlich aufgestellt sind. "So weit wir auch gestreut sind - es beschäftigen uns die gleichen Dinge", fasste Mareike Pisall zusammen.
Im Zentrum des Treffens stand nicht nur die gemeinsame Reflexion, sondern auch konkrete Forderungen an den Verband: mehr digitale, zeitunabhängige Schulungsformate, Plattformen für Best Practices und praxisnahe Impulse zur Unternehmensnachfolge.
Mit Personalexpertin Barbara Koch (Staff Solutions) arbeiteten die Teilnehmer an innovativen Ansätzen rund um Employer Branding und Recruiting. Besonders die Profile-Dynamics-Analyse beeindruckte: Sie hilft, Persönlichkeitstypen im Team besser zu verstehen - und so das Miteinander gezielter zu gestalten. "Man braucht im Team alle Farben, um zu funktionieren", so Lucy Inkelhofen.
Die Gruppe denkt weiter: Unter dem neuen Arbeitstitel "Wandel.Werk" soll künftig Raum für Ideen entstehen, die den Verband mitgestalten - neugierig, reflektiert und voller Tatendrang.
aus
Haustex 07/25
(Wirtschaft)