Was die Wissenschaft über Schlafdauer verrät:
Zu viel Schlaf – gibt es das wirklich?
Die Frage klingt harmlos - fast wie Smalltalk beim Probeliegen: "Kann man eigentlich zu viel schlafen?" Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jetzt aber: Die Antwort ist alles andere als einfach. Denn: Nicht nur Schlafmangel, sondern auch übermäßiger Schlaf kann ein Warnsignal sein. Eine topaktuelle Metastudie, durchgeführt von der Universität im kanadischen Victoria, liefert überraschende Einblicke in den Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Gesundheit. Was dabei herauskam, lohnt einen genaueren Blick - aus wissenschaftlicher Sicht, aber auch für die Praxis der individuellen Bettenfachberatung. Denn: Wer gut beraten will, sollte auch wissen, was "zu viel Schlaf" über den Menschen im Bett verraten kann.Die Zahlen:
Warum 7-9 Stunden ideal sind
Für die Analyse wurden Daten aus 79 Langzeitstudien mit Millionen Erwachsenen untersucht. Dabei wurde verglichen, wie sich unterschiedliche Schlafdauern auf die Lebenserwartung auswirken. Die Ergebnisse zeigen klar: Wer weniger als 7 Stunden schläft, hat ein um 14 % erhöhtes Sterberisiko. Und überraschend: Wer regelmäßig mehr als 9 Stunden schläft, bringt es sogar auf ein um 34 % erhöhtes Risiko. Interessanterweise waren die negativen Effekte bei Frauen, die besonders lange schliefen, noch stärker ausgeprägt.
Aber - und das ist entscheidend - die Schlafdauer ist dabei nicht die direkte Ursache für ein erhöhtes Sterberisiko. Vielmehr gilt: Wer ungewöhnlich lange schläft, tut das oft nicht als Erholung, sondern weil unentdeckte Erkrankungen wie Herzinsuffizienz, chronische Entzündungen oder depressive Störungen im Hintergrund wirken. Das beruhigende Fazit aus Sicht des Schlafexperten lautet also: Langer Schlaf ist oft Symptom, nicht aber Ursache für die erwähnten Risiken.
Gesunder Schlaf ist nicht universell
...sondern regional und individuell unterschiedlich. Ein spannender Aspekt der Metastudie betrifft den kulturellen Kontext: In Frankreich etwa liegt die durchschnittlich gesunde Schlafdauer bei etwas über 8 Stunden, in Japan hingegen eher bei 6 Stunden - dort aber mit einem gut akzeptierten, strukturierten Schlafmuster (beispielsweise Power-Naps). Die beste Gesundheit wiesen dabei stets die Menschen auf, deren Schlafverhalten dem kulturellen Durchschnitt entsprach. Das bedeutet: Es gibt keine universell "richtige" Schlafdauer. Vielmehr brauchen wir ein Verständnis für kulturell und individuell passende Schlafspannen.
Was heißt das alles für die Praxis
im Bettenfachhandel?
Für uns als Experten und Ratgeber im Schlaf- und Bettenbereich ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Weg von pauschalen Empfehlungen - hin zu echter Individualisierung.
Ich sage in meinen Coachings und Vorträgen gerne: "Deine Schlafdauer ist individuell - dein Bett aber bitte auch!"
Denn wer lange schläft, braucht andere Liegeeigenschaften als jemand, der viel unterwegs ist und mit kurzen Regenerationsphasen auskommen muss.
Ein paar Beispiele aus der Praxis:
•Langschläfer benötigen oft mehr Druckentlastung und ein ausgeklügeltes Schlafklima, damit längere Liegezeiten nicht zu Verspannungen oder Hitzestau führen.
•Unruhige Schläfer profitieren von einer bewegungsresilienten Matratze, die nicht jede Drehung stört.
•Power-Napper oder Menschen mit polyphasischem Schlaf profitieren von punktgenauer Unterstützung für kurze, intensive Erholungsphasen.
Das ist genau der Bereich, in dem wir als Fachhändler einen echten Mehrwert bieten können - individuelle Bedarfsanalysen, Beratung nach Chronotyp, Schlafverhalten und Körpertyp.
Fazit:
Nicht jeder Langschläfer lebt gefährlich - aber jeder sollte seinen Schlaf ernst nehmen. Die Frage "Wie viel Schlaf ist gesund?" lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend ist:
•Wie ausgeruht fühlt man sich?
•Wie konstant ist der Schlaf?
•Wie passend ist das Bett zum Verhalten?
Für uns im Fachhandel heißt das: Wer wirklich kundenorientiert beraten will, muss über Härtegrade und Lattenroste hinausgehen - und den Kunden als schlafenden Menschen mit individuellen Rhythmen und Bedürfnissen sehen. Denn am Ende beginnt guter Schlaf nicht erst bei der Uhrzeit, sondern beim richtigen Bett.
Ihr Markus Kamps,
Schlafcoach & Experte für gesunden Schlaf
Schlafexperte Markus Kamps
Seit mehr als 20 Jahren widmet sich Präventologe Markus Kamps als Schlaf-Experte, Schlafcoach, geprüfter Präventologe und Vortragsredner der Schlaf- und Rücken-Gesundheit. Sein Podcast "Sleep & Perform" ist auf Spotify und Apple-Podcasts zu hören: für mehr Wachheit im Alltag durch erholsame Nächte.
aus
Haustex 09/25
(Wirtschaft)