40 Jahre Hinno

Erfindergeist ab dem ersten Clic

Seit vier Jahrzehnten steht der Name Hinno für eine Erfindung, die das Aufhängen von Vorhängen und Gardinen grundlegend verändert hat: den Clic Gleiter. Wir haben mit Inhaber Leo Demetz über Herausforderungen und die strategische Ausrichtung des Unternehmens gesprochen.

Was 1986 mit einer simplen, aber genialen Idee begann - dem weltweit ersten klickbaren Vorhanggleiter am Markt -, ist heute die Basis einer Marke, die in der Heimtextilienbranche für Schweizer Präzision, Innovationsgeist und Qualität steht: Hinno. Zum 40-jährigen Jubiläum blickt das Unternehmen nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn - mit neuen Ideen, nachhaltigen Lösungen und einem Inhaber, der Stillstand als Fremdwort betrachtet.

Vom Klick zur Marke

Als Alfred S. Heinrich Mitte der 1980er den ersten Vorhanggleiter mit Klickfunktion entwickelte, war das eine kleine Revolution: Kein mühsames Einfädeln mehr, kein Gefummel mit winzigen Gleitern - stattdessen ein hörbares Klicken, das Effizienz und Einfachheit versprach. "Heinrich Innovation", kurz Hinno, nannte er sein Unternehmen, das er ursprünglich in Meggen im Schweizer Kanton Luzern, gründete. Die Idee: Den Alltag von Raumausstattern, Handwerkern und Mitarbeitern in Hotels und Pflegeeinrichtungen spürbar erleichtern.

Die Technik war verblüffend einfach und zugleich wegweisend: Mit einem Handgriff ließ sich der Vorhanggleiter an jeder Stelle der Schiene einklicken. Zeitersparnis bis zu 95 % und eine enorme körperliche Entlastung, besonders bei großflächigen oder schweren Stoffen. Damit war Hinno nicht nur eine technische, sondern auch eine wirtschaftliche Innovation.

Wie so oft bei guten Ideen, folgten schnell Nachahmer mit ähnlich klingenden, aber qualitativ schwächeren Produkten. Doch das Original setzte sich durch. Und der Zusatz "Das Original" wurde zum Markenzeichen - ein Bekenntnis Schweizer Markenqualität, Präzision und Exzellenz, die bis heute den Kern des Unternehmens ausmachen.
Schweizer Original
mit österreichischer Mutter

2016 übernahm Leo Demetz, Inhaber der österreichischen Leo Demetz Kunststoffverarbeitung, das Lebenswerk von Alfred Heinrich, der sich aus Altersgründen zurückzog. Ein logischer Schritt: Beide Firmen arbeiteten bereits seit Jahren partnerschaftlich zusammen, verbanden technisches Know-how und eine kompromisslose Haltung zu Qualität. "Hinno ist für mich wie ein Kind", sagt Demetz rückblickend. "Wir wollten und wollen die Marke weiterführen, ohne ihr Wesen zu verändern - aber mit dem Anspruch, sie in die Zukunft zu tragen."

Heute agieren beide Firmen eigenständig, aber eng verzahnt. Die Schweizer Hinno bleibt unabhängig, eingebettet in die Junina Holding, die zu 100 % Demetz gehört. So vereinen sich Schweizer Erfindergeist und österreichische Ingenieurskunst zu einer starken Allianz - präzise, pragmatisch und leidenschaftlich.

Der Tüftler hinter dem System

Wer Leo Demetz begegnet, trifft keinen klassischen Manager, sondern einen modernen Tüftler. Einen, der sich eher für Spritzgusswerkzeuge interessiert als für Power-Point-Folien. Einen, der lieber in der Werkshalle steht als im Büro. Und einen, der überzeugt ist: "Stillstand ist Rückschritt."

Nach Abschluss seiner technischen Ausbildung stieg Demetz 1998 in das elterliche Unternehmen im oberösterreichischen Mattighofen ein. Heute verlassen rund eine Milliarde Kunststoffteile jährlich das Werk - jedes einzelne geprüft, getestet, perfektioniert. Qualität ist für ihn kein Kostenfaktor, sondern Teil der Unternehmensidentität. "Wir liefern lieber gar nicht als schlecht", sagt Demetz. "Denn Qualität schafft Vertrauen - und Vertrauen ist das, was in dieser Branche am schwersten zu gewinnen und am leichtesten zu verlieren ist." Diese Haltung gilt auch für Hinno.

Innovationen aus Anwendersicht

Hinno entwickelt immer mit Blick auf den, der die Produkte täglich nutzt: Raumausstatter, Hoteltechniker und nicht zuletzt Endverbraucher. Das Prinzip lautet: Problemlösung statt reine Produktpflege. So entstanden Werkzeuge wie die Montagehilfe Clic Assist, der Gleiterschlüssel Clic Curve, die Ausklinkzange Clic Release oder das Mini-Tool Clic Clean, das selbst eingetrocknete Gipsreste und Farbspritzer aus Vorhangschienen löst, ohne das Material zu beschädigen. Kleine Ideen mit großer Wirkung - typisch Demetz, typisch Hinno.

Auch scheinbar unspektakuläre Entwicklungen erzählen von diesem Geist. Etwa die Hinno-Clic-Münztabelle - entwickelt von Leo Demetz -, mit der sich Schienenmaße ohne Messwerkzeug, stattdessen mit Euro- oder Schweizer-Franken-Münzen bestimmen lassen. Eine clevere, fast spielerische Lösung, die zeigt, wie konsequent Hinno aus Anwendersicht denkt.

Qualität, die man hören kann

"Clic" ist bei Hinno mehr als ein Geräusch - es ist ein Versprechen, und wie Leo Demetz formuliert, ein USP, den man hören kann. Jeder Gleiter wird mit modernsten Werkzeugen gefertigt, geprüft und getestet. Von der Werkzeuginnendruckmessung über CT-Scans bis zu Zugversuchen reicht der Prozess, bevor ein Teil das Werk verlässt. Selbst kleinste Abweichungen führen zu Chargensperren - aus Prinzip.
Die Investition für die Entwicklung und Herstellung eines Clic-Werkzeugs beläuft sich auf jeweils rund 150.000 CHF (rd.161.000EUR). Für Demetz ist das kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Nur so lässt sich das Qualitätsniveau halten, das Hinno seit 40 Jahren auszeichnet. Die Gleiter sind waschmaschinenfest, für die chemische Reinigung geeignet und halten großen Temperaturschwankungen stand - ein Grund, warum Hinno Clic Gleiter auch von der Automobilindustrie in Bussen, LKW und Caravans eingesetzt werden.

Nachhaltigkeit
mit Substanz

Nachhaltigkeit ist bei Hinno kein Imageprojekt, sondern gelebte Praxis. Die Produktion läuft mit 100 % Ökostrom, ein Großteil davon aus eigener Solaranlage. Haken und Gleiter sind vollständig recycelbar. Selbst Give-aways bestehen aus Bio-Baumwolle.

Besonders sichtbar wird dieses Denken in der Verpackung: Hinno hat als erster Hersteller der Branche vollständig auf die klassischen Lösungen aus Kunststoff verzichtet - eine Entscheidung gegen den Mainstream. Statt Boxen mit Sichtfenstern und transparenten Plastikbeuteln für Kleinmengen setzt das Unternehmen auf Karton- und robuste Papierverpackungen mit QR-Codes, die heute mehr Informationen bereitstellen, als je auf einem Pappreiter Platz hatten. Sie sind widerstandsfähig, recyclingfähig und vermitteln eine neue Wertigkeit am Point of Sale - nicht als Ersatz, sondern als Fortschritt.

Alleine bei den Kunststoffbeuteln können Hinno und die Muttergesellschaft Demetz potenziell rund 10 Mio. Einheiten jährlich einsparen - und haben damit gleichzeitig eine neue Form der Produktkommunikation gefunden. Die Karton- und Papierverpackung wird damit zur ökologischen und gestalterischen Visitenkarte.

Diese Umstellung war kein Nebenschauplatz, sondern ein strategischer Meilenstein. Neue Maschinen, neue Logistik, neue Kommunikation - ein Projekt mit hohem Risiko. Denn der Wechsel bedeutete auch, dass das Produkt im Handel für den Kunden zunächst einmal weniger sichtbar ist. "Wir wussten, dass wir etwas Vertrautes aufgeben", erinnert sich Demetz. "Aber wir wollten zeigen, dass nachhaltiges Denken und marktfähiges Design kein Widerspruch sind."

Die vielleicht größte Herausforderung für Leo Demetz liegt nicht in der Technik, sondern im Markt. In einer Branche, in der Margen oft mehr zählen als der Anwendernutzen, muss sich Qualität behaupten. "Es gibt Händler, die den Clic-Gleiter mit billigeren Kopien ersetzen, weil sie ein paar Cent mehr verdienen", sagt er. "Das schadet nicht nur uns, sondern auch dem Endkunden, der glaubt, das Original gekauft zu haben." Demetz nennt es "Business Ghosting" wenn Anfragen unbeantwortet bleiben, Innovationen ignoriert werden, Markenidentität verwässert. Und doch bleibt er unbeirrt. "Wir werden weiterhin unseren Weg gehen - mit Qualität, Ehrlichkeit und Mut zur Differenzierung."

Nähe zu den
Partnern schaffen

Vier Jahrzehnte Hinno, das ist nicht nur ein Jubiläum, sondern auch ein Aufbruch. Während viele Firmen Jubiläen vor allem zum Rückblick nutzen, schaut das Schweizer Unternehmen mit österreichischer Mutter nach vorn. Die Verbindung aus Handwerk, Design und Innovationsgeist soll künftig noch sichtbarer werden, vor allem im Fachhandel. Das Ziel: Nähe schaffen - zu den Partnern, zu den Kunden, zu den Menschen, die mit Hinno arbeiten.

Ein zentraler Baustein dieser Strategie ist der neue Bezugsquellenfinder. Er ermöglicht es Fachhändlern, Raumausstattern und Endkunden, in wenigen Klicks den passenden Vertriebspartner zu finden - regional, aktuell und transparent. Damit will Hinno den Zugang zu seinen Produkten vereinfachen und zugleich den stationären Handel stärken. Die Anwendung wird kontinuierlich optimiert: Eine präzisere Postleitzahlen-Logik, klare Kennzeichnung von Voll- und Teilsortimenten sowie regelmäßige Datenprüfungen sorgen dafür, dass Kunden schnell die richtigen Ansprechpartner erreichen.

Für Leo Demetz ist der Bezugsquellenfinder mehr als ein Service-Tool, er ist ein Teil der Markenphilosophie. "Ich möchte, dass unsere Kunden innerhalb von drei Klicks das finden, was sie suchen", sagt er. "Schnelligkeit und Klarheit gehören für mich genauso zur Qualität wie das Produkt selbst."

Qualität sichtbar machen

Eine groß angelegte Promotion-Aktion und ein Mailing an rund 7.000 Fachhändler schaffen Aufmerksamkeit, während gezielte Online-Impulse den Dialog mit dem Markt vertiefen. Es geht nicht nur darum, Produkte zu zeigen, sondern Begeisterung zu wecken bei jenen, die täglich mit Stoffen, Systemen und Räumen arbeiten.

Gleichzeitig arbeitet Hinno hinter den Kulissen an klareren Strukturen: Sortimente werden deutlicher gekennzeichnet, Lieferketten verfeinert, Abläufe beschleunigt. Kleine organisatorische Stellschrauben, die im Ergebnis große Wirkung entfalten, vor allem im Zusammenspiel mit dem Fachhandel.

Auch am Point of Sale setzt Hinno Akzente. In den Ausstellungen von Raumausstattern und im Objektbereich entstehen praxisnahe Präsentationen, die zeigen, wie flexibel sich die Systeme einsetzen lassen. Selbst Details wie Pflege- und Reinigungsprodukte - etwa spezielle Schienenreiniger - werden künftig stärker in die Kommunikation integriert. Denn wer Qualität bis ins Detail denkt, muss sie auch sichtbar machen.

Und auch für die Zukunft ist gesorgt. Mit Julian Demetz, dem Sohn des Unternehmers, ist bereits die dritte Generation im Betrieb aktiv. Er bringt frische Perspektiven ein und steht zugleich für Kontinuität - für die Werte, die Hinno und Demetz groß gemacht haben: technisches Verständnis, Verlässlichkeit und Leidenschaft für Präzision. Damit bleibt der Hersteller nicht nur technologisch, sondern auch familiär in sicheren Händen.

Vierzig Jahre nach der Erfindung des ersten Clic Gleiters bleibt Hinno das, was es immer war: ein Unternehmen, das nicht stillsteht. Der Geist des Tüftlers, das Streben nach Perfektion, die Lust an der Innovation - all das prägt die Marke bis heute. Leo Demetz sagt es so: "Wir wollen der Problemlöser für unsere Kunden sein. Denn am Ende ist es dieses Klick, das zählt - und das gute Gefühl, wenn alles funktioniert."
| Michaela Fischer


Daten + Fakten Hinno
Hinno AG
Blegistrasse 19
6340 Baar/Schweiz
Tel.: +41/41/3 77 38 77
info@hinno.ch
www.hinno.ch

Geschäftsführer:
Leo Demetz
Gründung: 1986
Produkte: Gleiter, Wellensystem, Haken, Feststeller, Flächenvorhangsystem, Ausklinkzange, Hilfsmittel
Erfindergeist ab dem ersten Clic
Foto/Grafik: Hinno
Mit Sohn Julian Demetz, ist bereits die dritte Generation im Betrieb aktiv. Er bringt frische Perspektiven ein und steht mit seinem Vater Leo Demetz zugleich für Kontinuität.
Erfindergeist ab dem ersten Clic
Foto/Grafik: Hinno
Als erstes Unternehmen in der Branche hat Hinno die Kunststoffverpackung im SB-Bereich durch recyclingfähige Papierverpackungen ersetzt. Sämtliche Produktinformationen sind über einen QR-Code abrufbar.
Erfindergeist ab dem ersten Clic
Foto/Grafik: Hinno
Für die neuen Papierverpackungen wurde bei Leo Demetz Kunststoffverarbeitung im österreichischen Mattinhofen eigene Verpackungs- und Konfektionierungstechnik installiert.
Erfindergeist ab dem ersten Clic
Foto/Grafik: Hinno
Der neue Bezugsquellen-Finder zeigt Endverbrauchern und B2B-Kunden Hinno-Partner in ihrer Region.
aus BTH Heimtex 01/26 (Wirtschaft)