Südwest Lacke + Farben GmbH & Co. KG
Südwest agiert verlässlich, flexibel und nah am Markt
Der rheinland-pfälzische Lack- und Farbenhersteller Südwest Lacke+Farben behauptet sich im herausfordernden Marktumfeld. Wie das gelingt? Wir haben in Böhl-Iggelheim nachgefragt.Die wirtschaftliche Situation der Baufarbenindustrie ist aktuell stark angespannt, geprägt durch die anhaltende Krise im Wohnungsbau. Die Branche hat zudem mit hohen Rohstoffpreisen, steigenden Kosten und wachsenden Anforderungen bei der Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien zu kämpfen sowie mit großem bürokratischen Aufwand. Das trifft vor allem die kleinen und mittleren Hersteller wie Südwest Lacke+Farben. "Der Markt ist aktuell von Zurückhaltung geprägt, vor allem im Neubau. Renovierung und Sanierung bleiben weitgehend stabil, wenngleich wir feststellen müssen, dass Renovierungszyklen aus unterschiedlichsten Gründen verlängert werden: demographische Entwicklung, geringere Umzugsneigung, steigende Produktqualität, Kostensteigerung usw. Und wir beobachten eine zunehmende Polarisierung zwischen Preis- und Qualitätsanbietern", beschreibt Hans-Jörg von Rhade den Status quo.
Er ist seit 2007 Geschäftsführer und trotz der geschilderten Probleme mit dem Geschäftsverlauf 2025 zufrieden. Durch Neuheiten wie die kationischen Produkte, die Erweiterung der Ein-Topf-Systeme für innen und außen und die intensive Vertriebsarbeit konnte der Umsatz in Deutschland sogar gesteigert werden, auch wenn steigende Kosten und Margendruck das Ergebnis belastet haben. Südwest scheint seinen erfolgreichen Weg gefunden zu haben. Wie begegnet das Unternehmen also den Herausforderungen und welche Perspektiven bieten sich? Ein Blick zurück.
Von der "Lackbude"
zum Vollsortimenter
Das mittelständische Industrieunternehmen mit Sitz im rheinland-pfälzischen Böhl-Iggelheim sieht sich heute selbst als Anbieter von hochwertigen Beschichtungslösungen mit hoher technologischer Kompetenz und als verlässlicher Partner des Farbengroß- und Baustofffachhandels. Ihren Anfang nahm die mehr als 100-jährige Firmengeschichte in Neustadt an der Weinstraße. Dort gründete im August 1923 Georg Schöffler sein "Fabrikations- und Grosshandelsgeschäft für Farben, Lacke und Malerbedarf". Erst 1937 erfolgte der Umzug nach Böhl-Iggelheim. Ein Jahr darauf meldete die "Böhler Lackfabrik" ihre Wortmarke für Lacke und Farben an: Südwest.
Seitdem hat sich die "Lackbude" aus der Pfalz, als die sich Südwest humor- und liebevoll selbst bezeichnet, kontinuierlich weiterentwickelt zu einem Vollsortimenter für professionelle Baubeschichtungen. Unter dem Motto "Vom Profi für den Profi" arbeiten rund 125 Beschäftigte, darunter zehn Auszubildende, daran, die mehr als 300 Produkte zu entwickeln, herzustellen und zu vermarkten. Die jährliche Produktionsmenge liegt bei insgesamt rund 4.000 t. Seit 2002 gehört das Unternehmen zur inhabergeführten Sto-Gruppe. Man profitiert von der Einbindung in einen Konzern, der mit seinen rund 50 Tochtergesellschaften sowie Vertriebspartnern weltweit einen Umsatz von zuletzt 1,6 Mrd. EUR erwirtschaftet, und agiert gleichzeitig selbstständig am Markt. Die klare Rollenverteilung innerhalb der Gruppe - Sto vertreibt seine Produkte direkt, Südwest über den Handel - schafft Transparenz und verhindert Zielkonflikte sowohl intern als auch gegenüber Kunden und Markt.
Partnerschaft
statt Produktverkauf
Das Unternehmen verkauft seine Produkte und Systeme ausschließlich über den Fachhandel und versteht sich dabei bewusst nicht als reiner Lieferant, sondern als Partner seiner Kunden. Dieses Selbstverständnis spiegelt sich im täglichen Handeln wider. Beratung, technische Unterstützung und eine konsequente Orientierung an den praktischen Bedürfnissen der Kunden gehören zum Kern des Leistungsversprechens. Von Rhade bringt es auf den Punkt: "Unsere Stärke liegt in Qualität, Flexibilität und der Nähe zum Handwerk - damit können wir Chancen ergreifen, wo andere zögern." Verlässlichkeit, ein vollständiges Sortiment und die Verwurzelung am Produktionsstandort bilden das Fundament des Markenprofils.
Die Partnerschaft mit dem Fachhandel zeigt sich vor allem in den Menschen, die die Marke tragen: dem Außendienst, der Händler berät und die Handwerker auf Baustellen mit Fachwissen unterstützt. Flache Hierarchien ermöglichen schnelle Entscheidungen und eine flexible, individuelle Begleitung - ein Vorteil, der im Markt ankommt. Praxisnahe Unterstützung ist kein Nebenaspekt, sondern integraler Bestandteil des Angebots: von technischen Problemlösungen über objektbezogene Beratung bis hin zur Planung individueller Maßnahmen, erarbeitet im Dialog mit den Partnern im Handel und im Handwerk.
Digitaler Schub und
gestärkte Infrastruktur
Individuelle Lösungen sind ein zentrales Element der Südwest-DNA. Das gilt für die Vermarktungskonzepte, die analog wie digital auf die Größe und Anforderungen des jeweiligen Handelsunternehmens zugeschnitten werden, ebenso wie für die Schulungen für Handwerker, die 2024 neu konzeptioniert wurden. Neben standardisierten Formaten bietet Südwest maßgeschneiderte Weiterbildungen, häufig direkt bei den Handelspartnern, ergänzt durch anwendungstechnische Schulungen für das Fachhandwerk. Unterstützt wird dies durch digitale Tools - darunter Tutorials und eine App für den Maler, die Wissen schnell zugänglich machen und Abläufe vereinfachen.
Auch im Export folgt Südwest diesem Prinzip: In ausgewählten zentraleuropäischen, mittelamerikanischen und asiatischen Märkten werden Anforderungen vor Ort analysiert und mit passenden Produkten oder Systemlösungen bedient.
Mit dem 2021 eröffneten Logistikzentrum hat Südwest seine Leistungsfähigkeit spürbar erhöht. Weitere Investitionen in Produktion, Abfüllerei und Digitalisierung bilden die Grundlage für das operative Geschäft und schaffen die Rahmenbedingungen für schnelle und stabile Lieferfähigkeit. Die digitale Transformation in der Kundenkommunikation schreitet ebenfalls voran: Verbesserungen auf der Webseite, stärkere Nutzung digitaler Kontaktpunkte und der Aufbau einer Social-Media-Präsenz sind Teil der Strategie. "Bei Social Media stecken wir noch in den Kinderschuhen", räumt von Rhade zwar ein - aber Ende 2025 wurde zumindest ein Instagram-Kanal gestartet, um insbesondere jüngere Zielgruppen anzusprechen.
Ziel:
Top 3 im Profihandel
Für 2026 ist Südwest "verhalten optimistisch". Die Nachfrage bleibt eher schwach, Kosten und regulatorische Vorgaben steigen. Dennoch sieht von Rhade Chancen, gemeinsam mit Handel und Handwerk zu wachsen. Schulungen, digitale Angebote und die unmittelbare Marktnähe sollen helfen, gerade in schwierigen Zeiten als verlässlicher Anbieter sichtbar zu bleiben.
Langfristig ist die Zielsetzung eindeutig: Bis 2029 will Südwest im Profihandel nach Umsatz die Nummer 3 der Industriemarken sein, wobei das Wettbewerbsumfeld rund zehn relevante Anbieter umfasst. Laut von Rhade eine ambitionierte, aber realistische Perspektive. Begleitet wird sie durch eine gezielte Distributionserweiterung, vor allem in Nordrhein-Westfalen, sowie durch den Ausbau internationaler Aktivitäten: Südwest strebt eine Exportquote von 20 % an.
Strukturelle Veränderungen im Markt will man positiv für sich nutzen. Die Insolvenz der Schlau-Gruppe hat Südwest zwar nicht direkt betroffen, dennoch entstehen Freiräume, die neue Chancen bieten. "Wir sehen Möglichkeiten, gemeinsam mit unseren Marktpartnern entstandene Lücken zu bedienen", sagt von Rhade.
Menschen als Erfolgsfaktor
Auch Südwest spürt den Fachkräftemangel - setzt dem aber eine klare Strategie entgegen: gezielte Ausbildung, umfassende Schulungsprogramme, attraktive Arbeitsbedingungen und langfristige Mitarbeiterbindung. Die niedrige Fluktuation wird im Unternehmen als Beleg für die Wirksamkeit dieses Kurses gesehen.
Regelmäßige Auszeichnungen als bester Arbeitgeber und herausragende Ausbildungsleistungen - etwa ein Azubi, der zuletzt als bester von 3.000 landesweit ausgezeichnet wurde - zeigen, welchen Stellenwert das Thema Personalentwicklung hat. Fachliche und technische Qualifikation, ergänzt um Compliance- und IT-Schulungen, sichern die Leistungsfähigkeit über alle Bereiche hinweg.
2026 liegt der Fokus
auf Lacken und Lasuren
So sieht sich Südwest insgesamt gut aufgestellt für die Zukunft und positioniert sich mit einer klar definierten Rolle als verlässlicher Partner des Fachhandels, mit ausgeprägter technischer Kompetenz und einer intensiven Vertriebsarbeit in einem Umfeld, das von Konsolidierung und Unsicherheiten geprägt ist. Ziel ist es, gemeinsam mit Partnern weiter zu wachsen und neue Märkte zu erschließen.
In diesem Jahr soll das konkret mit neuen Lacken und Lasuren sowie Farben geschehen. Es gibt aber auch etwas zu feiern: Lotusan, die Fassadenfarbe, die sich den Lotusblatteffekt zueigen machte, wurde 25 Jahre alt, und das Innendämmsystem Klimakomfort ist seit zehn Jahren auf dem Markt.
| Matthias HeiligDaten + Fakten Südwest
Südwest Lacke + Farben GmbH & Co. KG
Iggelheimer Straße 13
67459 Böhl-Iggelheim
Tel. 06324/7 09-0
info@suedwest.de
www.suedwest.de
Geschäftsführung:
Hans-Joerg von Rhade
Gründung: 1923
Beschäftigte: 125
Produkte: Innen-/Fassadenfarben, Lacke, Lasuren, Innenputze, Spachtelmassen, Boden- und Dachbeschichtungen, Schimmelsanierung, WDVS
Volles Sortiment mit Spezialitäten
Südwest bietet als Vollsortimenter alle Produkte für Beschichtungsaufgaben im und am Gebäude. Das Sortiment umfasst neben Lacken und Holzbeschichtungen auch Innen- und Außenfarben, Putze, Spachtelmassen, Boden- und Dachbeschichtungen. Meilensteine in der Produktentwicklung sind die erste Universalgrundierung All-Grund (1968), die Fassadenfarbe Lotusan (1999) mit dem Abperleffekt als echtem Alleinstellungsmerkmal, wasserbasierende Lacke, Farben und Lasuren mit der All-Color-Aquamix-Technologie (2003), die allergikergeeignete Innenfarbe Bio-Innensilikat (2013), das Schimmelsanierungssystem Klimakomfort (2016) oder die bionische Fassadenfarbe Drytec (2017). Seit 2023 gehören auch Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) zum Portfolio. 2025 kamen die kationischen Lacke auf den Markt.
Fassadenfarben und Putzsysteme
Vielfältige gestalterische Möglichkeiten kombiniert mit zuverlässigem Schutz für die Fassade. Dabei stehen Witterungsbeständigkeit, Farbtonstabilität und Schutz vor Algen- und Pilzbefall im Fokus. Die Systeme sind aufeinander abgestimmt und gewährleisten Sicherheit in der Anwendung.
Innenfarben und Wandbeschichtungen
Das breit gefächerte Sortiment für hohe gestalterische und technische Ansprüche reicht von hochdeckenden Dispersionsfarben über emissionsarme und konservierungsmittelfreie Systeme bis hin zu zertifizierten Produkten für gesundes Wohnen.
Lacke und Lasuren
Zu den wasserbasierten Lacken für den Innenbereich sowie hoch belastbaren Systemen für Holz, Metall und Kunststoff gehört das Ein-Topf-System Aqua Vision Multi-Venti: Der seidenglänzende Universallack eignet sich nicht nur für maßhaltige und begrenzt maßhaltige Hölzer im Außenbereich. Seine spezielle Bindemittelkombination erweitert die Einsatzmöglichkeiten auf Untergründe wie Hartkunststoff, Aluminium, verzinkte Flächen, Trapezblechen und tragfähige Altlackierungen.
Holzschutz
Das differenzierte Sortiment vereint ökologische Anforderungen mit technischer Leistungsfähigkeit. Ein Highlight ist die Hybrid Holz-Lasur, die durch einen sehr niedrigen Lösemittelanteil sowohl im Innen- als auch im Außenbereich eingesetzt werden kann. Sie dringt tief ins Holz ein, bildet keinen Film und sorgt für eine natürliche, matte Optik bei gleichzeitig dauerhaftem Schutz.
Wärmedämm-Verbundsysteme
Das so genannte WDV-Smart System deckt mit drei Varianten nahezu alle Anwendungen ab und ist vor allem für Ein- und Zweifamilienhäuser konzipiert. Es ist auf die weiteren Fassadenprodukte abgestimmt. Somit können ganzheitliche Lösungen aus einer Hand angeboten werden.
Technik-Highlight: Kationen-Technologie
Das Durchschlagen oder Durchbluten von gelblichen Verfärbungen durch helle Lacke oder Farben tritt häufig beim Lackieren von Holz durch Tannine oder harzhaltige Äste sowie durch Nikotinablagerungen auf. Auf mineralischen Untergründen entstehen Verfärbungen oft durch unspezifische Wasserflecken. Herkömmliche Farben und Lacke können diese Stoffe nicht absperren, da sie von alkalischen Medien leicht gelöst werden. Lösemittelhaltige Lacke und Farben sind die sicherste Wahl, um wasserlösliche Inhaltsstoffe zu isolieren. Im Innenbereich sind sie jedoch aufgrund des Geruchs oft unerwünscht. Hier bieten die kationischen Lacke von Südwest eine zuverlässige und praxisgerechte Alternative. Sie haben einen pH-Wert unter 7 und sind somit sauer, was das Anlöseverhalten der Inhaltsstoffe stark beeinflusst.
Technik-Highlight: Bionische Produkte
Bionische Produkte übertragen Phänomene aus der Natur auf technische Anwendungen. Bei Südwest hat man sich für drei Fassadenfarben vom Pflanzen- und Tierreich inspirieren lassen. Die Siliconharzfarben Lotusan und Lotusan Therm haben die Blätter der Lotuspflanze zum Vorbild: Von ihr perlen Wassertropfen ab und nehmen dabei auch Schmutzpartikel mit. Die Oberfläche bleibt sauber. Die noppenartige Struktur des Nebeltrinker-Käfers, der im küstennahen Trockengebiet Namibias überleben kann, lieferte die Idee für die hoch wasserabweisende Reinacrylat-Fassadenfarbe: Von dieser Beschichtung fließen neben Wassertropfen auch Nebel oder Tau schnell ab. Alle drei Produkte bieten einen natürlichen Schutz gegen den Befall von Algen und Pilzen, weil sie ihnen die wichtigsten Lebensgrundlagen entziehen: Wasser und organische Schmutzablagerungen.
aus
BTH Heimtex 02/26
(Wirtschaft)