Hunter Douglas Components, Zweigniederlassung der Hunter Douglas GmbH
"Unsere Branche kann etwas, was kaum eine andere kann"
Hunter Douglas-Geschäftsführer Mirko Müller-Stüler spricht über die besondere Logik eines Marktes zwischen Individualfertigung und Hochgeschwindigkeits-Logistik, die strategische Neuaufstellung des Unternehmens im internationalen Netzwerk des Konzerns und darüber, welche Aufgaben Hersteller, Fachhandel und Handwerk gemeinsam bewältigen müssen, um erfolgreich zu bleiben.BTH Heimtex: Sie tragen seit Januar 2026 viel Verantwortung für Hunter Douglas Components. Wenn Sie kurz zurückblicken: Welcher berufliche Weg hat Sie in die Sonnenschutzbranche geführt - und was hat Sie dort gehalten?
Mirko Müller-Stüler: Ich habe nach dem Abitur zunächst eine kaufmännische Ausbildung bei der Firma Krülland in Kaarst gemacht. Das Unternehmen beschäftigte sich mit Schwimmbadtechnik und Sonnenschutz. Nach der Ausbildung habe ich ein berufsbegleitendes Studium der Wirtschaftsinformatik absolviert. Im Unternehmen wurde mir relativ früh viel Verantwortung übertragen und meine Aufgaben lagen in einer Mischung aus Vertrieb und IT. Zusätzlich habe ich Exportkunden betreut, unter anderem in Kanada, Australien und Osteuropa.
Ende der 1990er Jahre geriet das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde später von Hella übernommen, für die ich zunächst tätig war. 2006 bin ich schließlich zu Hunter Douglas gewechselt.
BTH Heimtex: Wenn Sie einem Branchenfremden in wenigen Sätzen die Besonderheiten in der Produktion von Sonnenschutzsystemen erklären müssten - wie würden Sie das beschreiben?
Müller-Stüler: Sonnenschutz ist heute weit mehr als nur ein Produkt am Fenster. Es handelt sich um ein System, das aus vielen verschiedenen Komponenten besteht und eine Vielzahl von Funktionen erfüllt. Hinter einem Sonnenschutzsystem stehen unterschiedliche Wertschöpfungsstufen und Produkte: Textilien, Kunststoffteile, Schnüre, Mechaniken, Maschinen - vieles davon kommt aus verschiedenen Standorten.
Unsere Aufgabe besteht darin, aus all diesen Komponenten ein funktionierendes Gesamtsystem zu machen und dem Kunden eine Lösung aus einer Hand anzubieten. Wir vereinfachen Beschaffung und Koordination, sodass sich Fachhandel und Handwerk auf Beratung, Fertigung und Kundenservice konzentrieren können. Dafür stellen wir integrierte Lösungen bereit, die sich am jeweiligen Bedarf orientieren.
BTH Heimtex: Was fasziniert Sie persönlich an dieser Branche?
Müller-Stüler: Mich fasziniert vor allem die hohe Geschwindigkeit und Komplexität dieser Branche. Sie funktioniert über viele Produktionsstufen hinweg und verbindet Themen wie Design, Raumklima oder Smart-Home-Technologien miteinander.
Ein Konfektionär muss heute innerhalb weniger Tage eine enorme Vielfalt an Produkten liefern können. Ein Kunde, der einen millimetergenauen, maßgefertigten Sonnenschutz bestellt, erwartet, dass er ihn innerhalb kürzester Zeit erhält. Dafür braucht es im Hintergrund eine sehr leistungsfähige Organisation. Wir arbeiten mit einer großen Vielfalt an möglichen Kombinationen, die verfügbar gehalten, organisiert und zuverlässig geliefert werden müssen. Diese Verbindung aus Individualität und Lieferfähigkeit ist eine besondere Stärke unserer Branche
BTH Heimtex: Welche Veränderungen haben den Sonnenschutzmarkt aus Ihrer Sicht am stärksten geprägt, gab es besondere Herausforderungen, die Sie als Meilensteine bezeichnen würden?
Müller-Stüler: Es gab mehrere Phasen, die sehr prägend waren. Als ich zu Hunter Douglas kam, befand sich der Markt in einer starken Wachstumsphase. Die Systeme waren noch längst nicht so ausgereift wie heute und es kamen ständig neue Innovationen auf den Markt. Automatisierung und neue technische Lösungen begannen sich damals gerade erst zu entwickeln.
Dann kam 2008/2009 die globale Finanzkrise. Plötzlich wusste niemand mehr genau, wie sich die wirtschaftliche Situation entwickeln würde. Kreditlinien wurden gekündigt, viele Unternehmen waren verunsichert. Mit dem Pariser Klimaabkommen in 2015 und der globalen Verpflichtung, den CO
2 Ausstoß zu verringern, erhielten die Anforderungen an das Produkt Sonnenschutz mit Blick auf Energieeffizienz eine neue Dimension. Auch das war ein Meilenstein. Später folgten weitere Einschnitte wie etwa die Corona-Pandemie mit enormen Lieferkettenproblemen und schließlich der Ukraine Krieg, der eine Energiekrise nach sich zog. Solche Ereignisse zeigen immer wieder, dass Unternehmen flexibel bleiben und sich auf neue Rahmenbedingungen einstellen müssen.
Solche Phasen zwingen Unternehmen dazu, Strukturen zu hinterfragen und neue Lösungen zu entwickeln. Das hat die Branche insgesamt anpassungsfähig gemacht.
Eine weitere Herausforderung ist das Wachstum von Online und DIYKanälen. Das verändert Erwartungen an Beratung, Service und Geschwindigkeit. Und natürlich spielt auch die allgemeine wirtschaftliche Situation eine Rolle. Wenn gebaut oder renoviert wird, profitieren wir davon. Wenn die Baukonjunktur schwächelt, merken wir das ebenfalls.
BTH Heimtex: Welche Aufgaben muss die Sonnenschutzbranche insgesamt lösen, um relevant zu bleiben?
Müller-Stüler: Die Sonnenschutzbranche ist per se relevant, weil sie energieeffiziente und smarte Lösungen für Gebäude bietet.
Ein wichtiges Thema ist sicherlich auch die Frage, wie sich unsere Branche gegenüber den sehr günstigen Importprodukten unterscheidet. Dadurch verändert sich die Marktstruktur.
Unsere Antwort kann nicht allein über den Preis erfolgen. Wir setzen auf Innovationen, neue Produktgenerationen und klaren Kundennutzen. Dabei trifft jedes Unternehmen seine Entscheidungen selbstverständlich eigenständig im Markt. Dazu gehören beispielsweise Themen wie Motorisierung, intelligente Steuerungen oder neue Komfortfunktionen. Ein weiterer Punkt ist die Rolle des Fachhandels. Der stationäre Handel und das Handwerk spielen eine zentrale Rolle in unserer Branche. Mit Blick auf die zunehmenden Onlineangebote im Markt müssen wir Wege finden, Beratung, Planung und digitale Möglichkeiten optimal zusammenzuführen.
BTH Heimtex: Welche strategischen Schwerpunkte wollen Sie für Hunter Douglas innerhalb der neuen Unternehmensstruktur setzen?
Müller-Stüler: Ein zentraler Punkt ist für mich, die Stärken des globalen Hunter-Douglas-Netzwerks noch besser nutzbar zu machen. Hunter Douglas ist international breit aufgestellt, mit zahlreichen Standorten, die unterschiedliche Komponenten herstellen von Textilien über Kunststoffteile bis hin zu Schnüren, mechanischen Komponenten und Fertigungsmaschienen. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Komplexität so aufzubereiten, dass sie für den Kunden einfach nutzbar wird.
Der Kunde soll möglichst wenige Schnittstellen koordinieren müssen und einen klaren Ansprechpartner haben. Wir bündeln diese Kompetenzen zu einem funktionierenden System und stellen sie als auf den Kunden zugeschnittene, integrierte Lösung zur Verfügung.
Für den Kunden gibt es einen zentralen Ansprechpartner, der intern alle Themen koordiniert - egal, ob es um neue Produkte, Marketingunterstützung oder technische Fragen geht. Der Kunde muss sich nicht durch eine komplexe Konzernstruktur bewegen. Stattdessen hat er seinen Ansprechpartner, der sich um alle Belange kümmert.
BTH Heimtex: Welche Rolle spielt dabei die Einbindung in die Hunter-Douglas-Konzernstruktur - wo sehen Sie Freiräume für eigene Impulse?
Müller-Stüler: Hunter Douglas hat sich in den vergangenen Jahren strukturell stark verändert. Früher waren viele Unternehmen innerhalb des Konzerns sehr autonom organisiert.
Seit den letzten Jahren wird stärker darauf geachtet, Synergien innerhalb des Konzerns zu nutzen und Strukturen zu bündeln. Kompetenzen werden international stärker vernetzt und Doppelarbeit reduziert. Gleichzeitig bleibt die Nähe zu den jeweiligen Märkten ein entscheidender Erfolgsfaktor.
BTH Heimtex: Wie möchten Sie die Marktposition von Hunter Douglas Components künftig weiterentwickeln?
Müller-Stüler: Ein wichtiger Punkt ist für uns, die Vorteile unseres Systems klar zu kommunizieren. Hunter Douglas ist international präsent. Uns ist gleichzeitig wichtig, sehr marktnah zu arbeiten und eng mit unseren Kunden zusammenzuarbeiten. Daraus entwickeln sich wertvolle Partnerschaften und diese Form von gelebter Zusammenarbeit bietet den nötigen Raum, um echte Innovationen zu entwickeln - gemeinsam mit unseren Kunden. Uns ist es wichtig zu zeigen, dass wir nicht "nur" Produkte liefern, sondern innovative Lösungen. Dazu gehört in unserem Verständnis auch, dass wir unsere Kunden selbstverständlich in Marketingfragen, bei neuen Produktideen oder technischen Herausforderungen unterstützen
BTH Heimtex: Welche Märkte oder Regionen sehen Sie derzeit als besonders dynamisch oder zukunftsträchtig?
Müller-Stüler: In Osteuropa sehen wir weiterhin eine hohe Dynamik und viel Entwicklungspotenzial. Deutschland ist ein reifer Markt. Hier liegt der Fokus auf Servicequalität, Lieferfähigkeit und partnerschaftlicher Weiterentwicklung mit unseren Kunden. Auch Südeuropa entwickelt sich weiter - unter anderem, weil sich dort Architektur und Bauweisen verändern. Moderne Gebäude stellen neue Anforderungen an Sonnenschutzlösungen.
BTH Heimtex: Mit Duette hat Hunter Douglas eine international sehr starke Marke etabliert. Welche Rolle spielen wissenschaftlich fundierte Verkaufsargumente künftig?
Müller-Stüler: Das Thema Energieeffizienz und Raumklima wird immer wichtiger. Sonnenschutz hat einen großen Einfluss auf das Raumklima eines Gebäudes. Deshalb arbeiten wir auch mit wissenschaftlichen Einrichtungen zusammen, um diese Zusammenhänge besser zu verstehen. Es gibt wissenschaftliche Studien wie die vom Fraunhofer Institut für Bauphysik, die sich mit Themen wie Lichtqualität, Raumakustik oder Energieeffizienz beschäftigen. Solche Untersuchungen dokumentieren mit validen Zahlen, dass beispielsweise Duette nicht nur ein dekoratives Produkt ist, sondern einen echten funktionalen Nutzen bietet.
BTH Heimtex: Welche Produkt- oder Systembereiche bieten aktuell das größte Innovations- und Wachstumspotenzial?
Müller-Stüler: Ein sehr wichtiges Thema ist die Motorisierung von Sonnenschutzsystemen. In Deutschland ist der Anteil motorisierter Systeme noch vergleichsweise gering, aber wir sehen hier großes Potenzial. Deshalb arbeiten wir daran, Motorisierung zugänglicher zu machen - also einfacher integrierbar und optimal für unterschiedliche Anwendungen.
Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die für den Markt attraktiv sind und gleichzeitig einfach zu bedienen bleiben. Nicht jeder Kunde möchte ein komplexes Smart-Home-System installieren. Das Ziel ist, unterschiedlichen Kundengruppen die individuell passende Automatisierungslösung auch in Verbindung mit einem Smart Home System anzubieten. Mit passenden Lösungen für individuelle Anforderungen und Ansprüche können wir den Fachhandel in seiner Beratungskompetenz unterstützen. Mit unserer neuen Hybriden Bedientechnik haben wir eine Lösung geschaffen, die die manuelle Steuerung mit Motorisierung kombiniert Smart Home wird sicherlich ein wichtiger Bestandteil der Zukunft sein. Sonnenschutzsysteme können dabei eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel bei der Steuerung von Licht, Wärme oder Energieverbrauch. Die Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG), die sich für das optimale Zusammenspiel von Sonnenschutz, Glas und Fenster einsetzt, liefert hier auch wissenschaftliche Fakten.
BTH Heimtex: Hunter Douglas Components hat seinen Sitz von Kassel nach Bremerhaven verlegt. Welche strategischen Überlegungen standen hinter dieser Entscheidung?
Müller-Stüler: Die Verlagerung nach Bremerhaven ist Teil einer strategischen Neuorganisation mit dem Ziel, Kompetenzen stärker zu bündeln und effizientere Strukturen zu schaffen. Denn zusammen sind wir stärker als alleine. Bremerhaven ist ein zentraler europäischer Standort. Die Verlagerung des Vertriebs dorthin unterstützt das Ziel, Entwicklung, Produktion und Vertrieb enger zu verzahnen, deshalb machte es Sinn, den Komponenten-Vertrieb an diesen Standort zu verlagern. Meine direkte Aufgabe ist der Vertrieb von Hunter Douglas und Benthin Produkten aus einer Hand. Dadurch entsteht für den Kunden eine deutlich größere Auswahl an innovationsstarken Lösungen.
Und wenn Entwicklung, Produktion und Vertrieb enger miteinander verbunden sind, entstehen automatisch Synergien. Informationen können schneller ausgetauscht werden, neue Produkte lassen sich schneller entwickeln und Entscheidungen können direkter getroffen werden. Gleichzeitig eröffnet diese Struktur neue Möglichkeiten im Markt. Der Vertrieb kann auf ein breiteres globales Portfolio zugreifen, von Komponenten über Stoffe bis hin zu kompletten Systemlösungen. Für den Kunden bedeutet das vor allem eines: hohe Innovationskraft und mehr Auswahl.
BTH Heimtex: Welche Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit Ihren Partnern und Kunden?
Müller-Stüler: Partnerschaft ist für uns ganz entscheidend. Neue Produktideen diskutieren wir früh mit unseren Kunden und setzen Innovationen in konkreten Projekten um. Die Einschätzung unserer Kunden ist für uns wichtig und daraus ergeben sich dann oftmals gemeinsame Projekte. Und gemeinsam lässt sich die Zukunft erfolgreich gestalten. Das ist für uns Partnerschaft! Neben Produktinnovationen bieten wir natürlich auch Marketingunterstützung und vieles mehr.
BTH Heimtex: Wenn Sie fünf Jahre in die Zukunft blicken: Woran möchten Sie gemessen werden?
Müller-Stüler: Für mich ist wichtig, dass wir durch die Transformation des Unternehmens noch besser werden und dass die Chancen, die sich in Partnerschaften entwickeln lassen, von allen genutzt werden. Wenn unsere Kunden sagen, dass wir ein zuverlässiger Partner sind und dass unsere Lösungen ihnen helfen, erfolgreich zu arbeiten, ist das für mich ein großer Erfolg.
BTH Heimtex: Und zum Schluss: Was wünschen Sie sich persönlich für Hunter Douglas und für die Sonnenschutzbranche für die Zukunft?
Müller-Stüler: Für Hunter Douglas wünsche ich mir, dass wir mit Augenmaß und im richtigen Tempo agieren und dass das neue Setup den Raum für neue Ideen und Produkte schafft. Die Herausforderungen im Markt sind größer denn je. Und genau deshalb wollen wir gemeinsam mit unseren Kunden mit Klarheit und Energie die nächsten Schritte gehen. Für die Sonnenschutzbranche wünsche ich mir vor allem, dass sie ihre Stärken behält. Sonnenschutz verbindet Funktion, Technik und Gestaltung auf eine sehr besondere Weise und leistet gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Raumklima und zur Energieeffizienz von Gebäuden. Wenn es uns gelingt, diese Vorteile noch stärker sichtbar zu machen, dann sehe ich eine gute Zukunft.
Die Fragen stellte Michael Fischer.Daten + Fakten Hunter Douglas
Hunter Douglas Components Zweigniederlassung der Hunter Douglas GmbH
Osterstader Straße 16
27572 Bremerhaven
Tel.: 0471/3 00 05 36-00
www.hunterdouglas.de
info@hunterdouglas.de
Geschäftsführer:
Mirko Müller-Stüler
aus
BTH Heimtex 04/26
(Wirtschaft)