Nachgefragt bei Michael Schmid, VDP-Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer Jaso/Trumpf

"Der Parkettmarkt wird sich 2026 seitlich entwickeln"


Vor einem Jahr kochte das Thema Antidumping-Zölle auf China-Parkett richtig hoch. Kurzer Rückblick: Wo stand die Parkettbranche damals?

Michael Schmid: Chinesisches Importparkett hatte zehn Jahre lang jedes Jahr etwa 20 % Zuwachs. Das Ergebnis war: Wir Parketthersteller in Deutschland und Europa haben massiv gelitten. Bei Eichenparkett hatten wir einen Rückgang von 47 %. Über 50 % des Marktangebotes kam 2024 aus China. Die Baukrise hat den Druck auf den Markt noch verstärkt.

Dann wurden die vorläufigen Strafzölle angekündigt und traten rückwirkend zum Oktober 2024 in Kraft. Hat sich das gleich niedergeschlagen?

Ja. Wenn wir uns den deutschen Markt im ersten Halbjahr anschauen, hat sich die Lage deutlich verbessert. Besonders bei der Dreischicht-Landhausdiele, da liegen wir bei einem Plus von 30 %. Im Handel sind die Lager leerer und viele greifen wieder häufiger zu heimischem Parkett. Aber ich will das nicht hochjubeln.

Und die anderen Produkte?

Bei Mosaik- und Zweischichtparkett kommt kein Zug rein. Zweischichtparkett leidet unter dem schwachen Wohnungsbau und natürlich fehlt für manche Hersteller auch das Birkensperrholz aus Russland, um günstigere Produkte anbieten zu können. Und bei Mosaikparkett macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Viele wollen auf der Baustelle nicht mehr schleifen, sondern es muss schnell gehen.

2024 haben die Chinesen knapp 6,8 Mio. m2 Parkett nach Deutschland importiert. Im ersten Quartal 2025 hat sich die Importmenge gegenüber dem Vorjahresquartal mehr als halbiert. Wie sah es nach der ersten Jahreshälfte aus?

Da dürften die China-Importe um rund 1,3 Mio. m2 zurückgegangen sind. Davon haben wir deutschen Hersteller aber nicht komplett profitiert. Wir haben nur rund 300.000 m2 hinzugewonnen. Dafür haben andere Lieferländer wie Österreich, Polen, Litauen und die Schweiz zugelegt.

Einige Marktbegleiter versuchen die Lücken, die das günstige Importparkett hinterlassen hat, mit erschwinglichen, alternativen Holzböden zu füllen, die allerdings nicht mehr unter die Parkettnorm fallen. Kann das eine Lösung sein, um den Kunden an den Werkstoff Holz zu binden - oder schiebt das das klassische Parkett nach oben raus zum Luxusgut, das für den Normalverbraucher unerschwinglich wird?

Grundsätzlich stehe ich "Parkett-Substitutionsprodukten" aus echtem Holz eher unkritischer gegenüber als erdölbasierten Substitutionen, sprich LVT bzw. Designbelägen. Der Endkunde wünscht sich etwas Natürliches in seinem Zuhause, also kann auch ein Furnierboden eine Alternative zum Parkett sein. Jedoch renovierbar und reparierbar bleibt dann eben wieder nur das Original - Parkett - auch wenn es einen Hauch teurer ist.

Gerade hat sich die Branche auf dem Branchentag Holz getroffen. Die allgemeinen Erwartungen für 2026 sind verhalten. Ihre auch?

Ja, es wird leider noch keinen wirklichen Turn-around geben. Ich denke, die Branche wird noch ein bis zwei harte Jahre erleben müssen. Die neu zu belegenden Bodenflächen sind einfach nicht da, daher wird der Markt sich eher seitlich entwickeln. Für unser Unternehmen Jaso/Trumpf, sprich Blackforest Woodfloors, sehe ich, dass wir mit unserem enormen Produktportfolio noch mehr Markt machen können. Und wir sehen weiterhin unsere Mission als zuverlässiger Partner für das Fachhandwerk.
aus Parkett Magazin 01/26 (Wirtschaft)