Wohnungsbau in Deutschland und Europa auf Talfahrt
Das Forschungs- und Beratungsnetzwerk Euroconstruct prognostiziert für 19Länder Europas bis 2025 einen zweistelligen Rückgang bei den Fertigstellungen im Wohnbau. Bei Nichtwohngebäuden erwarten die Experten zumindest leichte Steigerungsraten.Eingetrübte wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Zins- und Kostensprünge belasten die Bauwirtschaft in Europa und so hat das Forschungs- und Beratungsnetzwerk Euroconstruct seine Prognosen zur Entwicklung in 19 europäischen Ländern bis 2025 nach unten korrigiert. Für 2023 und 2024 erwarten die Experten jeweils ein Umsatzminus von rund 1 %. Während es vor allem im Tiefbau, aber auch im Nichtwohnbau - im Bestand wie im Neubau - insgesamt aufwärts gehen soll, ist der Wohnungsbau in den meisten Staaten derzeit auf Talfahrt: Für das laufende und das kommende Jahr wird insgesamt ein Umsatzrückgang von 3,6 beziehungsweise 3,2 % erwartet; im Wohnungsneubau liegen die Schätzungen bei Einbußen von 6,0 beziehungsweise 2,7 %.
Wohnbau:
Schlusslicht Deutschland
Bei den Wohnungsfertigstellungen ist die Entwicklung noch dramatischer: Lediglich in sechs der 19 betrachteten Länder werden 2023 mehr Wohnungen fertiggestellt als 2022. Stimmen die Prognosen, wären es im Vergleich 2021/2025 sogar nur fünf. Insgesamt reduziere sich die Zahl fertiggestellter Wohnungen in neu errichteten und bestehenden Gebäuden innerhalb von vier Jahren um 12,1 %. In erster Linie Frankreich, Polen, Schweden und allen voran Deutschland drücken die Bilanz.
Für Deutschland erwarten die Experten ein Minus von knapp 32 %. Gegenwärtig deute nichts auf eine wesentliche Aufhellung des Investitionsklimas hin. Während hierzulande 2022 noch 3,5 Wohnungen je 1.000 Einwohner errichtet wurden, sollen es 2025 nur noch 2,4 sein - der niedrigste Wert seit 2011. Europaweit werde dieser 2024 bei 3,3 liegen.
Nichtwohnbau:
Bildungssektor mit den besten Perspektiven
Aufwärts geht es im Nichtwohnubau, wenn auch langsam. Über alle 19 Länder hinweg wird nach Einschätzung von Euroconstruct die jährliche Wachstumsrate mit +2,1 % auch wieder jenseits der 1 %-Marke liegen. Allerdings verläuft die Entwicklung je nach Branche unterschiedlich. So führte der Boom im Onlinehandel in der Vergangenheit zu einer regen Bautätigkeit bei Lagergebäuden; die habe ihren Höhepunkt allerdings erreicht. Gleichzeitig resultiert aus der Krise im stationären Handel ein deutlicher Rückgang bei Handelsimmobilien. Ähnliche Tendenzen sehen die Marktbeobachter auch im Gastgewerbe, das nach der Pandemie teilweise beträchtliche Nachfragerückgänge zu verzeichnen hatte. Ein anderes Sorgenkind ist gegenwärtig der Bürosektor: Das Neubauvolumen liege 2025 vermutlich knapp 8 % unter dem Vor-Corona-Jahr 2019.
Am besten wird sich bis 2025 der Neubau von Bildungsgebäuden entwickeln, glauben die Experten. Hier kommen sowohl ein großer Sanierungs- und Modernisierungsbedarf als auch die Nachfrage nach zusätzlichen Lehrgebäuden in Folge von Zuwanderung und Binnenmigration zum Tragen. Der Bau von Industriegebäuden habe europaweit wieder zu alter Stärke zurückgefunden; der Abwärtstrend in Deutschland halte jedoch vorerst an.
aus
BTH Heimtex 09/23
(Bau)