Tapetenbranche kämpft gegen das Nachfragetief
Hersteller und Händler stellen sich der schwachen Tapetennachfrage mit verschiedenen Maßnahmen. Ein Schwerpunkt liegt auf attraktiveren Sortimenten. Die Branche geht aber davon aus, dass der Verbraucher auf mittlere Sicht wieder zur Tapete greift.Die negativen Auswirkungen der Inflation auf das Baugewerbe betreffen auch die Tapetenbranche. Sanken die Umsätze der Hersteller bereits 2022 um 11,2 % gegenüber dem Vorjahr, ist auch 2023 noch keine wesentliche Verbesserung in Sicht. Allerdings haben Handel und Industrie Maßnahmen ergriffen, um sich gegen die schwierige Lage zu stemmen. Die eine oder andere Firma signalisiert deshalb Optimismus - jedoch auf sehr verhaltenem Niveau. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von BTH Heimtex bei ausgewählten Anbietern.
Eine Restrukturierung und Neuausrichtung hat der Gummersbacher Tapetenhersteller und Marktführer A.S. Création auf den Weg gebracht. Trotz eines weiteren Umsatzrückgangs im ersten Halbjahr 2023 erreichte das börsennotierte Unternehmen dadurch zumindest eine Verbesserung seiner operativen Ertragslage.
Für das gesamte Jahr hält der Vorstand an seiner Prognose fest, die ein Umsatzniveau von 125 Mio. bis 134 Mio. EUR erwartet - nach heutigem Stand am unteren Ende des Korridors und damit auf Vorjahresniveau. Der Schwerpunkt der operativen Aktivitäten wird in den kommenden Monaten auf der intensiven Vermarktung neuer Artikel sowie der Weiterentwicklung des Sortiments liegen.
Von Kostenmanagement bis Neukundenakquise
Gebr. Rasch aus Bramsche hat auf die gesunkene Nachfrage nach Tapeten mit einem strikten Kostenmanagement und "unternehmerischer Disziplin" reagiert. "Zudem lassen wir nicht nach, attraktive Tapeten zu entwickeln und diese vor allem über Social Media direkt dem Endverbraucher zu präsentieren", betont Geschäftsführer Dr. Frederik Rasch und fügt hinzu: "Außerdem bemühen wir uns, Effizienzgewinne an den Markt weiterzugeben, um so die Inflationstendenzen in der Tapete abzumildern."
Um die Nachfrage zu stimulieren, hat die Marburger Tapetenfabrik aus Kirchhain mit der Lizenz "Gute Zeiten, schlechte Zeiten (GZSZ)" eine Kollektion auf den Markt gebracht, die von der erfolgreichen Fernsehserie inspirierte Designs anbietet. "Damit schaffen wir eine einzigartige Verbindung zwischen Unterhaltung und dem Wunsch, sich in der Inneneinrichtung zu verändern", ist Geschäftsführer Wolf Kappen überzeugt.
Auch Großhändler Schäfer Tapeten aus Gütersloh will mit "interessanten Tapetenkollektionen", Raumplanoptionen und Aktivitäten in den sozialen Medien den Blick stärker auf die Wandbekleidung lenken. "Und jederzeit Präsenz und Engagement bei unseren Fachhandwerks- und Fachhandelskunden zeigen", beschreiben Geschäftsführer Martin Schäfer und sein Sohn Cornelius ihre Vorgehensweise.
Erfurt & Sohn ist nach Aussagen von Marketingleiter Frank Seemann im engen Austausch mit seinen Handelspartnern und plant verstärkt Werbeimpulse sowie Sortimentserweiterungen. Zudem will der Wuppertaler Experte für überstreichbare Wandbeläge die Verbraucherinformation intensivieren.
Hersteller Erismann verbucht nach Angaben von Geschäftsführer Dietmar Everding bereits jetzt Erfolge durch den Ausbau von Listungen bei Großkunden sowie die Neuakquise von Key-Accounts im In- und Ausland. "Wir sind mit unserem bisherigen Geschäftsverlauf sehr zufrieden. Die Umsätze und die Auftragseingänge sind auf einem spürbar besseren Niveau als im vergangenen Jahr. Wir schauen daher zuversichtlich in die Zukunft", betont Everding. Weiteren Schub erwarten die Breisacher durch die neue Kollektion Fashion for Walls by Guido Maria Kretschmer.
Hoffen auf
weniger unsichere Zeiten
Marburger-Geschäftsführer Wolf Kappen gibt sich auf mittlere Sicht ebenfalls optimistisch. Er geht von einer leichten Abschwächung der Inflation aus, die sich seiner Meinung nach positiv auf die Kaufkraft der Konsumenten auswirken wird: "Dank eines guten Sortiments und einer klaren Ausrichtung ist uns nicht bange."
Dr. Frederik Rasch äußert sich ein wenig zurückhaltender. Für Herbst und Winter prognostiziert er für sein Unternehmen keine deutlichen Veränderungen. Vor allem der Heimatmarkt bereite ihm Sorgen, da es der wichtigste Absatzmarkt von Gebr. Rasch sei. Besser stünden Frankreich, Polen und Großbritannien da, während der Absatz in der Ukraine und Russland infolge des Kriegs eingebrochen sei. Aber der Geschäftsführer ist insgesamt auch sicher: "Sollten die volkswirtschaftlichen Kennzahlen positiver werden, wird der Konsument sich sicherlich wieder seine Lieblingstapete gönnen. Wir glauben, dass der Endverbraucher bald wieder Freude an der Wandgestaltung seiner Wohnung haben wird. Allerdings werden wir sicherlich nicht an das Niveau von 2019 anknüpfen können."
Von einer Delle spricht auch Frank Seemann. Aus dieser werde Erfurt gestärkt hervorgehen. "Wir laden unsere Partner ein, gemeinsam mit uns diesen Weg zu beschreiten", so der Marketingleiter.
Nach Ansicht von Martin Schäfer dürfte die Inflationsabschwächung zwar marginal sein. "Aber wenn der Knoten der Unsicherheiten sich auflöst, wird der Verbraucher auch wieder gerne investieren." Das Barvermögen "unter dem Kopfkissen" sei vorhanden.
| Cornelia Küsel
Foto/Grafik: Marburger Tapetenfabrik
"Dank eines guten Sortiments und einer klaren Ausrichtung ist uns für die Zukunft nicht bange."
Wolf Kappen, Geschäftsführer Marburger Tapetenfabrik

Foto: Marburger Tapetenfabrik

Foto/Grafik: Erismann
"Die Umsätze und die Auftragseingänge sind auf einem spürbar besseren Niveau als im vergangenen Jahr. Wir schauen daher zuversichtlich in die Zukunft."
Dietmar Everding, Geschäftsführer Erismann

Foto: Erismann

Foto/Grafik: A.S. Création
"Wir schätzen die mittel fristigen Zukunfts perspektiven von A.S. Création positiv ein."
Antonius Suskas, Tim Herder, Maik Krämer, Vorstand A.S.Création

Foto: A.S. Création

Foto/Grafik: Rasch
"Wir glauben, dass
der Endverbraucher bald wieder Freude an der Wandgestaltung haben wird."
Dr. Frederik Rasch,
Geschäftsführer Gebr. Rasch

Foto: Rasch

Foto/Grafik: Schäfer
"Wir zeigen Präsenz und Engagement bei unseren Fachhandwerks- und Fachhandelskunden."
Cornelius und Martin Schäfer, Geschäftsführer Schäfer Tapeten

Foto: Schäfer

Foto/Grafik: Erfurt
"Wir laden unsere Partner ein, gemeinsam mit uns diesen Weg zu beschreiten."
Frank Seemann, Marketingleiter bei Erfurt & Sohn

Foto: Erfurt
aus
BTH Heimtex 10/23
(Tapeten, Wandbeschichtungen)