Deutscher Parkettmarkt von 2010 bis heute

"Die europäischen Parketthersteller werden wieder gewinnen"

Seit 2010 hat sich die deutsche Parkettwelt eklatant verändert. Die nackten Zahlen ernüchtern: In diesem Zeitraum ist der Markt um ca. 38 % geschrumpft, die Inlandsproduktion hat sich mehr als halbiert, chinesische Parkettimporte dominieren. Eine Betrachtung der Entwicklung der letzten 15 Jahre.

2010 bis 2021: Wechselvolle Marktentwicklung, Inlandsproduktion schrumpft

2010 war der deutsche Parkettmarkt nach der erfolgreichen Phase der späten 1990er und beginnenden 2000er Jahre auf einem Niveau von knapp 20 Mio. m2 angelangt. Die inländische Produktion lag bei ca. 11 Mio. m2, die Gesamtimporte um 15 Mio. m2, wiederum exportiert wurden an die 6 Mio. m2. Der damalige Anteil chinesischer Parkettimporte wurde auf 9,6 % geschätzt, das entspricht einer Menge von gut 1,9 Mio. m2.

Bis 2012 expandierte der Markt, weitgehend getrieben von den Importen, denn die Inlandsproduktion stagnierte, ebenso der Export. Nach dem vorläufigen Peak 2012 sackte der Markt ab auf einen ersten Tiefstand 2018 mit ca. 15 Mio. m2, um sich dann wieder zu erholen und im Zuge des Corona-Booms bis 2022 erneut auszuweiten auf ca. 18 Mio. m2 . Die deutsche Parkettindustrie profitierte allerdings nicht davon, denn die Inlandsproduktion flachte sukzessive weiter ab auf knapp 7 Mio. m2. Hingegen nahm der Import kontinuierlich zu und überholte 2015 im Volumen den Inlandsmarkt. Das sollte auch so bleiben, was bedeutet, dass ein nicht unerheblicher Teil der Importprodukte wieder exportiert wird, also Deutschland als Drehscheibe für Handelsware fungiert. Der Export wies mit einem kleinen Knick in den Jahren 2019 und 2020 von 2014 bis 2021 eine leichte, doch stetige Zunahme auf.

2022 bis 2023: Die Blase platzt,
der Markt im freien Fall

Nachdem Europas Parkettindustrie 2021 ein Rekordjahr erlebt hatte, in der sie gar nicht wusste, woher sie genügend Rohstoffe für die hohe Nachfrage beziehen sollte und sich auch 2022 vielversprechend anließ, endete im Februar jäh der Parkettboom. Russland fiel in der Ukraine ein und schnitt damit die Lieferketten für Eiche ab. Bis dato hatte der Anteil von Eiche aus der Ukraine, Russland und Belarus an der Gesamtversorgung der europäischen Parkettproduktion ca. 40 % betragen; allein die Ukraine stand für über 30 %. Wobei die Ukraine nicht nur Rundholz geliefert, sondern auch Brettware gesägt und Deckschichten aufgetrennt hatte. Schon zuvor war Eiche rar und teuer gewesen, da höchst begehrt, nicht nur von der Parkettindustrie. Doch als nach der russischen Invasion in der Ukraine - zunächst - keine Eiche mehr über die Grenzen gelangte, spitzte sich die Situation noch weiter zu. Einige europäische Parketthersteller mussten aufgrund der Versorgungsprobleme Force Majeure anmelden.

Fieberhaft versuchten die Einkäufer, andere Holzquellen zu erschließen. Die Preise für Eiche explodierten. Von Woche zu Woche wurde neue Preise aufgerufen, langfristige Lieferkontrakte? Keine Chance. Die Parkettproduzenten standen vor der Wahl, entweder Extrempreise zu zahlen oder nicht fertigen zu können. Das war noch nicht alles: Auch die Nadelholzpreise schossen wieder nach oben. Und andere Rohstoffe wurden knapp, wie russisches Birkensperrholz (für Zweischicht-Parkett), das unter die EU-Sanktionen fiel. Lack, Öl, Klebstoffe - alles wurde teurer. Die Energiekosten eskalierten.

Die nachfolgenden Marktstufen waren zunächst noch nicht betroffen. Noch war Nachfrage da, noch hatte der Holzhandel seine Läger gefüllt und konnte sie bedienen, blickte jedoch schon mit Sorge auf die zweite Jahreshälfte 2022. In China liefen die Anlagen derweil ungebremst weiter. Zwar gaben die Ausfuhren Richtung Europa zum Sommer 2022 hin etwas nach, doch als die Situation für die Europäer immer prekärer wurde, schnellten sie im August/September in ungeahnte Höhen - bis zum Monatsrekord von 33 Mio. EUR im Wert und 1,3 Mio. m2 in der Menge.

Das Fatale war, dass das vergrößerte Parkettangebot auf eine schwindende Nachfrage traf, die dann der Einbruch am Bau, die Energiekrise, die hohe Inflation und die steigenden Zinsen nahezu völlig abdrosselte. Ein deutscher Hersteller erinnert sich: "Die Importe kollabierten, viel stärker als der Markt. Die Läger waren voll, ein Großteil der Lagerbestände überteuert." Aber es floss nichts mehr ab. "Da ging es gar nicht um Ertrag, sondern um Liquidität."

2023 besserte sich die Lage nicht, im Gegenteil. Die Industrie versuchte, die Krise mit individuellen Maßnahmen durchzustehen, gleichzeitig suchte sie den Schulterschluss gegen außereuropäische Konkurrenz und formulierte die Forderung nach mehr Schutz und Unterstützung gegen Verzerrungen im globalen Wettbewerb. Auf der Generalversammlung der FEP, des Verbandes der Europäischen Parkettindustrie, im Juni 2023, wurde erstmalig offen ein Anti-Dumping-Verfahren gegen chinesische Parkettimporte diskutiert.

Es gibt aber auch Stimmen, die die Marktprobleme der Europäer noch aus einer anderen Perspektive heraus beleuchten: "Natürlich ist es nicht akzeptabel, wenn höchst subventionierte Produkte nach Europa kommen und dann fast chancengleich betrachtet werden", sagt etwa Klaus Brammertz, viele Jahre lang CEO der Bauwerk Group und heute Aufsichtsratsmitglied der international agierenden Gruppe. "Doch aus dem Wettbewerb getrieben hat uns die eklatante Verteuerung des Rohstoffs. Parkett kostet heute 30 bis 35 % mehr als vor der Corona-Pandemie und damit haben wir gewisse Mittelstandsbereiche verlassen."

2024: Anti-Dumping-Verfahren
gegen China-Parkett eingeleitet

Auch 2024 blieb schwierig, die Nachfrage schwach, der Absatz niedrig, entsprechend hoch der Preisdruck. Die Anti-Dumping-Initiative gegen China-Parkett nahm Fahrt auf. Nach einer Beschwerde der FEP, hinter der federführend einige große europäische Hersteller standen, leitete die Europäische Kommission im Mai eine entsprechende Untersuchung ein. Gegen-Argumentationen seitens großer Absatzmittler chinesischen Parketts blieben ergebnislos. Schnell zeichnete sich die Einführung von Antidumping-Zöllen als wahrscheinlich ab. Fraglich war nur die Höhe. Ab Oktober 2024 trat eine Registrierungspflicht für Container in Kraft, wenig später kündigte die EU vorläufige Antidumping-Zölle ab Mitte Januar 2025 an. Seitdem ist China-Parkett mit - vorläufigen - Strafzöllen zwischen 42,3 und 49,2 % belegt.

Bringt das nun den Effekt, den sich die Initiatoren erhofft haben? Branchenplayer sagen, dass schon im zweiten Halbjahr 2024 Auswirkungen zu spüren waren, ohne diese genauer beziffern zu können. Finale Zahlen zur Entwicklung des deutschen Parkettmarktes 2024 lagen bis Redaktionsschluss noch nicht vor, aber valide Schätzungen, die von Ende November 2024 datieren. Daraus ließen sich noch keine unmittelbaren Konsequenzen ablesen, denn die Inlandsproduktion verharrte mit 3,9 Mio. m2 weiter auf der Talsohle, während die Importe leicht zugenommen haben auf 14,8 Mio. m2 und sich der Export bei 6,3 Mio. m2 stabilisiert hat. Positiv zu vermelden ist jedoch, dass der Parkettabsatz in Deutschland seinen Tiefpunkt überwunden und wieder leicht angezogen hat auf 12,3 Mio. m2. Signal für eine Trendwende? Das wird sich zeigen.

Festzuhalten bleibt aber auch, dass China-Parkett 2024 seine Position hierzulande weiter ausgebaut hat und nun mit einem Anteil von 52,7 % den deutschen Markt dominiert. Die Verhältnisse am europäischen Markt (88 Mio. m2) schätzen Branchenkenner ähnlich ein, mit länderindividuellen Abweichungen. Importwert und -menge chinesischen Parkett driften hingegen auseinander, was den Druck auf den Markt erhöht. So lag der Durchschnittspreis ab Container 2022 bei 24,60 EUR/m2, 2024 nur noch bei 19,96 EUR/m2, das sind knapp 19 % weniger. Die hiesige Industrie ist davon weit entfernt. "Für 20 EUR können wir nicht mal die Komponenten einkaufen, von der Fertigung ganz zu schweigen", sagt einer nüchtern. Die exorbitanten Kalkulationsunterschiede ließen sich weder mit besseren Holzeinkaufspreisen der Chinesen erklären, die teilweise sogar mehr bezahlen würden als europäische Verarbeiter, noch mit einer höheren Ausbeute der Sägewerke, sondern beruhten zu großen Teilen auf Subventionen des chinesischen Staates in lokale Industrien und steuerpolitischen Maßnahmen wie der Mehrwertsteuer-Rückerstattung.
2025: "Rein rechnerisch Potential für den Absatz von europäischem Parkett verdoppelt"

Wie geht es nun weiter - vor dem Hintergrund der Strafzölle und eines immer noch fragilen Marktes? Klar dürfte sein, dass sich die Antidumping-Maßnahmen nicht nur relevant auf den deutschen, sondern den europäischen Markt auswirken werden. Genauso sicher ist, dass China-Parkett nicht vom Markt verschwinden wird. Auch wenn sich einzelne Anbieter aus Europa zurückziehen könnten, werden andere Lösungen suchen, sich auf die veränderte Situation einzustellen. Ganz abgesehen davon, dass China auch juristische Wege gegen die Strafzölle beschreitet.

Teilweise wurden schon Produktionen nach Südostasien verlagert oder sich in osteuropäische Werke eingekauft. Dann fehlen allerdings die finanziellen Vorteile der Fertigung in China. Die Erschließung neuer Lieferwege über Nicht-EU-Länder wie die Schweiz, Serbien oder die Ukraine, um die Strafzölle zu umgehen, ist eine weitere Option, aber keine echte Lösung, da die EU das im Vorwege mitbedacht und im Auge hat.

Tatsache ist: Etliche Millionen Quadratmeter bisheriger Parkettabsatz in Europa stehen zur Disposition und werden sich neu verteilen, das Preisgefüge von Parkett wird sich verändern, die Einstiegspreislagen weiter nach oben verschieben. Stellt sich die Frage: Wie viele von den bisherigen Parkett-Quadratmetern bleiben Parkett? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Parkett einiges an Absatzvolumen verlieren wird.

Bernhard ter Hürne beispielsweise schätzt, dass der europäische Parkettmarkt durch die Antidumping-Zölle zwischen 10 und 15 Mio. m2 schrumpfen wird. "Was es letztlich für den Markt bedeuten wird, hat auch damit zu tun, wie gut wir als Parkettindustrie dafür sorgen können, dass ein bisheriger Parkettkäufer ein Parkettkäufer bleibt." Und wie wie es der europäischen Parkettindustrie gelinge, Parkett in seiner Erlebbarkeit, seiner Qualität aufzuwerten, damit der Konsument das höhere Preisniveau akzeptiert. Grundsätzlich pessimistisch ist er jedoch nicht, im Gegenteil: "Rein rechnerisch hat sich das Potential für den Absatz von europäischem Parkett verdoppelt. Ich glaube auch, dass die europäischen Parketthersteller gewinnen werden."

Quellen: VDP, FEP, Statistisches Bundesamt
"Die europäischen Parketthersteller werden wieder gewinnen"
Foto/Grafik: Quellen: VDP, FEP, Statistisches Bundesamt
Chinesische Parkettimporte
aus Parkett Magazin 04/25 (Bodenbeläge)