Worauf legen Sie Wert bei der Gestaltung Ihres Ladens?
Beim Rundgang auf der Euroshop haben wir uns gefragt, worauf unsere Leserschaft bei der Ausstattung ihrer Geschäfte den Fokus richtet. Technik spielt bei den meisten (noch) keine große Rolle. Die individuelle Note und das haptische Erleben hingegen schon."Der Laden spiegelt meinen persönlichen Stil wider"
Maximilian Lang, Raumausstattung Lang
"Mir ist wichtig, meinen Laden so zu gestalten, dass er meinen persönlichen Stil widerspiegelt und die Werte transportiert, für die ich als Handwerksmeister stehe: Qualität, Langlebigkeit und individuelle Lösungen für die Wünsche meiner Kundinnen und Kunden. Entsprechend sorgfältig habe ich meine Lieferanten ausgewählt. Ihre Produkte - etwa Stoffmuster - finden sich heute auch in meinem Schaufenster wieder, dessen Gestaltung ich je nach Jahreszeit anpasse. Eine überladene Präsentation kann die Kreativität der Kundschaft einschränken. Daher bleibe ich meinem klaren, modernen Stil treu und lege Wert auf eine inspirierende, aber nicht dominierende Ladengestaltung, die Raum für eigene Ideen lässt."
"Atmosphäre als Verkaufsargument"
Angelika Wölfl, Wölfl Raumausstatter
"Für uns steht die Atmosphäre als Verkaufsargument im Vordergrund. Bodenbeläge sind haptische Produkte; sie müssen im Raum wirken. Unser Showroom wurde daher zusammen mit der Firma Jordan, unserem Partner in Sachen Bodenbeläge, geplant und umgesetzt. Wir setzen hier auf Großmuster und wohnliche Kojen. Unser Ziel ist es, dass der Kunde nicht nur ein Produkt sieht, sondern ein fertiges Raumgefühl erlebt. Ein weiteres Highlight ist die enge Zusammenarbeit mit MHZ. Das Unternehmen hat in unseren Räumlichkeiten einen eigenen Bereich gestaltet, der durch ein spezielles Lichtkonzept perfekt in Szene gesetzt wird. Hier können unsere Kunden die neuesten Innovationen im Bereich Sicht- und Sonnenschutz unter realitätsnahen Bedingungen erleben. Um unseren Kunden noch mehr Inspiration für ihr Zuhause zu bieten, haben wir expandiert: In unserem kürzlich neu eröffneten Möbel-Showroom präsentieren wir handverlesene Stücke und Einrichtungskonzepte.
In der Ausstellung setzen wir aber auch verstärkt auf digitale Visualisierungstools. Es hilft Kunden ungemein, den Wunschboden per Tablet direkt in ein Foto ihres eigenen Wohnzimmers zu projizieren. Das schafft Entscheidungssicherheit, die ein kleines Handmuster allein nicht bieten kann."
"Wir investieren 40.000 EUR in eine Beratungs-KI"
Marc Burkhardt, Behrens Raumausstattung
"Die Ausstellung ist das Markenzeichen. Es gibt nur eine Chance den Kunden innerhalb von Sekunden zu fassen. Er muss das Gefühl haben, dass er gar nicht woanders hin braucht. Er muss sich wohlfühlen und bei kompetenter Beratung seinen Latte Macchiato trinken können. Nur dann können wir den Kunden binden und überzeugen von uns und der Marke Behrens. Nur dann wird der Kunde bereit sein, für top Verarbeitung und Qualität mehr Geld auszugeben.
Es gibt gute Shopsysteme die unterstützen, trotzdem sollte die eigene Behrens-Handschrift erkennbar sein. Es sind manchmal Kleinigkeiten die es ausmachen: die alle vier Wochen wechselnden Pflanzen oder Dekoartikel, sowie der jährliche Umbau, der mindestens 20 % der Ausstellung erneuern muss. Unser Schautag an jedem Sonntag von 13 bis 17 Uhr schafft es immer, 15 bis 45 Kunden ins Geschäft zu holen; das bestätigt uns in unserer Arbeit, was die Ausstellung angeht.
Wir nutzen acht Fernsehgeräte, um auf einige Produkte aufmerksam zu machen. Diese Videos lassen wir uns selber computergestützt bauen. Es läuft im Hintergrund immer ruhige Loungemusik, aus zwölf Sonos-Boxen, um eine gute Verteilung hin zu bekommen. Seit Monaten arbeiten wir an einer Beratungs-KI: Jedes Produkt bekommt sein eigenes Pad mit einer Verkäuferin als bewegte Abbildung. Der Kunde kann sich so beraten lassen, auch wenn alle Verkäufer besetzt sind und auch am Sonntag, wo ja keine Beratung und Verkauf stattfinden darf. Hier investieren wir ca. 40.000 EUR, um dieses Thema nach vorne zu bringen und auch möglichst am Ende des Jahres laufen zu haben."
"Technische Hilfsmittel spielen keine große Rolle"
Andreas Schmitt, Raum & Farbe Andreas Schmitt
"Die Ausstellung unseres Fachgeschäfts umfasst rund 300 m
2 und ist in verschiedene Themenbereiche gegliedert. Uns ist wichtig, dass Kundinnen und Kunden beim Betreten des Ladens direkt unterschiedliche Raumsituationen erleben. So können Materialien, Farben und Oberflächen nicht nur als Muster, sondern in einem wohnlichen Kontext wahrgenommen werden.
Im Mittelpunkt steht bei uns ganz klar die Beratung. Die Ausstellung soll Inspiration geben, gleichzeitig aber die Grundlage für ein persönliches Beratungsgespäch bilden. Deshalb setzen wir bewusst auf eigene Präsentationslösungen statt auf klassische Lieferantensysteme. Dadurch entsteht ein ruhigeres und stimmigeres Gesamtbild, das es unseren Kundinnen und Kunden leichter macht, sich zu orientieren.
Technische Hilfsmittel spielen in unserer Ausstellung bislang keine große Rolle. Wir arbeiten bewusst mit realen Materialien und großen Musterflächen, die direkt erlebt werden können.
Die Gestaltung unseres Ladens hat sich über die Jahre durchaus verändert. Früher waren große Schaufenster und Laufkundschaft prägender, heute arbeiten wir mit einzelnen Raumkojen, die unterschiedliche Wohnsituationen zeigen. Unser Ziel ist eine Kombination aus Ausstellung und Wohnraum. Wenn Kundinnen und Kunden Materialien in einer realistischen Umgebung sehen, fällt es ihnen häufig leichter, sich für ein Produkt zu entscheiden."
"Wir verzichten auf Lieferantenlösungen"
Pietro Maffucci, Schiess Wohntextil
"Unser Fokus liegt auf einem gut sortierten Produktsortiment. Die Ausstellung soll übersichtlich sein, ohne dass sich der Kunde überfordert fühlt. Wir bieten dem Kunden durch unsere zahlreichen Dekorationen viel Inspiration wie es aussehen könnte. Wir verzichten fast komplett auf Lieferantenlösungen."
"Eine Mischung aus Orientierung, Inspiration und Entscheidungsfreiheit"
Veronika Haller, Haller Raumgestaltung
"Wir merken einen klaren Trend hin zu einer fokussierteren Produktauswahl, sodass unsere Kundinnen und Kunden schneller und einfacher ihre Entscheidung treffen können. Bereits unsere Parkettabteilung ist klar strukturiert: Kundinnen und Kunden können in vier Schritten ihr Parkett selbst konfigurieren. Dieses Konzept wird sehr positiv wahrgenommen und erleichtert den Kaufprozess spürbar.
Auch in den anderen Abteilungen setzen wir zunehmend auf Gesamt-Kojen, in denen Raumgestaltung erlebbar wird. Gleichzeitig integrieren wir Stationen für Visualisierungen, damit Kundinnen und Kunden die Produkte direkt in ihren Räumlichkeiten sehen können - eine perfekte Mischung aus Orientierung, Inspiration und Entscheidungsfreiheit."
aus
BTH Heimtex 04/26
(Handel)