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EPLF: Laminatböden weltweit unter Druck

Türkei sorgt für Plus in Westeuropa

Die Situation am Laminatbodenmarkt bleibt infolge der weltweiten Wirtschaftskrise angespannt. Zwar spricht der Verband der Europäischen Laminatbodenhersteller (EPLF) für das zweite Halbjahr 2009 von leichten Aufwärtstendenzen in einzelnen europäischen Märkten. In der Summe blieben die Verkäufe der 21 Mitgliedsunternehmen aber hinter dem Vorjahresergebnis zurück - und das, obwohl inzwischen zwei absatzstarke türkische Hersteller dem EPLF beigetreten sind.

Die Zeiten zweistelliger Mengenzuwächse des recht jungen Bodenbelages Laminat sind vorbei. In einzelnen Märkten wie den USA oder Großbritannien hat es, verstärkt durch die globale Wirtschaftskrise, sogar deutliche Rückgänge gegeben. Ganz so schlimm fiel die Bilanz des EPLF-Vorsitzenden Ludger Schindler aber nicht aus: Um vergleichsweise moderate 4,4% ist die Absatzmenge der Verbandsmitglieder im Jahr 2009 zurückgegangen, von 462 auf 443 Mio. qm. Und zur Jahresmitte zeigt die Absatzkurve in einigen europäischen Märkten auch wieder leicht nach oben.

Zwei Aspekte dürfen bei der Bewertung dieser Zahlen allerdings nicht außer Acht gelassen werden: Erstens beziehen sich die Angaben ausschließlich auf die von den EPLF-Mitgliedern in Europa gefertigten Böden. Zweitens hat der Verband im vergangenen Jahr zwei neue Mitglieder aus der Türkei gewinnen können. Zieht man die 22 Mio. qm aus der Produktion von Yildiz Sunta MDF und Yildiz Entegre von der Gesamtmenge ab, ergibt sich ein Rückgang von 8,9%.

Deutschland bleibt größter Absatzmarkt

Überraschend positive Nachrichten gab es aus den westeuropäischen Kernmärkten: 285 Mio. qm bedeuten ein Plus von immerhin 5,6%. Allerdings dürfte auch diese Entwicklung primär den erstmals erfassten Absatzzahlen der Neumitglieder geschuldet sein, denn die Türkei wird in der EPLF-Statistik zu Westeuropa gezählt.

Deutschland bleibt mit einem leichten Plus auf 85 Mio. qm der größte europäische Einzelmarkt für die EPLF-Hersteller. 80% der Produkte werden hier über die DIY-Schiene abgesetzt. Immerhin bis zu 15% verkauft der Holzhandel. Lediglich 5% finden den Weg in den Bodenbelags-Fachhandel.

Auf Platz zwei der westeuropäischen Rangliste liegt nach wie vor Frankreich (39 statt bislang 40 Mio. qm), gefolgt von der neuen Nummer drei, der Türkei mit 36 Mio. qm. Auf den weiteren Rängen folgen Großbritannien (unverändert 33 Mio. qm), Niederlande (von 22 auf 21 Mio. qm) und dahinter Spanien (16 statt zuvor 18 Mio. qm).

Große Verluste in Osteuropa

Deutlich schlechter sei die Entwicklung in Osteuropa. Ein Jahr zuvor hatte Ludger Schindler noch ein Plus von 1,5% bilanzieren können, 2009 brach der Markt mit minus 25% regelrecht ein. Nur noch 97 Mio. qm konnten die EPLF-Mitglieder dort absetzen. Polen führt das Ranking in Osteuropa an und hat sich im Zuge der Krise relativ stabil verhalten. Russland musste aufgrund von Währungsverfall, Wechselkurs- und Devisenproblemen mit 17 Mio. qm (Vorjahr: 27 Mio. qm) einen dramatischen Absatzrückgang hinnehmen. Und auch Rumänien, das an dritter Stelle steht, verzeichnete mit 12 Mio. qm (Vorjahr: 18 Mio. qm) ein deutliches Minus. In Bulgarien, das vor der Krise auch zu den Wachstumsmärkten zählte, hat sich der der Absatz nahezu halbiert, von 6 auf etwa 3 Mio. qm.

Für Nordamerika und Asien gelten besondere Bedingungen. Beide Märkte werden größtenteils von regionalen Anbietern bedient - auch von EPLF-Mitgliedern, die vor Ort über Produktionsstätten verfügen. In Nordamerika blieb der Absatz in Europa gefertigter Produkte mit 36 Mio. qm im Vergleich zum Vorjahr gleich. Der größte Anteil entfiel auf den US-Markt, der um 1 Mio. auf 20 Mio. qm schrumpfte. Kanada konnte dagegen um 1 Mio. auf 16 Mio. qm zulegen.

Südamerika lag mit 11 Mio. qm (Vorjahr: 12 Mio. qm) am unteren Ende der Gesamtstatistik. Der Absatz verteilte sich größtenteils auf zwei Länder: Mexiko und Chile. Brasilien, oftmals als "der" südamerikanische Wachstumsmarkt bezeichnet, blieb zumindest im Hinblick auf den Laminatbodenabsatz weit dahinter zurück.

In Asien lag der Gesamtabsatz der europäischen Hersteller bei rund 8 Mio. qm. Dieser vergleichsweise niedrige Wert hängt mit der hohen Anzahl lokaler Anbieter zusammen, insbesondere in China.

In Afrika sind einzig die Märkte Südafrika und Ägypten für die EPLF-Mitglieder interessant. Die dortigen Absatzmengen waren mit 2 Mio. qm in etwa gleich hoch wie die in Australien und Neuseeland zusammen.

Junge Kundschaft im Visier

Damit das zarte Pflänzchen der sich erholenden Nachfrage auch weiter gut gedeiht, steht die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des EPLF ganz im Zeichen der wichtigen Themen Nachhaltigkeit von Laminatböden und der positiven Abgrenzung gegenüber anderen Bodenbelägen. Darüber hinaus plant der Verband für 2010 ein Projekt, um insbesondere junge Menschen an das Produkt heranzuführen. Schüler in Kunstkursen oder anderen Projektgruppen werden in Kooperation mit den Mitgliedsfirmen ihren eigenen Laminatboden entwickeln. Soziale Netzwerke wie Schüler-VZ sollen dem Projekt die notwendige Aufmerksamkeit sichern.
aus Parkett Magazin 02/10 (Wirtschaft)