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Interview des Monats mit Markus Dünkelmann, Geschäftsführer Project Floors

"Wir konzentrieren uns zu 100% auf Designbeläge"

Viele sprechen derzeit über die erfolgreichen PVC-Designbeläge, aber wenige finden so klare Worte wie Markus Dünkelmann, der geschäftsführende Gesellschafter von Project Floors. Das könnte an seiner langjährigen Erfahrung mit diesem Segment liegen: Seit 21 Jahren arbeitet er mit Designbelägen und vor 12 Jahren startete er mit Project Floors. Bodenleger profitieren bei dem reinen Designbelagsanbieter aus Hürth von klaren Aussagen bezüglich Verlegung sowie Reinigung und Pflege. Dass man sich als Partner des Handwerks versteht, ist bei Project Floors kein bloßes Lippenbekenntnis, sondern lässt sich im täglichen Handeln belegen.

FussbodenTechnik: Herr Dünkelmann, es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Designbelagsanbietern - was zeichnet Project Floors aus?

Markus Dünkelmann: Wir sind einer der Marktführer in diesem Segment und konzentrieren uns zu 100% auf Designbeläge. Unsere Produkte sind hochwertig, entsprechend zertifiziert und werden regelmäßig von unabhängigen Prüfinstituten geprüft. Wir haben eine klare Vertriebsstruktur und machen eindeutige Aussagen zu Technik und Verarbeitung - das kann man nicht von allen Marktbegleitern behaupten

Wir legen bei unserer Sortimentsgestaltung großen Wert auf Details und verfügen über top-aktuelle Kollektionen. Im Bereich der 0,55 mm Nutzschichten (unsere Medium Collection) bietet kein anderer Hersteller eine größere Auswahl an als wir. Unsere Verkaufshilfen und unser Musterservice sind dem Produkt entsprechend hochwertig und von unseren Kunden ebenso geschätzt wie unsere Seminare und Schulungen, die wir selbst und/oder in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und Großhändlern durchführen. Damit tun wir etwas für die Branche und für unsere Partner.

FT: Auch wenn der Fachverband der elastischen Belagshersteller (FEB) keine Zahlen herausgibt, so ist bekannt, dass Designbeläge immer noch boomen. Was sind die Ursachen dafür? Gibt es neben individueller Gestaltungsmöglichkeit, Strapazierfähigkeit und Pflegeleichtigkeit noch weitere Gründe für den Erfolg?

Dünkelmann: Immer neue Zielgruppen erkennen die Vorteile von Designbelägen und somit steigt der Bedarf. Sicherlich spielt auch die steigende Anzahl von Anbietern eine Rolle - Wettbewerb kann auch befruchtend sein. Auch der Großhandel hat seine Vermarktungsaktivitäten in den vergangenen Jahren verstärkt. Er setzt sich stärker mit dem Thema und sogar mit eigenen Kollektionierungen auseinander. Auch dort ist der Schulungsbedarf größer geworden. Früher gab es pauschal Schulungen zu Designbelägen. Heute stimmt man das Programm spezialisiert auf Health/Care, Hotel/Gastro oder Bildungswesen ab.

Als wir 1999 anfingen, haben wir uns gedanklich mit drei Wettbewerbern auseinander gesetzt. Heute gibt es mehr als 30, in welcher Form auch immer: als Hersteller, Händler und Anbieter. Dadurch ist die Wahrnehmung im Markt und beim Endverbraucher eine ganz andere geworden.

FT: Ist der Eindruck richtig, dass es immer mehr Trittbrettfahrer gibt, die von dem Erfolg von PVC-Designbelägen profitieren wollen und ihren Belag kurzerhand als Designbelag bezeichnen?

Dünkelmann: Ja, das sehe ich auch so. Mir ist es neulich bei der Recherche von Reinigungs- und Pflegeanleitungen aufgefallen, dass es auch CV-Beläge gibt, die von ihren Herstellern als Designbelag bezeichnet werden. Das ist natürlich schon ein bisschen Trittbrettfahrerei. Wir haben jahrelang das Problem gehabt, dass wir gar keinen Gattungsbegriff hatten. Wir haben erst Kunststoff-Designbeläge gesagt, heute LVT (Luxury Vinyl Tile, übersetzt Luxus Vinyl Fliese, d. Redaktion). Als Gattungsbegriff hat sich "Designbeläge" etabliert. Das war ein Automatismus, aber kein geschützter Begriff.

Wir haben bei Designbelägen Produkte mit so gut wie keiner Nutzschicht, mit selbstklebendem Rücken aus dem Baumarkt. Wir haben diverse Klickformate - mit Magnet, auf MDF und auf Eigenkonstruktion sowie selbstliegende Designbeläge - das hat ja mittlerweile auch gewisse Stilblüten getrieben. Man kann also Fragen nach der Marktgröße heute gar nicht mehr so einfach beantworten.

FT: Welche Belagsart verdrängen Designbeläge in erster Linie?

Dünkelmann: Ich denke vorrangig textile Beläge, Laminat, keramische Beläge und andere homogene PVC-Beläge.

FT: Kommen wir zu Ihrem Unternehmen Project Floors. Wie steht Ihr Unternehmen heute da? Wird Ihnen nicht manchmal schwindelig?

Dünkelmann: Schwindelig wird mir manchmal schon, das hat aber andere Gründe, z.B. bei der unterschiedlichen Preisgestaltung im Handel und im Objekt. Wir stehen sehr gut da, konnten unseren Umsatz 2010 um 20 % steigern. Wir haben Anfang des Jahres unsere neuen Objektkollektionen Medium und Premium sehr erfolgreich auf den Messen BAU und Euroshop präsentiert und wir arbeiten aktuell schon an weiteren Neuheiten.

FT: Hätte man Ihnen bei der Gründung 1999 diese rasante Erfolgsgeschichte prognostiziert, was hätten Sie damals gesagt?

Dünkelmann: Auch wenn es Sie vielleicht überrascht, ich habe es wirklich geglaubt. Ich war von dem Erfolg dieser Belagsgattung absolut überzeugt. Ich arbeite mittlerweile seit über 20 Jahren mit Designbelägen, allerdings haben sich die Dimensionen mittlerweile mächtig verschoben. Überrascht bin ich allerdings von der hohen Anzahl der Unternehmen, die sich heute mit Designbelägen beschäftigen. Das hätte ich in dieser Form nicht erwartet.

FT: Sie sind in den letzten Jahren deutlich zweistellig gewachsen und haben die Strukturen entsprechend angepasst. Was passiert, wenn das Wachstum nachlassen sollte?

Dünkelmann: Wir haben Umsatz und Absatz in den vergangenen vier Jahren weit mehr als verdoppeln können. Die Frage "Was tun Sie wenn" betrifft jedes Unternehmen bzw. jeden Unternehmer und stellt eine Herausforderung dar, der ich mich tagtäglich stellen muss. Die Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel, aber es ist noch reichlich Potenzial für weiteres Wachstum gegeben. Wir werden aber auch nicht übermütig werden, sondern stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Was unseren Personalaufbau betrifft, wollte ich immer den Aufbau eines Wasserkopfes verhindern. Die Devise hieß: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Wir haben beispielsweise nur einen Anwendungstechniker beschäftigt, aber das liegt auch daran, dass wir technisch sauber kommunizieren und wenig Reklamationsprobleme haben. Unser Anwendungstechniker macht in erster Linie Schulungen und Einführungen auf der Baustelle, d.h. er begleitet das Handwerk positiv.

FT: Wie groß ist Ihre Mannschaft mittlerweile und wie verteilen sich die Mitarbeiterzahlen auf die einzelnen Bereiche?

Dünkelmann: In Deutschland besteht unser Team aus etwas über 40 Mitarbeitern, davon 24 Mitarbeiter im Vertrieb mit Innen- und Außendienst. Der Rest verteilt sich auf Marketing, Buchhaltung, Anwendungstechnik, Service, Verwaltung und Lager.

FT: Ist ein Preisverfall ähnlich wie bei Laminat durch eine Überproduktion irgendwann unausweichlich und wie kann man gegensteuern?

Dünkelmann: Preiskorrekturen haben bereits stattgefunden. Gegen einen Preisverfall müssen Industrie, Handel und Handwerk gemeinsam ankämpfen. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass unsere Branche lernfähig ist.

FT: Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang "Designbeläge zum Klicken"?

Dünkelmann: Alle "Klick-Beläge" die der Endverbraucher letztlich selbst verarbeiten kann, gehören in den Baumarkt. Fachhandel und Handwerk sollten sich von derartigen Produkten distanzieren. Project Floors bietet nur professionelle Produkte für professionelle Abnehmer an, also keine "Klick-Produkte". Wir wünschen uns, dass wir für diese Haltung vom Handwerk "belohnt" werden, denn diese leben ja schließlich auch von der Dienstleitung "Verlegung" und müssen sich mit Ihren Sortimenten vom Baumarkt und DIY-Bereich abheben. Unsere Händler und Handwerker können schlicht und ergreifend nicht in einen Preiswettbewerb mit den Baumärkten treten. Das funktioniert nur über Qualität, Service und gute Lieferanten.

FT: Wie wichtig ist das Exportgeschäft für Project Floors?

Dünkelmann: Unser Exportanteil beträgt 32% und ist über die letzten Jahre relativ konstant. Aktuell laufen gerade Planungen, um neue Länder zu erschließen. Wir bauen z.B. gerade eine Struktur in Frankreich auf. Im Augenblick liefern wir in rund 20 Länder - in sehr unterschiedlichen Größenordnungen.

FT: Ich habe von Ihnen das Zitat gelesen: "Es zahlt sich aus, dass wir als Spezialist für Designbeläge in den letzten Jahren den Markt für diese Produkte aktiv mit gestaltet haben". Ist das Ihr Erfolgsrezept? Wie gestaltet man den Markt für Designbeläge mit?

Dünkelmann: Wir zählen ganz sicher zu den wenigen, die in diesem Bereich Seminare und Schulungen für Handel und Handwerk angeboten haben. Wir haben Pionierarbeit in Zielgruppen wie Health Care, Office oder Hotel und Gastro geleistet als andere noch dachten, Designbeläge kann man nur im Ladenbau verkaufen. Wir haben in Sachen Formate und Oberflächenprägungen eine Vorreiterrolle übernommen. Wir mussten uns bei unserer Kollektionsgestaltung nie an anderen orientieren, sondern umgekehrt.

FT: Sie haben Anfang 2011 neue Kollektionen vorgestellt - wodurch zeichnen sich diese aus?

Dünkelmann: Ja, unsere Medium Collection und Premium Collection haben wir im Januar 2011 neu aufgelegt. Die Medium Collection ist mit 84 Farben die größte im Markt befindliche Range mit 0,55 mm Nutzschicht. Unsere Premium Collection beinhaltet 45 Positionen, natürlich mit Schwerpunkt Holzoptik, aber auch einer in Struktur und Optik außergewöhnlichen Auswahl an Fliesen. Neben den Materialmustern haben wir eine Flächenfibel in die Musterbücher integriert, die alle Dekore als Flächenoptik präsentiert, um die Auswahl zu erleichtern - und das sehr, sehr nah an den Originalfarben der Fliesen und Planken. Jedes Dekor kann man sich so besser in der Fläche vorstellen.

FT: Wo werden die Beläge gefertigt und wie muss man sich die Entscheidungsfindung bei den Dekoren vorstellen? Wächst der Druck auf Project Floors durch neue europäische Fertigungsstätten der Konkurrenz?

Dünkelmann: Alle unsere Beläge werden bei unserem Mitgesellschafter in Taiwan unter Berücksichtigung aller notwendigen Normen und Anforderungen wie der Allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung (AbZ) und ISO 9001 produziert. Einmal im Jahr wird unsere Produktion von einem unabhängigen Institut geprüft. Die Dekorentwicklung findet fast ausschließlich bei uns in Deutschland statt.

Europäische Fertigungsstätten von Marktbegleitern gab es auch schon in der Vergangenheit. Es sind weitere hinzu gekommen, und es wird weitere geben. Wir fühlen uns gut aufgestellt, ohne den Wettbewerb aus den Augen zu verlieren.

FT: Die Designbeläge von Project Floors tragen das Ü-Kennzeichen, das in Deutschland Pflicht ist. Gibt es für Sie eine Möglichkeit, sich gegen Billiganbieter zu wehren, die keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung haben?

Dünkelmann: Ja, wir versuchen unsere Kunden über die rechtliche Relevanz des Ü-Kennzeichens zu informieren. Es gibt allerdings auch Billiganbieter mit Ü-Kennzeichen.

FT: Wodurch unterscheiden sich seriöse Designbelagsanbieter?

Dünkelmann: Unter anderem sicher auch durch das Führen des Ü-Kennzeichens und durch das Erfüllen weiterer Normen. Kommunizierte und gelebte Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt sollte ebenso eine Selbstverständlichkeit sein. Wir engagieren uns in Verbänden und Vereinigungen, die unsere Branche fördern und sehen uns als Repräsentant und Botschafter unserer Branche. Produkte von höchster Qualität, hochwertige Verkaufshilfen, ausgezeichneter Service und exzellente Lieferfähigkeit sind sicher weitere Kriterien.

FT: Oder anders herum gefragt: Was kann man als Verleger mit minderwertigen Designbelägen erleben?

Dünkelmann: Hier reicht die Zeit des Interviews nicht aus, um über die Vielfalt der Probleme zu berichten. Handwerker sollten generell bei der Verlegung von Designbelägen auf das Ü-Kennzeichen bestehen, weil sie ansonsten im Schadensfall alleine dastehen. Hier besteht es noch reichlich Aufklärungsbedarf. Es gibt Verleger, die eine Verarbeitung minderwertiger Produkte die berufliche Existenz gekostet hat.

FT: Sie sind 2007 dem Fachverband elastischer Belagshersteller (FEB) beigetreten. Wie profitieren Sie von dieser Mitgliedschaft?

Dünkelmann: Der FEB ist eine Gemeinschaft namhafter Hersteller von elastischen Bodenbelägen. Die bisher realisierten Projekte zeigen, dass der Verband auf einem guten Weg ist. Uns sind u. a. die internen Statistiken und der Meinungsaustausch sehr wichtig, aber auch der Dialog und die Zusammenarbeit mit den Fördermitgliedern tut uns gut.

FT: Was wünschen Sie sich vom FEB für die Zukunft? Gibt es noch Potenzial in der Verbandstätigkeit?

Dünkelmann: Ich wünsche mir eine noch bessere Wahrnehmung des FEB innerhalb der Branche und eine gesteigerte Zusammenarbeit mit anderen relevanten Verbänden und Experten. Gute und gelebte Netzwerke sind heute wichtiger denn je. Der FEB hat Potential. Die Zukunft wird zeigen, ob eine weitere Professionalisierung der Verbandsstruktur notwendig wird.

FT: Project Floors empfiehlt die Ersteinpflege nach der Verlegung der Designbeläge - warum? Und wie reagieren andere Anbieter und die Bodenbranche auf diese Forderung?

Dünkelmann: Wir empfehlen vornehmlich eine Ersteinpflege unserer Beläge im Objektbereich bzw. in Bereichen mit starker Frequentierung. Warum? Wir verstehen uns seit jeher als Partner des Handwerks und wollen die Kunden und Nutzer optimal und ehrlich beraten.

Die Aussage vieler Hersteller, dass elastische Bodenbeläge mit werkseitiger PU-Beschichtung nicht zusätzlich eingepflegt werden müssten, halten wir insbesondere im Objektbereich für falsch. Wir verstehen, dass viele Verarbeiter aufgrund der unterschiedlichen Aussagen irritiert sind, zumal sich einige Hersteller in ihren Pflegeanleitungen selbst widersprechen oder im "Kleingedruckten" Aussagen relativieren.

FT: Was sind Ihre Pläne für 2011?

Dünkelmann: Wir möchten unseren erfolgreichen Kurs 2011 fortsetzen und planen erneut 20% Wachstum. Das erste Quartal hat diese Steigerung bereits wieder nachgewiesen.

FT: Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen in 5 bzw. 10 Jahren stehen?

Dünkelmann: Wo wir in 5 oder 10 Jahren stehen, lässt sich in der heutigen Zeit nicht seriös beantworten. Es wird die eine oder andere technische Umsetzung von Designbelägen geben, weg von der klassischen Verklebe-Variante. Das kann ich aber momentan noch nicht einschätzen. Ich habe neulich ein Interview mit einem Marktteilnehmer gelesen, dass in drei oder vier Jahren der überwiegende Teil der Designbeläge leimlos verlegt werden wird. Da behaupte ich das Gegenteil. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass Project Floors in den kommenden Jahren überdurchschnittlich erfolgreich sein wird.

Project Floors im Überblick


Project Floors GmbH
Kalscheurener Straße 19
50354 Hürth
Tel.: 02233/96 87-0
Fax: 02233/96 87-10
E-Mail: info@project-floors.com
Internet: www.project-floors.com

Gründungsjahr: 1999
Mitarbeiterzahl: 40 (davon 18 Außendienst/Key Account)
Produkte: Kunststoff-Designbeläge
Kollektionen: Light Collection, Medium Collection und Premium Collection
Tochtergesellschaften/ Beteiligungen:
- Project Floors NZ Ltd.
- Project Floors UK Ltd.
Verbandsmitgliedschaft:
- FEB Fachverband der elastischen Bodenbelagshersteller (FEB)
- Deutscher Ladenbau Verband (dlv)
- Arbeitsgemeinschaft PVC und Umwelt

Geschäftsführender Gesellschafter: Markus Dünkelmann
Verkauf: Bernhard Wibbeke
Export: Alexander Rosenberger
Marketing: Marco Knop
Anwendungstechnik: Rainer Mees
Technische Leitung: Zoran Stopar
aus FussbodenTechnik 03/11 (Wirtschaft)