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EPLF: Interview mit Verbandspräsident Ludger Schindler

"In der Öko-Bilanz sind Laminatböden unschlagbar"


Der Fußbodenmarkt ist in Bewegung geraten. Neue Produkte im Bereich der so genannten "Designböden" gewinnen Marktanteile - wodurch vor allem Laminat und Textilbeläge substituiert werden. Welche Position vor diesem Hintergrund der EPLF einnimmt, schildert Verbandspräsident Ludger Schindler in dem nachfolgenden Interview.

Parkett im Holzhandel: Herr Schindler, wie stellen sich die europäischen Laminatfußbodenhersteller auf den neuen Wettbewerber LVT ein?

Ludger Schindler: Wir beobachten diese Entwicklung natürlich genau, und mehrere EPLF-Mitglieder haben diese Produktgattung ja auch im eigenen Portfolio. Preislich liegt das Segment der Vinylbeläge immer noch oberhalb der Laminatböden. Der Absatz steigt im Moment vor allem im Objektbereich. Aber unsere Laminatbodenhersteller können auf sehr überzeugende Alleinstellungsmerkmale der europäischen Laminatfußböden verweisen, die dank jahrzehntelanger Entwicklungsarbeit technisch ausgereift sind. Sie werden auch in Zukunft viele neue und kreative Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Darin liegt ein großes Potenzial. Und was wir von Seiten des EPLF immer wieder besonders betonen: Die in Europa produzierten Laminatfußböden haben eine ganz hervorragende Ökobilanz.

PiH: Sind die Themen "Ökologie und Nachhaltigkeit" denn tatsächlich ein Verkaufsförderer bei Laminatböden?

Schindler: Das Bewusstsein wächst, übrigens nicht nur bei Architekten oder Objekteuren, die bereits vielfach strenge Umweltauflagen in der Auswahl der Bauprodukte erfüllen müssen. Auch im privaten Hausbau oder bei der Renovierung zeichnen sich bei den Verbrauchern Umdenken und Wertewandel ab. Laminatböden sind nachhaltige Bauprodukte und erweisen sich damit über alle Lebensphasen hinweg als gute Wahl für die Kunden. Diese Faktoren tragen zur großen Beliebtheit bei den Endkunden bei, wie bereits unsere Marktstudie 2011 bestätigt hat. Damit die Verbraucher bei der Auswahl und beim Kauf sicher sein können, garantieren anerkannte Prüfsiegel die nachhaltige Herkunft der eingesetzten Holzrohstoffe und die Qualität der Produkte.

In der Fußbodenbranche nimmt der EPLF bei der Nachhaltigkeitsdebatte eine Vorreiterrolle ein. Das Ziel heißt, mehr Transparenz und Produktsicherheit für den Endverbraucher zu schaffen. Denn Laminat ist nicht gleich Laminat. Unsere Mitglieder investieren kontinuierlich in die Entwicklung innovativer und umweltschonender Produkte. Sie haben sich schon früh dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtet, neue Maßstäbe in der Umweltverträglichkeit ihrer Prozesse und Produkte gesetzt. Und sie haben sich für unabhängige Prüfkommissionen eingesetzt.

PiH: Wenn sich in Sachen Ökologie bei Architekten, Objekteuren und Verbrauchern ein Umdenken und Wertewandel abzeichnen, ist es kaum nachzuvollziehen, dass LVT-Böden Marktanteile gewinnen, da es sich größtenteils um PVC handelt?

Schindler: Der EPLF und seine Mitglieder wollen sich dadurch profilieren, dass sie über die Stärken und positiven Eigenschaften ihrer Laminatböden sprechen. Wir wollen uns ausdrücklich nicht dadurch profilieren, dass wir mit dem Finger auf andere zeigen.

PiH: Mit welchen Argumenten können die Laminatfußbodenhersteller denn in Sachen Umweltverträglichkeit die Verbraucher überzeugen?

Schindler: Europäische Laminatfußböden sind definitiv "nachhaltige" Hightech-Produkte: Sie sind regenerativ produziert, langlebig und komplett recycelbar. Sämtliche Bestandteile von Laminatfußböden werden bei allen EPLF-Mitgliedern ohne Zusatz von Pestiziden, chlororganischen Verbindungen und schädlichen Schwermetallen hergestellt, und sie sind frei von PVC und Weichmachern. Auf zertifiziertem Papier mit hohem Recyclinganteil werden die Dekore mit wasserlöslichen Farben gedruckt. Als Bindemittel kommen umweltverträgliche Harze und Klebstoffe zum Einsatz.

Auch wer die Optik seltener und exotischer Hölzer mag, kann sich diese ohne schlechtes Gewissen und ohne dem Waldbestand zu schaden als Laminatfußboden in die Wohnung holen. Die moderne Technologie macht es möglich, Laminatdielen in sehr authentischen Holzdekoren und natürlich wirkenden Porenbildern zu realisieren. Das gilt auch für die momentan sehr beliebten großformatigen Landhausdielen im All-Over-Druck in verschiedenen Breiten und mit unterschiedlichen Spielarten der beliebten Eiche-Optik - teils mit ausgeprägten Rissen und Ästen. Die Laminatboden-Kunden können auf diese Weise aus vielen kreativen Dekoren wählen, die angesichts der begrenzten Naturholz-Ressourcen sonst gar nicht am Markt verfügbar wären.

PiH: Stellt die Entsorgung ein Problem dar?

Schindler: Am Ende ihres langen Lebens sind Laminatböden ein vollkommen unbedenklicher Restmüll, der weder den Menschen noch der Umwelt schadet. Die Böden müssen keinesfalls als Sondermüll entsorgt werden - im Gegenteil: In zerspanter Form lassen sie sich in den Produktionsprozess zurückführen oder sogar als Kultursubstrat in der Landwirtschaft einsetzen.

PiH: Was unternimmt der EPLF zur Förderung der Nachhaltigkeit auf internationaler Ebene?

Schindler: Vertreter des EPLF-Arbeitskreises Technik wirken seit fast zwei Jahrzehnten europaweit und international aktiv in den offiziellen Normungsgremien mit, derzeit beispielsweise an der Revision der EN 14041. Deren Ziel ist es, Gefahrstoffe und Umweltaspekte in die CE-Kennzeichnung für Laminatfußböden zu integrieren. Dazu gehören vor allem Innenraumluftqualität, mögliche VOC-Emissionen oder als "gefährlich" eingestufte Substanzen.

Zu den Aufgaben der Gremien gehören ebenso alle notwendigen Änderungen zur Umstellung von der alten Bauproduktenrichtlinie BPR zur neuen europäischen Bauproduktenverordnung BauPVO. Seit 1. Juli 2013 sind auch die Teile der neuen BauPVO in Kraft, die für die Hersteller von Bauprodukten wesentlich sind. Damit gelten europaweit einheitliche Anforderungen an Bauprodukte. Auch das sorgt für mehr Transparenz und Sicherheit für die Verbraucher.

PiH: Welche konkreten Umweltdeklarationen stehen den Laminatbodenherstellern zur Verfügung?

Schindler: Der EPLF hat als einer der ersten Branchenverbände die Entwicklung der Umweltdeklarationen EPD (Environmental Product Declaration, Anm. d. Red.) angestoßen, die europaweit relevante, überprüfbare und vergleichbare Informationen zu Umweltbelastungen von Produkten liefern.

Bereits 2009 ist der EPLF dem IBU Institut Bauen und Umwelt beigetreten, der offiziellen EPD-Vergabestelle in Deutschland. Im selben Jahr wurden auch die ersten EPDs für direkt beschichtete, direkt bedruckte sowie HPL-Böden veröffentlicht. Diese EPDs speziell für Laminatböden hatte der EPLF gemeinsam mit dem Aachener TFI (Textiles & Flooring Institute) ausgearbeitet. Mittlerweile werden Produkte für den Innenausbau, die eine gute Ökobilanz haben und diese in spezifischen Umweltdeklarationen (EPD) nachweisen können, im Objektbau verstärkt eingesetzt.

Diese Umweltdeklarationen sind dabei so aussagekräftig, dass man theoretisch auch ein europaweit gültiges Umweltlabel für den Endkunden daraus entwickeln könnte.

Die EPDs bescheinigen den Laminatfußböden eine sehr gute Ökobilanz mit enorm positiven Werten bei Primärenergiebedarf und Treibhauspotenzial. Unter dem Aspekt Umwelt und Nachhaltigkeit haben unsere Hersteller also beste Argumente für das Produktmarketing von Laminatböden in der Hand. Und der EPLF wird sich gemeinsam mit den Mitgliedsfirmen auch in Zukunft dafür einsetzen, dass diese positiven Eigenschaften von Laminatfußböden deutlich herausgestellt werden.

In unserem neuen EPLF-Verbandslogo bringen wir die Alleinstellungsmerkmale von Europäischen Laminatböden genau auf den Punkt:

"Quality and Innovation made in Europe". Das ist unser Anspruch, und alle unsere EPLF-Mitglieder können damit selbstbewusst für ihre guten Produkte werben - und das weltweit.
aus Parkett im Holzhandel 04/13 (Wirtschaft)