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Moso: Interview mit D/A/CH-Vertriebsleiter Michael van Houten

Qualitätszeichen erleichtert Suche nach "grünen" Bambusprodukten


Der niederländische Bambusspezialist Moso hat nicht nur alle seine Produkte von der Technischen Universität Delft auf ihre CO2-Neutralität untersuchen lassen, sondern auch ein neues Label entwickelt, das offensiv kommuniziert wird: Green Premium. Mit dem neuen Label werden Platten, Furniere und Zweischichtböden geliefert. Wird diese Maßnahme im Markt honoriert? Um eine Zwischenbilanz baten wir D/A/CH-Vertriebsleiter Michael van Houten.

Parkett im Holzhandel: Herr van Houten, für welche konkreten Vorzüge steht das Etikett?

Michael van Houten: Wer nach wohngesunden Baumaterialien sucht, sieht sich einer Vielzahl von Etikettierungen gegenüber - das ist uns wohl bewusst. Wir wollen mit dieser Kollektion einen hohen Standard verdeutlichen und zumindest innerhalb unserer Produktpalette dem Fachmann und dem Bauherren eine klare Orientierung bieten. Alle Produkte, die dieses Label tragen, sind FSC zertifiziert, verhalten sich CO-neutral und entsprechen der E0-Normierung für formaldehydfreie Verleimung.

PiH: Formaldehyd ist nicht alles: Gibt es ein Zertifikat, das generell die Unbedenklichkeit der von Moso verwendeten Klebstoffe nachweist?

v. Houten: Wir haben unsere Böden von unabhängigen Instituten entsprechend der VOC-Richtlinien testen lassen. Alle Green Premium-Produkte erfüllen die Anforderungen in vollem Umfang. In Frankreich sind diese Bodenbeläge deshalb in der Klasse A+ eingestuft. Das ist die beste VOC-Klassifizierung. In Deutschland hat das Bremer Umweltinstitut die Moso-Produkte in die höchste Güteklasse eingestuft.

PiH: Darüber hinaus haben Sie die Delfter University of Technology beauftragt, eine offizielle Ökobilanz-Analyse nach ISO 14040 und 14044 durchzuführen. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass alle bewerteten Moso-Produkte - Bambusmassivparkett, Terrassendielen, Platten und Furniere - sich während des gesamten Lebenszyklus CO-neutral und besser verhalten. Zu diesem Ergebnis wäre man wohl auch bei den meisten Konkurrenzprodukten gekommen?

v. Houten: Wenn man über Bambus spricht, hört man häufig zwei kontroverse Ansichten, die für manche scheinbar nicht übereinkommen wollen: Für die einen - die Liebhaber - sind Bambusprodukte generell ökologisch und überzeugend nachhaltig.

Die anderen führen das Argument der Seefracht und des damit verbundenen Energieverbrauch ins Feld, die sich negativ auf die Ökobilanz auswirke.
Mit der Untersuchung haben wir den Beweis angeführt, dass zumindest die Moso-Bambusprodukte CO-neutral sind. Sowohl für Bambus- als auch für Holzprodukte anderer Hersteller können wir keine Aussage treffen. Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren eingehend mit dem Thema Ökologie, um die Produktion so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Unser Ziel ist es, unsere Ökobilanz stetig zu verbessern. Die Qualität unserer Produkte optimieren wir dadurch ebenfalls in genau dem gleichen Umfang. Wobei wir die Produkteigenschaften ganz klar entsprechend der Nachfrage und dem Kundennutzen entwickeln.

Die Ergebnisse unserer Maßnahmen gehen weit über die Anforderungen der EU hinaus. Wir nehmen in diesem Markt unbestritten eine Vorreiter-Rolle ein. Um zielgerichteter handeln zu können, arbeitet seit 2011 Dr. Pablo van der Lugt bei Moso. Er promovierte 2008 über die Öko-Bilanz von industriell gefertigten Bambusmaterialen. Viele Untersuchungen ,die Moso zu diesem Thema gemacht hat, wurden in Wissenschaftsmagazinen publiziert. Eine Publikationsliste steht auf Anfrage zur Verfügung.

PiH: Green Premium wurde 2011 eingeführt. Gibt es bereits Erkenntnisse, dass der Markt diesen Aufwand honoriert?

v. Houten: Sicher, der Bekanntheitsgrad über Green Premium und seine Bedeutung - FSC, EO und CO2-neutral - muss noch wachsen. Wir haben jedoch schon einige interessante Objekte umgesetzt, für die speziell unsere Green Premium-Produkte angefordert wurden. Der Venco Campus, ausgezeichnet mit bream excellent (Anm. d. Red: britisches Zertifikat, das die Umweltfreundlichkeit von Gebäuden charakterisiert.) ist ein Beispiel in den Niederlanden. Der Campus Palmas Altas, ein Business-Park im spanischen Sevilla, wurde von dem Architekten Richard Rogers nach den modernsten Maßstäben der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz geplant. Wir haben einen Doppelboden und Massivplatten für die Wandgestaltung geliefert, beides entspricht den LEED Plantinum-Anforderungen (Anm. d. Red: LEED = Leadership in Energy and Environmenta Design; wurde vom U.S. Green Building Council entwickelt, um ökologisches Bauen zu klassifizieren, wobei Platinum die höchste Einstufung darstellt.) Und in Deutschland hat beispielsweise die Südhessische Energie AG nach den Richtlinien des Green Building ihre Hauptverwaltung in Darmstadt gebaut. Hier wurde unser Zweischichtparkett als Hochkantlamelle verarbeitet sowie massive Density-Landhausdielen und Industrieparkett.

PiH: Lässt sich daraus ableiten, dass der Objektbereich besonders anspruchsvoll ist, wenn es um Ökologie und Nachhaltigkeit geht?

v. Houten: Im Objektsegment entwickelt sich sehr schnell das Bewusstsein zu Ökologie und Nachhaltigkeit und es wird intensiv nach ökologischen Bauprodukten gesucht. Beim privaten Wohnungsbau setzt sich dieses Bewusstsein hingegen langsamer durch. Diese Merkmale kennzeichnen alle westeuropäischen Länder gleichermaßen.

PiH: Wie entwickelt sich für Moso der Absatz in Deutschland und welche Absatzkanäle werden im Schwerpunkt bedient?

v. Houten: Der Absatz in Deutschland entwickelt sich sehr gut. Legen wir einen Zweijahreszeitraum zugrunde, verzeichnen wir ein zweistelliges prozentuales Wachstum. Wir bieten unseren Partnern im Holzhandel und im Bodenbelagsgroßhandel ein breites, hochwertiges Sortiment und achten darauf, dass alle Bodenbeläge vom Fachmann effizient verlegt werden können. In den Anfangsjahren haben wir sehr stark an unserem Service gearbeitet. Heute schätzen die Profis den direkten Kontakt zu unseren Anwendungstechnikern, sollte es zu Fragen bei er Beratung oder Verlegung kommen.

PiH: Wie groß ist eigentlich der Gesamtmarkt für Bambusböden in Deutschland und wie viele Anbieter gibt es?

v. Houten: Diese Frage können wir leider nicht genau beantworten. Es gibt auf dem Markt ein paar spezialisierte Bambusanbieter und einige Importeure, die Bambus als Nebenprodukt einkaufen bzw. führen. Zwischen diesen beiden Marktteilnehmern sollte man gut unterscheiden, denn in der Regel haben Importeure keinen Einfluss auf den Produktionsablauf und auf die Produktqualität.

PiH: Der Branchentag Holz und der Woodflooring Summit im Rahmen der Domotex werfen ihre Schatten voraus. Werden wir Moso auf einer dieser Veranstaltungen treffen?

v. Houten: Wir werden als Aussteller auf dem Branchentag Holz dabei sein und Anfang nächsten Jahres stellen wir auf der Swissbau aus. Konkreter können wir zu diesem Zeitpunkt nicht werden.


Moso in Kürze


Moso International BV
De Marowijne 43
NL-1689 AR Zwaag
Telefon: +31 (0) 229 / 26 57 32
Telefax: +31 (0) 229 / 26 77 59
eMail: info@moso.eu
Internet: www.moso.eu

Gründungsjahr: 1997
Mitarbeiterzahl: 50
Jahresumsatz: (2012) 18,3Mio.EUR
Geschäftsführung: René Zaal, Arjen Veltman
Vertriebsleitung D/A/CH: Michael van Houten
Manager Ökologie und Nachhaltigkeit: Dr. Pablo van den Lugt
aus Parkett im Holzhandel 04/13 (Wirtschaft)