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Mega: Interview mit Volker König und Ines Buchholz

"Bei uns haben auch Quereinsteiger eine Chance"


Die Mega stellt sich auf den drohenden Fachkräftemangel ein. Im Interview mit BTH Heimtex-Redakteurin Cornelia Küsel sprachen Vorstandschef Volker König und Bereichsleiterin Marketing Ines Buchholz über neue Wege bei der Mitarbeitersuche sowie die Ausbildungsangebote des genossenschaftlichen Unternehmens für Mitarbeiter und Kunden. Sehr beliebt sind neben den technischen Seminaren die Knigge-Kurse für Azubis.

BTH Heimtex: Alle reden vom Fachkräftemangel. Doch im Malerhandwerk, aus dem sich Ihre Mitglieder rekrutieren, wurde zumindest in der Vergangenheit über Bedarf ausgebildet. Ist das immer noch so?

Volker König: Heute ist das ganz sicher nicht mehr der Fall. Der Kampf um die jungen Leute nimmt deutlich zu. Wer sich am besten aufstellt gewinnt.

BTH Heimtex: Apropos Kampf um die besten Köpfe. Wenn Sie junge Menschen für die Ausbildung suchen, beschränken Sie sich dabei auf Schulabgänger oder haben auch Quereinsteiger eine Chance?

König: Unsere Personalentwicklungsabteilung ermittelt zunächst, welchen Bedarf wir in den Niederlassungen haben. Grundsätzlich ist es mir gleich, ob wir einen Umschüler oder einen Lehrling ausbilden. Das kann auch jemand sein, der aus dem Handwerk kommt und sich verändern möchte.

Insgesamt müssen wir uns von der Spezialisierung verabschieden. Ich würde jederzeit einen 55- oder 60-Jährigen einstellen, wenn er passt. Das ist auch eine Folge des demografischen Wandels.

Mit unserem deutschlandweiten Angebot für Vertriebstrainees haben auch Quereinsteiger die Chance, sich bei uns innerhalb des einjährigen Traineeprogramms für Vertriebstätigkeiten zu qualifizieren.

BTH Heimtex: Wo schreiben Sie die zu vergebenden Stellen aus?

König: Wir gehen direkt in Schulen. Unsere Personalentwickler haben mit den Lehreinrichtungen Kooperationen. Wir gehen inzwischen findiger, aktiver vor und schreiben selbst in unserer Kundenzeitung freie Ausbildungsstellen aus. Wir streben bei uns eine Ausbildungsquote von 8 bis 10 % an. Derzeit liegt sie bei 7 %.

BTH Heimtex: Sehen Sie den Trend zur akademischen Ausbildung als Problem an? Die duale Ausbildung leidet schließlich darunter.

König: Irgendwann wurde festgestellt, wir hätten im internationalen Vergleich in Deutschland zu wenig Akademiker. Also wurden alle Schüler in die akademische Ausbildung gedrängt.

In Deutschland wird häufig übertrieben. Davon abgesehen, sollte man sich den akademischen Werdegang genau ansehen. Es gibt eine Menge Hochschulabschlüsse, die nicht zu Wohlstand führen. Hingegen findet sich im Handwerk für ganz breite Schichten der Bevölkerung Entwicklungspotenzial. Darauf muss man stärker hinweisen. Der ZDH hat seine Kampagne schon umgestellt. Zensuren sind demnach nicht mehr so wichtig.

In unserer Tätigkeitsbeschreibung wird Wert darauf gelegt, dass der Bewerber für seine Aufgabe brennt. Hat er Lust, mit Menschen umzugehen? Ist er zuverlässig, freundlich? Darauf kommt es an. Wir müssen in Zukunft im Bereich der Ausbildungswege findiger werden.

Ines Buchholz: Wenn der Bewerber die Grundwerte besitzt, dass heißt, er kann sich anständig benehmen, bringen wir ihm alles andere bei. Ob es der Verkauf oder die Technik ist. Wir bilden ihn für sein Aufgabengebiet entsprechend aus.

Neu aufgelegt haben wir eine duale Ausbildung mit betriebswirtschaftlichem Studienabschluss an der dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). Wir suchen an allen Standorten der Mega Gruppe neben der klassischen Ausbildung auch duale Studenten, um das Bewerberpotenzial ganzheitlich auszuschöpfen. Damit steigern wir unter anderem die Attraktivität der Arbeitgebermarke Mega.

BTH Heimtex: Kommt denn ein Bewerber mit einem durchschnittlichen Zeugnis bei Ihnen bis ins Vorstellungsgespräch?

Buchholz: Ein Großteil ja. Da reagiert man aber nicht nur aufs Bauchgefühl. Man liest die Vita des Bewerbers, spricht mit ihm am Telefon. Allerdings führen wir keine Bewerbungsgespräch über Skype, sondern sprechen persönlich mit den Bewerbern. Das kostet zwar viel Zeit, aber man muss es tun, um auch diejenigen zu finden, die in der Schule vielleicht eine schlechte Phase hatten, aber ansonsten geeignet sind. Ob ein Bewerber qualifiziert ist, merkt man nur im persönlichen Gespräch.

BTH Heimtex: Die Mega bietet nicht nur ihren eigenen Mitarbeitern, sondern auch Kunden ein umfassendes Seminarprogramm an. Wie wird es angenommen?

Buchholz: Wir legen viel Wert darauf, dass wir mit unserem Seminarprogramm auch unseren Kunden helfen, Mitarbeiter zu binden und dafür zu sorgen, dass sie als Arbeitgeber interessant bleiben. Deshalb sitzen wir unter anderem einmal im Jahr mit den Vertretern der Maler- und Lackierer-Innungen Hamburg und Schleswig-Holstein zusammen und fragen, wo der Schuh drückt.

Dabei haben wir alle Gewerke unserer Branche im Blick. Wir bieten eine Seminar-Vielfalt, von der jeder Fachhandwerker profitieren kann - ganz gleich ob Maler, Bodenleger oder Stuckateur. Allein in Hamburg hatten wir im Frühjahr 600 Seminarteilnehmer - Tendenz steigend.

BTH Heimtex: Was sind aktuell die Seminar-Schwerpunkte?

Buchholz: Am stärksten besucht das Handwerk Seminare mit dem Schwerpunkt Technik. Darauf entfallen 70 % der Teilnehmer. Mit der Betriebswirtschaft tun sie sich dagegen schwer. Das Argument lautet dann: "Es braucht mir doch keiner zu sagen, wie das funktioniert. Das weiß ich doch."

Nachgefragt wird hingegen unser Azubi-Knigge, den wir mit der Innung Hamburg vor ein paar Jahren auf den Markt gebracht haben. Wenn Auszubildende in den Betrieben anfangen, ist der Kursus komplett ausgebucht. Die Innung Schleswig-Holstein hat das Thema nun auch aufgegriffen.

Es geht beim Knigge darum, dass die Auszubildenden über die grundlegenden Umgangsformen informiert werden, Dinge lernen, die ihnen im Elternhaus nicht beigebracht wurden. Sie stehen Tag für Tag als Vertreter des Handwerksbetriebs vor den Kunden. Da sind ein vernünftiges Erscheinungsbild und ein ordentlicher Umgangston das A und O. Zum Beispiel sollten sie höflich "Guten Tag" sagen sowie sich sauber und angemessen kleiden können.

BTH Heimtex: Haben die Handwerksbetriebe in diesem Bereich Bedarf?

Buchholz: Wenn sich ein Azubi beim Kunden schlecht benimmt, fällt das auf den Handwerksbetrieb zurück. Im vergangenen Jahr war der Grundlagenkursus in Hamburg schnell ausgebucht, so dass wir einen Nachrückerkursus angeboten haben, der ebenfalls komplett belegt war. Wir bieten inzwischen auch Arbeitsknigge für das zweite und dritte Ausbildungsjahr an, damit das Erlernte nicht so schnell vergessen wird. Diese Kurse waren im vergangenen Jahr ebenfalls ausgebucht. Übrigens: Die Maler- und Lackierer-Innungen Hamburg und Schleswig-Holstein übernehmen für ihre Mitglieder die Gebühren für die Azubi-Knigge-Kurse.
aus BTH Heimtex 12/14 (Wirtschaft)