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Imm Cologne

Die Branche hofft auf ruhigere Zeiten

Köln. Nach dem schwierigen Jahr 2018 war die Kölner Möbelmesse der erste Stimmungstest für die Matratzenhersteller. Die Branche weiß um die Herausforderungen, von schlechter Laune war an den Ständen indes wenig zu spüren. Im Gegenteil: Viele Unternehmen zeigten, dass sie sich strategisch auf wachsenden Preisdruck, Online-Wettbewerb und One-Fits-All eingestellt haben. Trotzdem fiel auf, wer in der Sleep-Halle 9 vertreten war - und wer nicht.

Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck, heißt es. Doch für die Sleep-Halle der Kölner Möbelmesse gilt das so nicht. Wer sich dort fragte, welche Mitglieder des Matratzenverbandes eigentlich als Aussteller vertreten sind, konnte leicht den Eindruck gewinnen, dass dies nicht sehr viele seien. Denn beim ersten Rundgang durch die Halle 9 fielen einige Veränderungen ins Auge. So fehlten Firmen wie Diamona oder Fey, deren angestammte Standplätze anderweitig vergeben waren. Schlaraffia kommt ohnehin nur alle zwei Jahre und war zuletzt in Halle 5 vertreten. Selecta und Werkmeister stellen in Köln nicht aus. Gleichzeitig fielen neue Aussteller aus Italien, den USA oder Schweden ins Auge, die das Gesicht der Halle 9 deutlich mit bestimmten. So wie das Thema Boxspring, das seit mehreren Jahren die Halle dominiert.

Doch das ist, mit Blick auf den Matratzenverband, nur ein Teil der Wahrnehmung. Denn zehn von 15 Unternehmen, die dem Verband angehören, waren selbstverständlich in Köln am Start: Die Branchenriesen wie Frankenstolz, die EuroComfort Group oder Tempur Sealy, aber auch Metzeler, Rummel, Akva und Auping sowie Hülsta und ErgoVital. Ein Querschnitt der Branche, ja. Aber: Aus Sicht des inhabergeführten Bettenfachhandels eindeutig zu wenig.

"Ich finde meine Lieferanten nicht in Köln", sagen mittlerweile immer mehr Händler, die sich den Weg in die Domstadt deshalb sparen und auch die absurd hohen Hotelpreise scheuen. Mit der Göttinger Leitmesse Schlafen des MZE und der ABK Open in Halle sind in den vergangenen Jahren zwei Verbandsmessen entstanden, die sich in puncto Aussteller-Vielfalt längst mit der imm Cologne messen können. Die Möbelmesse ist mit ihrer internationalen Ausrichtung und dank ihrer schieren Größe zwar immer noch unangefochtener Platzhirsch. Doch wer die Unternehmen mit der größten Verbreitung im Fachhandel sucht, wie sie das Haustex-Kundenbarometer alljährlich ermittelt, ist in Göttingen oder Halle mittlerweile besser aufgehoben. Röwa, Lattoflex, Werkmeister, Grosana, Optimo - solche Namen fehlen in Köln.

Stimmung und Frequenz
waren gut

Gleichwohl kann der Matratzenverband die Messe als einen erfolgreichen Startschuss in das Jahr 2019 bewerten: Trotz schwieriger Ausgangslage war die Stimmung an den Ständen gut und gerade am Dienstag und Mittwoch stimmte auch die Frequenz. "Für unseren Verband und unsere Mitglieder hat diese Messe einen sehr hohen Stellenwert und es ist mir ein wichtiges Anliegen, an der Fortentwicklung dieses Erfolgskonzepts in Zukunft aktiv mitwirken zu können," bilanzierte der neue Geschäftsführer Martin Auerbach. Er freue sich darauf, diese Kooperation mit der Koelnmesse fortzuführen.

Mit seiner Sleep Lounge in der Hallenmitte hat der Verband einen Branchentreffpunkt etabliert, der auch in diesem Jahr wieder viele Möglichkeiten des Austausches bot, die lebhaft genutzt wurden. Dank der aufgestellten Sessel und Sofas war die Lounge aber auch ein beliebter Ort, um zwischen den Besuchen der Aussteller auch mal kurz auszuspannen. Der Verband berichtete im Nachhinein von zahlreichen erfolgversprechenden und konstruktiven Branchengespräche.

So freut man sich am neuen Verbands-Sitz in Wuppertal beispielsweise nach dem Beitritt von Breckle zum Jahresbeginn, dass auch während der Messe Gespräche mit weiteren Unternehmen geführt werden konnten, die ebenfalls großes Interesse am Beitritt in den Matratzenverband bekundet haben. Breckle aus Northeim war bereits bis 2012 Mitglied. Die jetzt erfolgte Rückkehr in den Verband sei ein Beweis dafür, dass die Verbandsarbeit auch über den Kreis der Mitglieder hinaus wertgeschätzt werde, hieß es im Nachgang zur Messe.

Die Sleep Lounge bot auch den Rahmen für die alljährliche Party meet@sleep. Sie bildete in diesem Jahr mit der Verabschiedung von Dr. Ulrich Leifeld als scheidendem Geschäftsführer einen besonderen Höhepunkt. Sowohl der Verband als auch das Team der Koelnmesse dankten Leifeld für seine engagierte Arbeit in den zurückliegenden 13 Jahren. "Nicht zuletzt hat er in dieser Zeit dazu beigetragen, mit einem klaren Bekenntnis zur imm Cologne als Leitmesse der deutschen Matratzenhersteller die Halle 9 zu ihrem jetzigen Erfolg zu führen", betonte der Verband.

Und noch eine positive Nachricht gab es aus dessen Sicht zu vermelden. Einem der Mitglieder, nämlich dem dänischen Wasserbettenhersteller Akva, ist mit seiner neuen Linie "Re" für nachhaltige Latexmatratzen und Betten eine beachtliche Premiere gelungen: Mit seinem Bett Alken hat Re als erster Aussteller aus Halle 9 den "Iconic Award: Innovative Interior" gewonnen. Auch dies galt es bei der Messeparty zu feiern, deren Catering allerdings nicht alle Gäste glücklich machte. Doch eine Messe ist schließlich in erster Linie fürs Geschäft da.

Preisdruck
zwingt zum Umdenken

Und das war, trotz aller guten Stimmung an den Ständen, das eigentliche Thema in Köln. 2018 war, wenn man es freundlich ausdrücken wollte, ein schwieriges Jahr. "Die Branche hat im letzten Jahr eins aufs Haupt bekommen", stellte Thomas Bußkamp fest, CEO der EuroComfort-Gruppe und Vorstandsvorsitzender des Matratzenverbandes. Der Verkaufserfolg von Bett1.de und das gesamte Thema One-fits-all werden auch das laufende Jahr nicht einfacher machen. Und auch der Preisdruck steigt. Ein Unternehmen wie Metzeler geht hier seinen eigenen Weg: Konsumiger zu werden mit hochwertigen Produkten war das Ziel, sechs neue Matratzen in zwei Serien in einem niedrigeren Preissegment das Ergebnis, das in Köln präsentiert wurde. "Damit ist es uns gut gelungen, auf die Marktsituation zu reagieren", unterstrich Geschäftsführer Peter Hammer in Köln.

Das ist eine Strategie. Eine andere präsentierte die Bettzeit Gruppe, die erstmals auf der Möbelmesse vertreten war und über Mangel an Zuspruch nicht klagen konnte. Auf dem Platz, der bislang von Fey im Zwei-Jahres-Turnus belegt wurde, präsentierten die Frankfurter ihre Marken Dunlopillo und Emma. Und nicht nur das: Die Gruppe war nicht nur mit einer Matratzenneuheit und einem neuen Emma-Claim inklusive aktuellem Werbevideo nach Köln gekommen, sondern auch mit positiven Zahlen. "Seit anderthalb Jahren ist unser Cashflow positiv, in den wichtigsten Ländern operieren wir profitabel", erklärte Geschäftsführer Philipp Burgtorf gegenüber der Haustex. 140 Prozent Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr wurden vermeldet.

Während Emma in erster Linie auf junge, online-affine Kunden zielt, ist Dunlopillo auf eine Zielgruppe ausgerichtet, die eine stationäre Beratung schätzt. Hierfür präsentierte das Unternehmen eine leichter erfassbare und mit Farben gekennzeichnete Aufteilung der Matratzen nach Liegegefühlen. Das soll am POS dem Verkäufer und dem Kunden helfen - eine Erkennis, die nicht zuletzt aus den Erfahrungen im Onlinegeschäft genährt ist. "Die Marken sind komplementär und bieten in vielen Bereichen Synergien", sagt Geschäftsführer Dennis Schmoltzi mit Blick auf Entwicklungs-, Produktions- und Logistikprozesse im Unternehmen. "Insgesamt bedienen wir damit die ganze Bandbreite von Kundenwünschen und preislich das mittlere und gehobene Segment." Wie sich das entwickelt, wäre 2020 zu hinterfragen - sofern die Bettzeit Gruppe wieder in Köln vertreten ist. Angesichts des internationalen Expansionskurses des Unternehmens ist die imm Cologne sicher der richtige Ort.

Aufwändige Inszenierungen
boten Inspirationen

Neben den strategischen Fragen waren aber auch solche der Inszenierung von Bedeutung - bei einem Low-Interest-Produkt wie einer Matratze kein leichtes Unterfangen. Swissflex war es zumindest gelungen, den absoluten Eyecatcher der Halle 9 zu platzieren: Ein Aston Martin sorgte für große Aufmerksamkeit am Stand und weckte eine zeittypische Begehrlichkeit der Messebesucher: Bei Swissflex herrschte Selfie-Alarm, etwas Besseres kann einem Unternehmen eigentlich nicht passieren. Allerdings durfte längst nicht jeder hinterm Steuer für ein Foto Platz nehmen, der dies gerne wollte - bei einem 240.000 Euro teuren Geschoss auch kein Wunder. Der James-Bond-Wagen stand als Anregung für Händler-Aktionen da, aber auch aus einem weit profaneren Grund: Die Innenverkleidung wird vom Recticel-Konzern angefertigt.

Die mit Abstand aufwändigste Inszenierung im Schlaf-Segment war in der benachbarten Halle 10 zu finden, wo das österreichische Unternehmen Ada seit vielen Jahren platziert ist, das sich diesmal auf einem Gemeinschaftsstand mit Birkenstock präsentierte. Die Österreicher produzieren die Betten für den Lizenzgeber, dem es gelungen ist, seine Korksohlenschuhe vom Öko-Image zu befreien und daraus ein Lifstyleprodukt zu machen. Und wie es sich für ein Naturthema gehört, zog die Natur auch in die Messehalle ein - in Form eines dicht belaubten Waldes, der viele Neugierige Besucher anzog.

Dass man mit Öko-Themen punkten kann, zeigten auch Aussteller wie Dormiente oder ProNatura. Dormiente-Inhaber Dr. Rüdiger Plänker sprach in Köln rückblickend von einem guten Jahr für sein Unternehmen: "Wir haben unser Ziel erreicht, und das, indem wir weniger Möbelstücke und dafür mehr Matratzen verkauft haben." Die Nachfrage nach biologisch einwandfreien Produkten sei groß, in Köln präsentierte Dormiente unter anderem neue Matratzen mit Kernen aus Seegras, Hanf und Rosshaar.

Für die österreichische Marke ProNatura, die zu Joka gehört, ist Deutschland der wichtigste Markt, vor allem im Süden. Hier ist ProNatura sogar stärker als in der österreichischen Heimat. Häufig sind es Tischler und Schreiner, die die Marke führen, aber: "Immer mehr Fachhändler sind am Thema Natur interessiert", erklärte Geschäftsführerin Anna Kapsamer-Fellner in Köln. Ein neues Shop-Konzept, das auf der Messe vorgestellt wurde, soll das Naturthema noch emotionaler am POS umsetzbar machen. Dazu braucht es mitunter gar nicht viel, wie das kleine Unternehmen Orthodorn aus Rosenheim bewies: Dessen Zirbenprodukte verströmten einen Duft, dem man sich im Vorbeigehen nur schwer entziehen konnte.

Wer als Fachhändler seine angestammten Lieferanten in der Halle 9 vermisste, konnte zumindest einen Teil davon im benachbarten Radisson-Hotel im Kölner Stadtteil Deutz antreffen - sofern er dem MZE angehörte. Denn der Verband richtete auch in diesem Jahr wieder seinen traditionellen Branchentreff im Umfeld der Messe aus, der sich insbesondere gegen Abend füllt, wenn die Vertreter der Anschlusshäuser ihren Kölnbesuch nach der Messe hier abrunden. Verbandslieferanten wie Werkmeister, Optimo, Brinkhaus, Stendebach, Essenza oder Stiegelmeyer waren hier vertreten.

Messe so international
wie nie zuvor

Die Koelnmesse zog nach Ende der einwöchigen Veranstaltung ein positives Fazit. Insgesamt 150.000 Besucher - Schätzungen des letzten Messetages miteinbezogen - wurden gezählt. Mit einem Anteil von 52 Prozent ausländischer Fachbesucher präsentierte sich das Messeduo aus Möbelmesse und Living Kitchen so global wie nie zuvor. Insgesamt kam damit mehr als jeder zweite Fachbesucher aus dem Ausland. "Dieses Ergebnis unterstreicht einmal mehr, dass Köln für die globale Einrichtungswelt der place to be ist", erklärte Messe-Chef Gerald Böse. "Nach einem schwierigen Jahr 2018 war die imm Cologne eine herausragend gute und erfolgreiche Messe, mit der wir als Industrie hochzufrieden sind", unterstrich wiederum Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie.

Signifikante Steigerungen bei den Fachbesuchern gab es aus China (plus 23 Prozent), Nordamerika und Kanada (plus 15 Prozent) sowie Südamerika, das insgesamt ein Plus von 29 Prozent verzeichnen konnte. Für Europa kamen deutlich mehr Branchenprofis aus Griechenland (plus 31 Prozent), Irland (plus 30 Prozent) und Portugal (plus 31 Prozent) nach Köln.

Was die wenigsten von ihnen erfreut haben dürfte, waren die Einlasskontrollen der Messe. Dass man hier ungeschützt seine Koffer vor aller Augen öffnen musste, erlebten viele Besucher als unangemessen - nicht wegen mangelnder Akzeptanz der Sicherheitsauflagen, sondern der quasi öffentlichen Zurschaustellung privater Dinge. Dass der Messe-Bahnhof in Deutz, immerhin auch ein ICE-Halt, nur eine Handvoll Schließfächer aufweist, kann man nicht der Messe anlasten, ist aber Teil des Problems. In puncto Service und Kundenfreundlichkeit ist in Köln durchaus noch Luft nach oben.

Die nächste imm Cologne findet vom 13. bis 19. Januar 2020 statt.
aus Haustex 03/19 (Wirtschaft)