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Konstruktive Tagung in Bad Brückenau

"Die Mitmach-Innung"

2019 ist ein historisches Jahr für den BVPF, seine Mitglieder und die Branchengewerke allgemein: Die Koalition entscheidet über die Rückkehr zur Meisterpflicht und bei der begonnenen Innungsreform steht die nächste Phase an: Die Transformation der Vision in ein Konzept und konkrete Maßnahmen. Der Wechsel der Geschäftsführung unter das Dach des ZDB wurde auf der Tagung allgemein positiv bewertet. | Aus Bad Brückenau berichten Claudia Weidt und Imke Laurinat

"Passt scho" - auf Bayerisch so viel wie "Ist schon recht" oder "Geht in Ordnung" - als dieser Kommentar zu den bisherigen Ergebnissen, dem Stand und den weiteren Schritten der angestrebten Innungsreform durch den Kuppelsaal des Dorint Hotels in Bad Brückenau ging, war beim Lenkungskreis des Mammutprojektes doch eine gewisse Erleichterung zu spüren.

Im November 2017 hatte sich der Vorstand des Bundesverbandes Parkett und Fußbodentechnik, BVPF, auf einer Sitzung in Fulda das Votum der Mitglieder für einen tiefgehenden Umbau und eine neue Ausrichtung der Organisation eingeholt. In vier Treffen 2018 und mit Hilfe einer groß angelegten Online-Umfrage gelang es Peter Fendt, Jörg Schülein, Stephan Doll, Bernhard Zehetmair, Klaus Bauer und Frank Pielot unter Begleitung und mit Hilfe von Unternehmensberater Ingolf F. Brauner Innen- und Außensicht auf die Innungen aufzunehmen, den Herausforderungen und Entwicklungen gegenüberzustellen und daraus eine Vision zu entwerfen und Handlungsfelder zu definieren.

Bundesinnungsmeister Peter Fendt verwies auf die "interessanten Ergebnisse" der Online-Umfage, an der sich insgesamt 343 Probanden beteiligten, darunter 203 Innungsmitglieder, 65 Teilnehmer aus der Industrie, 32 Endkunden und 43 sonstige. "Manches von dem, was wir zuvor für wichtig gehalten hatten, erwies sich als unwichtig - und umgekehrt." Er warb noch einmal engagiert für eine grundlegende Reformierung, denn: "Wir brauchen neue Ideen, wenn wir unsere Innungen am Leben erhalten wollen."

"Wir brauchen jüngere Mitstreiter"

Dabei müssten unbedingt auch die jüngeren Kollegen mitgenommen werden. "Für das, was wir bewegen wollen, sind wir schon fast zu alt. Wir brauchen jüngere Mitstreiter, wenn wir unsere Zukunft gestalten, denn die werden sich morgen in einem anderen Umfeld bewegen als wir heute." Im nächsten Schritt sollen nun die bisherigen Ergebnisse in Regionalkonferenzen in die einzelnen Innungen getragen werden, bevor dann konkrete Maßnahmen beschlossen und zunächst in Pilot-Innungen umgesetzt werden sollen (mehr über das Zukunftsprojekt "Die Mitmach-Innung" auf Seite 66).

Das mondäne Staatsbad Bad Brückenau mit seinen imposanten Bauten und dem 40 ha großen Schloss-park bot eine feudale Kulisse für die diesjährige Mitgliedersammlung, die mit der Innungsreform und der angestrebten Novellierung der Handwerksnovelle von 2004 zwei Themen von gravierender Bedeutung für die Zukunft des Verbandes, seiner Mitglieder sowie des Parkettlegerhandwerks im allgemeinen behandelte. Gut 60 Teilnehmer, darunter auch Vertreter von Fördermitgliedern aus der Industrie, waren zu der Veranstaltung angereist, die sich als deutlich lebhafter, konstruktiver und produktiver erwies als manch vorherige Tagung. Fast wirkte es so, als hätten die anstehenden Herausforderungen neue Tatkraft, Schwung und auch eine neue Solidarität untereinander geweckt.

Auch lokal für die
Wiedereinführung der
Meisterpflicht engagieren

Während sich der Reformprozess in den Innungen mindestens bis nächstes Jahr hinziehen dürfte, steht die Entscheidung über die Wiedereinführung der Meisterpflicht noch in diesem Jahr an. "Die Parkettleger wünschen sich das ausdrücklich", unterstrich Fendt, sagte aber auch klar: "Wir müssen uns positionieren, wenn wir etwas erreichen wollen, auch finanziell." An seine Kollegen im Publikum appellierte er, dass sie sich auch vor Ort dafür engagieren und zum Beispiel Kontakte zu lokalen Politikern suchen, um das Thema dort zu platzieren.

Positiv für das Parkettlegerhandwerk könne sich auswirken, dass das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, BMWI, als einen Grund für die Meisterpflicht den Erhalt von Kulturgütern ergänzt hat. "Hier können wir mit den Parkettrestauratoren punkten. Wenn ein historischer Parkettboden falsch bearbeitet wird, ist er unwiederbringlich ruiniert." Auf jeden Fall fühlt sich Fendt in der neuen Konstellation unter dem Dach des ZDB gut gerüstet, um mit dem Anliegen in Berlin durchzudringen. "Durch den ZDB haben wir Möglichkeiten, die uns früher nicht gegeben waren."

Parkett auf gekühlten Fußbodenkonstruktionen

Neben diesen beiden dicken Brettern, die es zu bohren gilt, sind Vorstand und Gremien des BVPF in weiteren Bereichen aktiv, um die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten. Eine "Never ending Story" ist die Materialtauglichkeit von Mehrschichtparkett, bei dem der BVPF in Person von Peter Fendt und Manfred Weber mit dem VDP (Verband der Deutschen Parkettindustrie), sprich dessen Vorsitzenden Michael Schmid, und auch dem österreichischem Verband zusammenarbeitet. Das europäische Cornet Europarquet-Forschungsprojekt hatte an mehr als 4.000 Mustern die Qualität der Verklebung von Mehrschichtparkett erforscht und praktikable Prüfmethoden entwickelt, um diese als Standardtests in den europäischen Normungsprozess einzubringen. Aus dem Projekt heraus ist in Kooperationen der oben genannten Verbände bereits das Merkblatt zur Verlegung von Holzböden auf Fußbodenheizungssystemen entstanden. "Wir müssen herausfiltern, wo die Grenzen eines Produktes liegen", betonte Fendt, "das ist auch für Sachverständige wichtig."

Neu befeuert wird die Causa dadurch, dass Fußbodenheizungen zunehmend zur Kühlung genutzt werden, allerdings eher in gewerblichen Einsatzbereichen als in privaten. Auf 80 % wird der Anteil an FH-Systemen mit gleichzeitiger Kühlfunktion geschätzt. Angesichts der "unwahrscheinlich breiten Spreizung des Klimas" müsse jeder Parketthersteller prüfen, unter welchen Bedingungen seine Produkte für gekühlte Fußbodenkonstruktionen freigegeben werden, adressierte Fendt an die Parkettindustrie. Es seien schon Zahlen veröffentlicht worden, doch noch fehle es an fundierten praktischen Erfahrungen.

Und auf ein weiteres brisantes Thema, "das uns noch beschäftigen wird", machten sowohl Fendt als auch BVPF-Geschäftsführer Dieter Kuhlenkamp das Auditorium aufmerksam: Asbest. Die Novelle der Gefahrstoffverordnung ziehe sich hin, berichtete Kuhlenkamp, weil ein neues Risikokonzept erarbeitet worden sei. Eine positive Veränderung für das Handwerk konnte er schon vermelden, nämlich dass der Auftraggeber bzw. Bauherr mit in die Verantwortung genommen und in die Informationspflicht schon bei der Ausschreibung eingebunden wird. "Damit können die Auftragnehmer besser kalkulieren." Neu sei auch, dass die TRGS 519 um Asbest in Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern ergänzt worden sei. Kuhlenkampf kündigte an, dass das Thema Asbest in einem der nächsten BVPF-Newsletter aufgegriffen werde.
aus Parkett Magazin 04/19 (Wirtschaft)