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Ligna Plus in Hannover

Eine Messe der Visionen

Schneller, präziser und weniger Materialverlust - das sind die großen Themen, denen sich die Maschinenhersteller bei der Herstellung von Fußböden widmen. Mit konkreten Ergebnissen, aber auch mit zukunftsträchtigen Visionen, geht die Branche in die zweite Hälfte des Jahres 2007.

Von der Säge über den Scanner bis zu Beschichtung, Profilierung und Verpackung sollen die Anlagen immer größere Durchlaufgeschwindigkeiten ermöglichen. Denn Zeit ist Geld. Gleichzeitig darf die Qualität nicht auf der Strecke bleiben. Das gilt gleichermaßen für das Oberflächenbild als auch für das Verbindungsprofil.

Die im zweijährigen Turnus veranstaltete Weltmesse Ligna im Mai 2007 unterstrich die Wachstumsimpulse der Branche. Ihre Besucherzahl stieg um mehr als 10% auf über 107.000, die sich bei 1.879 Ausstellern aus 49 Ländern informieren konnten. Für die deutschen Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen war schon das vergangene Jahr mit 18,8% Wachstum und einem Produktionswert von 2,6 Mrd. EUR ein Rekordjahr. Der Inlandsabsatz hat dabei mehr zugelegt als der Export. Trotzdem bleibt das Auslandsgeschäft mit 73% die treibende Kraft für Deutschlands Maschinenbauer. Im laufenden Jahr erwartet die Branche erneut einen Gesamtzuwachs um mindestens 10%.

Direktdruck und automatische Produktionslinien

Im Laminatbereich interessant ist der "Dreikampf" zwischen Bürkle, Hymmen und Wemhöner um den Vorsprung beim Direktdruck von Laminatoberflächen. 10 Anlagen hat Hymmen nach eigenen Angaben hat in den letzten zwei Jahren an die Möbel- und Plattenindustrie verkauft. Den größten Durchbruch erzielte das Unternehmen in der Fußbodenindustrie. In diesem anspruchsvollen Marktsegment konnte Hymmen viele Großprojekte für sich gewinnen und ist, nach eigenen Angaben, damit Weltmarktführer auf diesem Gebiet. Noch spannender kann es werden, wenn der digitale Druck mit dem Direktdruck zur flexiblen Produktionseinheit verschmelzen sollte. Bürkle zeigte auf der Ligna die Möglichkeiten des Digitaldrucks und fand großen Zuspruch aus der Fußbodenindustrie.

Außerdem präsentierte Bürkle unter dem Titel "Parkett-Vision" in einer 3D-Show die zukünftige Version einer kompletten, automatischen Parkettstraße - vom Rohfries bis zur Verpackung.

Die neueste Homag-Entwicklung, noch in der Forschungsphase, zielt auf einen Ersatz des Fräswerkzeugs bei der Laminatbodenbearbeitung durch Lasertechnik. Da die harte Deckschicht von Laminat das herkömmliche Fräswerkzeug schnell verschleißt, kann ein Laserschnitt wirtschaftlicher arbeiten, meint Markus Kostenbader aus der Homag-Technik. Die Investitionskosten werden mit rund 500.000 EUR angegeben.

Zu den weiteren Neuheiten auf dieser Ligna gehört auch der Hotmelt-Schmelzlack. Bei diesem Lackverfahren können sowohl Spachtelauftragsmaschinen als auch Grundlackauftragsmaschinen sowie der Zwischenschliff eingespart werden. In den Hallen für die Sägewerkstechnik, Massivholzverarbeitung, Holzwerkstoff- und Furnierherstellung standen Themen wie Holzoptimierung, neue Oberflächentechniken für Laminat und Parkett, sowie Hochleistungs-Werkzeuge im Vordergrund. Dazu zählten beispielsweise Weltneuheiten wie eine neue Dünnschnittbandsäge zum Auftrennen von Holzblöcken in Lamellen für Mehrschichtelemente oder eine Säge für Schnittfugen mit weniger als 0,7 mm Stärke.

Mehr Besucher, mehr Geschäfte

Manche Aussteller sprachen von der "besten Ligna aller Zeiten" und meldeten eine deutliche Zunahme der Geschäftskontakte. Zwar ist der Möbelbau traditionellerweise ein Hauptthema bei den Maschinenherstellern, aber die Fußbodenfertigung nahm daneben einen sichtbaren Raum ein. Deutsche und italienische Ingenieurskunst ist auf diesem Feld weltweit führend. Auch osteuropäische und chinesische Maschinenbauer waren nicht zu übersehen. Zumal einige von ihnen die Maschinen westeuropäischer Marktführer in Design und Farbe nachahmen.

Die Besucheranalyse verzeichnet 46,5% ausländische Gäste, darunter 28.900 Fachleute aus EU-Ländern, mit Italien und Österreich an der Spitze. Aus Asien vergrößerte sich die Anzahl um 32% auf 5.800 und auch die USA und Kanada trugen mit insgesamt 4.500 Besuchern zu dem positiven Überseetrend bei. Der Anteil der Fachbesucher, die "beratend bis ausschlaggebend" in die Investitionsentscheidungen ihrer Unternehmen eingebunden sind, stieg auf 82,3%. In absoluter Zahl waren das 85 900 Fachleute. Diese Kompetenz spiegelte sich in konkret erteilten Aufträgen wider. Hymmen-Inhaber und Geschäftsführer Dr. René Pankoke nannte als Messebilanz ein Auftragsvolumen von rund 7 Mill. EUR und ein finnischer Anbieter konnte auf der Messe Biomasse-Kraftwerke in einem Gesamtwert von 100 Mio. EUR verkaufen.

Neue Geräte für den Handwerker waren auf der "Handwerk, Holz & mehr" ausgestellt. Diese "Messe in der Messe" verzeichnete rund 30 000 Besucher. Auffallend war die große Schar junger Handwerker, die sich offensichtlich durch ein umfangreiches Angebot an Ausbildungsmaßnahmen und Geräte-Vorführungen angesprochen fühlten.


Aussteller-Stimmen

Antonius Tuschen, Geschäftsführer Osmo:
"Wir waren das letzte Mal vor vier Jahren hier. Im Vergleich dazu hat das Publikum heute mehr Informationsbedarf. Allerdings sind inzwischen auch viele neue Materialien und Produkte entstanden, die mehr ansprechen, aber auch höhere Ansprüche erfüllen müssen."

Franz-Josef Bütfering, Geschäftsführer Bütfering Schleiftechnik:
"Wir arbeiten mit 20 Vertriebsgesellschaften und 60 Vertriebspartnern zusammen. Und wir haben 110 000 Kunden. Da ist die Gelegenheit auf der Ligna einmalig, die Beziehungen sowohl intern als auch extern zu pflegen. Die Konjunktur im Ausland und in Deutschland läuft hervorragend. Das Klima ist investitionsfreudiger geworden. Wir konnten schon am ersten Tag Aufträge abschließen."

Dr. Hans-Jürgen Gittel, Leiter Marketing Leitz:
"Bereits am ersten Tag hatten wir viele Besucher. Wir treten auf der Ligna an, um neue Kunden zu gewinnen. Da wir in mehr als 30 Ländern vertreten sind, kommt uns die internationale Ausrichtung der Messe zugute."

Christine Brandl, Marketing Leuco Ledermann:
"Wir nutzen die Messe auch, um Studien zu zeigen, darunter Ansätze von Ideen, die vielleicht niemals komplett umgesetzt werden. Aber daraus entwickeln sich wieder andere Ideen. Eine Messe ist der Ort der Kommunikation."

Dr. Joachim Brenk, Vorstandssprecher Homag:
"Wir sind optimistisch in die Messe gegangen, ein starker Auftakt hat uns dann bestätigt. Wir haben in unserer Unternehmensgruppe viel Geist und Entwicklung in Maschinen für das Handwerk gesteckt."

Ralf Griesche, Marketingleiter Siempelkamp:
"Wir sind präsent und ansprechbar für unsere Kunden, die aus der ganzen Welt kommen. Es geht dabei um den Austausch von Informationen. Für uns ist die Qualität der Kundenkontakte ausschlaggebend."

Alexandra Reitinger, Marketing Wintersteiger:
"Unsere Kunden kommen auch aus Asien, Süd- und Nordamerika. Alle Maschinen, die wir präsentieren, zählen zum Hightech-Bereich. Wir schreiben zunächst keine konkreten Aufträge - die stellen sich in der Nachbearbeitung der Messe ein."

Dipl.-Ing. Matthias Krauss, Vorstandsvorsitzender Mafell:
"Die Begeisterung für Markenprodukte ist deutlich spürbar. Das Thema Geiz ist geil ist beim Endanwender durch. Er hat zu viel schlechte Erfahrung mit Billigprodukten gemacht. Wir können deutliche Zuwächse im Vergleich zum letzten Jahr verzeichnen. Unser Unternehmen ist eines der wenigen, die noch hundertprozentig in Deutschland fertigen."

Dr. Dieter Japs, Vorstand Weinig:
"Die Konjunktur in unserer Branche zieht deutlich an. Wir wollen den Kunden zeigen, dass wir einer der Weltmarktführer sind, und dazu ist eine Messe das ideale Forum. Ein starkes Trendthema ist die Holzoptimierung."

Thorgen Jüttner, Regionalvertriebsleiter Ost Festool:
"Die Ligna hat große Bedeutung für uns, speziell in Bezug auf Mittel- und Norddeutschland. Zu uns kommt viel Nachwuchs, darunter viele Meisterschüler. Unsere neue Kappsäge ist für dieses Jahr fast ausverkauft. Unser Auftragsvolumen liegt schon jetzt 18-20% über Vorjahr."

Kai Greten, Geschäftsführer GreCon:
"Viele Firmen zeigen auf der Ligna starke Aktivität. Diese wichtige Leitmesse gibt uns die Chance, bereits bestehende Kontakte zu Kunden zu intensivieren. Die internationale Prägung unterstützt dabei unsere Ausrichtung."

Hans-Joachim Bender, geschäftsführender Gesellschafter Bürkle:
"Es besteht viel Interesse an unserer Messeneuheit, einer Digitaldruckmaschine. Da passt es gut, dass in diesem Jahr Oberflächentechnologie ein Schwerpunkt und daher auch für uns ein großes Thema ist."
aus Parkett Magazin 03/07 (Wirtschaft)