Lindemann Wohnkultur - Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb 2026
Lindemann Wohnkultur, Bielefeld
Ausbildung als Lebensaufgabe
Bei Lindemann Wohnkultur gehört die Ausbildung junger Menschen seit jeher dazu. Inhaber Dirk Lindemann ist ein unermüdlicher Fürsprecher für die Nachwuchsarbeit im Raumausstatterhandwerk – und jemand, der die Dinge anpackt. Für sein Engagement erhält er 2026 den Heimtex Star in der Kategorie „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“.
Wenn Dirk Lindemann über das Handwerk spricht, dann klingt das nach Verantwortung und nach der Überzeugung, dass Ausbildung Zukunft schafft. Dass Lindemann einmal zum Botschafter einer Ausbildungsinitiative werden würde, war keineswegs vorgezeichnet. Mit 16 Jahren begann er seine Lehre im elterlichen Betrieb erst auf „sanften Druck“ des Vaters, wie er heute schmunzelnd erzählt. Zwar hielt sich die Begeisterung zunächst in Grenzen, doch der Beruf ließ ihn nicht los. Nach Ausbildung, Zivildienst, Gesellenjahren und dem Meisterbrief 1998 führte sein Weg ins Objektgeschäft. Dort koordinierte und betreute er unter anderem prestigeträchtige Hotelprojekte wie das Grand Hotel Berlin oder das Marriott Kopenhagen. Die Jahre dort formten ihn: Ehrgeiz, Weitblick, Organisationstalent – und die Erkenntnis, wie wichtig Teamarbeit ist.
Handwerk mit Konzept
2002 kehrte Lindemann nach Bielefeld zurück, übernahm das elterliche Geschäft und baute es komplett neu auf. Den kleinen Familienbetrieb entwickelte er zu einem modernen, ganzheitlich denkenden Raumausstatter mit Planungsfokus und klarer gestalterischer Handschrift. Die Kombination aus klassischem Handwerk und digitaler Planung wurde sein Markenzeichen.
Heute ist Lindemann Wohnkultur in vier Bereiche gegliedert: Wohnkultur, Planung, Polsterei und Mike X – eine kleine, kreative Werkstatt für maßgefertigte Motorradsättel. Den größten Umsatzanteil bilden Gardinen und innenliegender Sonnenschutz, dicht gefolgt von Polsterarbeiten und textilen Wandbespannungen. „Das Textile ist einfach unsere Sprache“, sagt Lindemann. „Wir schaffen Atmosphäre mit Stoff, Struktur und Licht.“ Neben privaten Wohnprojekten ist der Betrieb auch im Objekt aktiv, insbesondere bei kleineren, inhabergeführten Hotels, die Wert auf Individualität legen. Für die textilen Raumkonzepte werden 3D-Visualisierungen genutzt und auf Wunsch auch Möbel von Partnern wie den Bielefelder Werkstätten integriert. So entsteht aus Handwerk Planungskultur und aus Dekoration Innenarchitektur.
Dabei sind Dirk Lindemann die Themen Nachwuchs und Ausbildung eine Herzensangelegenheit und Verantwortung zugleich. Seit er den Betrieb führt, bildet er ununterbrochen aus. Seine Lehrlinge sind keine Handlanger, sondern von Anfang an Teil des Teams. Sie nähen, polstern, montieren, planen und übernehmen früh Verantwortung. Die Gesellen werden aktiv in die Ausbildung eingebunden, zeigen, korrigieren, begleiten. „Das funktioniert nur, wenn alle Lust darauf haben“, sagt Lindemann. „Und das haben sie.“
Die Auszubildenden bei Lindemann Wohnkultur übernehmen früh Verantwortung. Die Gesellen sind in die Ausbildung eingebunden.
Er organisiert regelmäßig gemeinsame Ausflüge und besucht mit seinen Azubis Fachmessen oder Branchenevents, das fördert und stärkt den Teamgeist. „Wenn sie sehen, was da draußen alles passiert, wächst das Bewusstsein für das, was sie können“, sagt er. Ausbildung, das ist für ihn mehr als Handwerk: Es ist Persönlichkeitsbildung.
Für die gesamte Branche aktiv
Viele seiner ehemaligen Auszubildenden haben Karriere gemacht und sind heute in renommierten Unternehmen der Branche tätig oder als Meister im eigenen Betrieb. Für Lindemann ist das die schönste Bestätigung seiner Arbeit. „Wissen ist nur dann etwas wert, wenn man es teilt“, sagt Lindemann. Ein Satz, der erklärt, warum er nicht müde wird, jungen Leuten den Beruf nahezubringen – selbst wenn die Ausbildungssituation düster ist: zu wenige Bewerber und noch weniger Betriebe, die ausbilden. „Es gibt Regionen, da findet gar keine Ausbildung mehr statt“, sagt er.
Bundesweit zählt das Raumausstatterhandwerk nur noch rund 1.200 Innungsbetriebe, im ersten Lehrjahr 2024 begannen gerade einmal 356 Auszubildende. „Das ist dramatisch“, betont Lindemann. „Und es geht nicht nur um Zahlen – es geht um den Verlust von Wissen.“ Viele traditionelle Techniken wie das Polstern von Grund auf oder das Aufmaß für aufwendige Dekorationen drohen verloren zu gehen. Die Industrialisierung und Billiganbieter haben die handwerkliche Tiefe verdrängt.
Doch Lindemann bleibt Optimist. „Es gibt wieder junge Leute mit Abitur, die bewusst ins Handwerk gehen“, beobachtet er. „Weil sie was Echtes machen wollen.“ Für sie will er Türen öffnen – und Perspektiven zeigen. Denn der Handwerksmeister weiß, dass der Beruf des Raumausstatters enormes Potenzial hat: Akustik, Verdunkelung, Nachhaltigkeit – die moderne Architektur schafft neue Probleme, die textile Lösungen brauchen. Er ist überzeugt: „Unser Beruf muss sich stärker als Planer und Gestalter positionieren, nicht als Ausführender am Ende der Kette.“
Seit 2022 engagiert sich Dirk Lindemann zusätzlich in der Initiative „Generation Handwerk“, die dem Fachkräftemangel mit Aufklärung und Engagement begegnet. „Man muss ehrlich sein: Wir haben nicht die Resonanz erreicht, die wir uns erhofft haben“, resümiert er. „Aber das ist ein Marathon, kein Sprint.“ Aufgeben kommt für ihn nicht infrage. Er sieht die Initiative als langfristiges Projekt, das Bewusstsein schafft im nüchternen Wissen, das Veränderung Zeit braucht.
„Bei uns machen alle alles“
In seinem eigenen Betrieb arbeiten sieben Gesellen, zwei Auszubildende und das Inhaberpaar. Flache Hierarchien, klare Kommunikation, viel Eigenverantwortung prägen das Miteinander. „Wir sind kein Laden, in dem jemand sagt: Das ist nicht mein Job‘“, erzählt er. „Bei uns machen alle alles.“
Bei der Schaufenstergestaltung lässt Dirk Lindemann dem Team inklusive der Auszubildenden freie Hand.
Die Atmosphäre ist familiär, aber professionell. Jeder arbeitet eigenständig, Verantwortung wird geteilt, nicht delegiert. Auch die Kundschaft spürt das: Ob privat oder im Objektbereich, Lindemanns Projekte zeigen Liebe zum Detail und Verständnis für Raumwirkung. Sein jüngstes Highlight: die textile Ausstattung der Eventlocation H1 in Bielefeld, entworfen von Interior Designerin Katja Kessler – ein Beispiel dafür, wie modernes Design und Handwerk Hand in Hand gehen können.
Dirk Lindemann führt seinen Betrieb mit dem sicheren Gespür dafür, wieviel Wandel notwendig ist. 2022 ließ er das Firmengebäude energetisch sanieren, installierte eine PV-Anlage, stellte auf E-Autos um. Nachhaltigkeit ist für ihn Selbstverständnis. Auch in Sachen Werbung geht er eigene Wege: Statt Printanzeigen nutzt er Instagram als digitales Schaufenster. Hier zeigt er Projekte, Materialideen, Einblicke in die Werkstatt – authentisch, nicht inszeniert. Besonders beliebt: Beiträge, in denen die Azubis zeigen, was sie gelernt haben. „Die jungen Leute haben ein anderes Gefühl für Sichtbarkeit“, sagt Lindemann. „Das darf man ruhig nutzen.“
Sein Engagement endet nicht an der Werkstatttür und nicht in Deutschland. In Südafrika unterstützt er den Aufbau einer Ausbildungswerkstatt mit Nähstudio in einem Township bei Kapstadt und sammelt dafür funktionstüchtige Nähmaschinen in Deutschland. Ein Projekt, das Mut machen soll, gemeinsam anzupacken. „Es zeigt, was möglich ist, wenn man zusammenhält“, sagt Lindemann. Und genau das scheint das Leitmotiv seines Tuns zu sein: Verantwortung nicht nur für den eigenen Betrieb, sondern für eine Branche, die vor großen Aufgaben steht.

Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb des Jahres 2026