Raumausstattung Lang - Vorbildliche Neugründung 2026
Raumausstattung Lang, Breitbrunn
Mit Familie, Freunden und Netzwerk
Der junge Raumausstattermeister Maximilian Lang aus dem oberbayerischen Breitbrunn wagte den Sprung in die Selbstständigkeit und gründete seinen eigenen Betrieb. Für seinen unternehmerischen Mut wird er mit dem Heimtex Star 2026 in der Kategorie „Vorbildliche Neugründung“ ausgezeichnet.
Eigentlich hatte Maximilian Lang die Gründung des eigenen Betriebs noch nicht so schnell geplant. Doch die Umstände waren günstig und er wagte den Sprung in die Selbstständigkeit. Sie ist die logische Konsequenz aus dem Werdegang des 25-Jährigen. Doch der Reihe nach.
Wie kam er eigentlich ins Handwerk, genauer ins Raumausstatterhandwerk ? „Begonnen hat es mit einem Schülerpraktikum in der 9. Klasse, das ich bei einem befreundeten Raumausstatterbetrieb in Garmisch-Partenkirchen absolviert habe. Ich stand dem Handwerklichen schon nahe, weniger wegen der Eltern oder Verwandten, sondern eher wegen meiner Freunde, deren Eltern Handwerksbetriebe hatten“, erinnert sich Maximilian Lang. „Aber eigentlich wollte ich in Richtung Planung gehen. Ich hatte zwei Freunde, deren Eltern Architekten waren. Das hat mir irgendwie zugesagt, zeichnen, etwas entwerfen und gestalten.“ Dann aber kam das Schülerpraktikum und es gefiel ihm so gut, dass er nach der Schule gleich die Lehre zum Raumausstatter bei Raumdekor Lettl, einem renommierten Betrieb in Starnberg bei München, angefangen hat.
Aufstieg im Ausbildungsbetrieb
„Weil ich mir aber alles offenhalten wollte, habe ich noch das Fachabitur nachgeholt“, berichtet Lang. „Da hatte ich mit der Zeit gemerkt, dass mir das Theoretische, das Berechnen doch auch Spaß macht. Ich habe mich dann für ein Bauingenieurstudium eingeschrieben und hatte auch schon die Zusage für einen Studienplatz. Nur: Dann kam Corona. Und unter diesen Umständen wollte ich nicht studieren.“
Stattdessen kam Maximilian Lang wieder mit seinem Ausbildungsbetrieb Lettl ins Gespräch. Ihm wurde eine leitende Stelle angeboten, bei der er viel für seine eigene Firma lernen sollte: Er war von der Angebotserstellung über die Baustellenorganisation bis zur Abwicklung der Aufträge verantwortlich. „Frau Lettl hat mich damals richtig ins kalte Wasser geworfen. Aber jetzt profitiere ich natürlich davon“, freut sich der Jungunternehmer. Nur unterbrochen durch den Meisterkurs an der Kerschensteinerschule in Stuttgart, arbeitete er fast drei Jahre bei Lettl, zuletzt als technischer Betriebsleiter. Dann wurde ihm sogar die Übernahme der Firma angeboten.
Ende 2024 suchte aber die eigene Verwandtschaft für das ehemalige Ladencafé an der Hauptstraße im Dorf eine Lösung. „Das charmante Café war schon länger geschlossen. Ich war als Kind sehr oft dort. Zu seiner Blütezeit war es ein Ort der Begegnung und der Geschichten mitten im Dorf – aber für mich war es nach dem Meister ein Ort voller Möglichkeiten“, erinnert sich Maximilian Lang. „Die Verbindung, die das Haus mit meiner Familie und meiner Kindheit hatte, finde ich schön und ist ein guter Antrieb für eine Gründung.“
Die lindgrüne Kommode, geschmackvoll renoviert und umgebaut als Musterregal, ist eine Reminiszenz an den alten Laden.
Es folgten Gespräche in der Familie, Lang erstellte einen Businessplan, besprach sich mit einem Steuerberater in der Verwandtschaft und sprach bei Banken vor – ohne Erfolg. „Irgendwann hat meine Familie beschlossen, dass wir das privat stemmen. Damals konnte ich mir das nicht so richtig vorstellen, weil es ja das Geld der Familie und nicht mein eigenes ist. Mittlerweile habe ich keine Probleme mehr damit, denn das Geschäft läuft gut und ich habe wenig Bedenken, dass ich meinen Eltern den Kredit nicht zurückzahlen kann.“
Schwerpunkt liegt noch auf Privatkunden
Seit März 2025 gibt es nun die Raumausstattung Lang, positioniert im gehobenen Mittelpreissegment. Dazu muss man wissen, dass die Gegend südlich von München zwar kaufkräftig ist, die Menschen aber im Vergleich bodenständiger sind und das Geld nicht schnell, dafür nachhaltig einsetzen. Derzeit verteilt sich der Umsatz wie folgt: 40 % Bodenbeläge, 30 % Dekostoffe und Gardinen, 30 % Sonnen- sowie Insektenschutz – ein saisonal wichtiges Thema in der oberbayerischen Seenlandschaft. In der Hauptsache bedient Maximilian Lang Privatkunden, doch der eine oder andere Auftrag aus dem gewerblichen Bereich war auch schon dabei, etwa ein Seniorenheim. Perspektivisch möchte Lang Kontakte zu Architekten aufbauen, um sein Geschäft breiter abzusichern.
Aufträge bekam der Jungunternehmer in der Anfangszeit, weil es sich im Ort herumgesprochen hat, dass das ehemalige Ladencafé wiederbelebt worden ist, und weil Kunden bei der Fahrt durch den Ort auf das schmucke Geschäft mit der roten Ladentür als Blickfang aufmerksam geworden sind. Es liegt ideal: Innerhalb einer Stunde sind im Umkreis von Breitbrunn München, Starnberg, Augsburg, Landsberg und Garmisch-Partenkirchen erreichbar.
Werbung macht der Betrieb nicht viel, die Kunden sprechen Maximilian Lang hauptsächlich nach Empfehlung direkt an oder kommen nach Termin zu einer Beratung ins Geschäft; feste Öffnungszeiten gibt es nicht. Was Lang immer wieder zugute kommt: Er ist im Fußballverein und seine Mitspieler kommen nach und nach in ein Alter, in dem sie Eigentum kaufen oder bauen. Dann ist der Weg zum Freund nicht weit. „Meistens fängt es mit dem Boden an, der neu gemacht werden soll“, so die Erfahrung. Über solche Kontakte kamen schon einige Aufträge zusammen.
Parallel baut sich der junge Mann ein Netzwerk auf. So unterstützt ihn ein ehemaliger Schulfreund, der ebenfalls Raumausstattermeister ist, aber kein eigenes Ladengeschäft hat und jetzt hauptsächlich Böden verlegt. Es gibt einen Maler am Ort, der aushilft, wenn etwas ausgebessert oder ein Zimmer neu gestrichen werden muss. Für größere Aufträgte kann Lang in der Familie auf einen Malerbetrieb zurückgreifen, der in der Region bekannt ist. Außerdem kommt es häufiger zur Zusammenarbeit mit der Raumaustattermeisterin Anja Breitenberger aus dem etwa 5 km entfernten Herrsching. Sie war übrigens 2025 Gewinnerin eines Heimtex Stars. „Das passt ganz gut, auch weil sie alleine arbeitet. Wir ergänzen und helfen uns. Das ist alles sehr freundschaftlich, da gibt es kein Wettbewerbsdenken, auch nicht mit den anderen.“
Und dann ist da noch der Raumausstatterbetrieb aus Landsberg, eine gute halbe Stunde von Breitbrunn entfernt. Kennengelernt hat Maximilian Lang ihn über einen Lieferanten. „Der möchte nur noch bestimmte Sachen machen und in absehbarer Zeit aufhören. Er stellt mich bei seinen Kunden schon als Nachfolger vor“, schmunzelt Lang. Auch ganz praktische Hilfe hat er in der Anfangszeit schon erfahren: „Ich hatte das Glück, dass ein Raumausstatter in Tutzing aufgehört hat. Er hat mir tatsächlich seine Nähmaschine und die Bügelanlage geschenkt.“
Blickfang in der Werkstatt ist ein Küchenschrank aus dem ehemaligen Tante-Emma-Laden.
Auch das Umfeld stimmt
Große Unterstützung ist ihm auch seine Freundin, die Management studiert und an zwei Tagen in der Woche Homeoffice in Breitbrunn macht. Sie hat das Logo entworfen, die Homepage mit einem Webdesigner umgesetzt und sorgt für die Inhalte auf Instagram. Das Rot der Ladentür gab übrigens den Ausschlag für den farblichen Außenauftritt. „Sie hat sich da reingefuchst und hat auch die Geduld. Ich dagegen habe da einfach keinerlei Affinität“, gibt Maximilian Lang zu. Wenn die Freundin in Breitbrunn ist, dann ist auch der Laden geöffnet und sie kann die eine oder andere Laufkundschaft bedienen. „Mädels scheinen sich immer irgendwie für Einrichtung zu interessieren. Sie hat ein Gespür dafür und kennt sich bei den Stoffen aus. Da kann sie den Leuten schon mal eine Vorauswahl zeigen“, freut sich Lang.
Zusammen gewohnt wird noch nicht, geplant ist es aber. Dass die Freundin später einmal in den Betrieb einsteigt, hingegen nicht. „Das wollen wir beide nicht, das ist auch ganz klar zwischen uns ausgesprochen. Sie hat eine gute Anstellung, das ist ein guter Rückhalt und ein Festgehalt gibt einfach Sicherheit.“ Alles in allem gute Voraussetzungen, um weiter erfolgreich ins Geschäft zu kommen und den eigenen Betrieb zu etablieren. Man darf gespannt sein, wie sich der junge Meister entwickelt.

Vorbildliche Neugründung des Jahres 2026