Pur Natur Holzprodukte Vertrieb & Produktion Ruthard Männle e.K. - Besondere Spezialisierung 2026
Pur Natur, Hohberg
„Uns geht es nicht um das Produkt, sondern um Lebensqualität“
Schon lange bevor die EUDR es forderte, versah Pur Natur seine hochwertigen Dielenböden mit einem geolokalisierten Herkunftsnachweis. Die Manufaktur aus dem Schwarzwald verkauft nicht das Produkt, sondern ein Verständnis von Verantwortung, Herkunft und Material und vermittelt diese Haltung glaubhaft in Auftritt und Kommunikation. „Vorbildlich“ lobt die Jury unisono und vergibt dafür den Parkett Star 2026.
„Hier ist das Ende der Fahnenstange“, konstatiert Ruthard Männle und weist auf eine außergewöhnlich große gefällte Douglasie. „14 m Länge, 97 cm Durchmesser, ca. 8,32 Festmeter Holz, stellen jeden vor Herausforderungen, der damit arbeitet. Solche Dimensionen verlangen Erfahrung, Planung und Respekt vor dem Material.“ Er zeigt auf einen anderen beeindruckenden Stamm. „Dieser ist wertvoll, aber nicht für das geeignet, was wir daraus machen wollen: großformatige, ruhige Dielen in höchster Qualität.“ Die drei Ausschlusskriterien: „Sehr große Jahresringe, auch vom Herz her, er ist schon in der Jugendzeit schnell gewachsen, nicht ganz gerade, hat also wahrscheinlich an der Oberfläche Druckholz und eine beginnende Ringschäle, an der Harz hervortritt.“
Bewusstsein für die Vollkommenheit der Natur schaffen
Mit diesen und anderen Reels, in denen er ebenso sympathisch und wie fachkundig Wissenswertes über Holz, Bäume und den Wald erzählt, ist der Gründer und Inhaber der Schwarzwälder Dielen-Manufaktur Pur Natur auf Social Media zu einem heimlichen Star mit Tausenden von Followern avanciert. Sein Auftritt verkörpert das, wofür Pur Natur steht: „Unsere Produkte sind Ausdruck unseres Respektes gegenüber hochwertigen, natürlichen Rohstoffen. Wir wollen ein Bewusstsein für die Vollkommenheit der Natur schaffen.“
Das war auch der Hintergrund, als der Holzliebhaber, der eigentlich Förster werden sollte und dann in der Sägeindustrie bis zum Geschäftsführer aufstieg, sich 1988 mit Pur Natur selbständig machte. Zunächst als Lohnproduzent unterwegs, begann er 2008 mit der Eigenvermarktung und positionierte sich 2011 als Premiumanbieter für massive und dreischichtige Dielennachhaltiger und regionaler Herkunft. Als erster und einziger Hersteller führte er damals den Herkunftsnachweis per Geokoordinaten ein – viele Jahre, bevor die EUDR das fordern sollte.
Ruthard Männle wählt jeden Stamm persönlich aus – ausschließlich regionales Holz von Vertragslieferanten oder aus Submissionen.
2012 trat sein ältester Sohn Steffen Männle, Jahrgang 1986, ins Unternehmen ein. Ein ganz anderer Typ, der internationales Management in Frankreich studiert hatte und dem nach dem erfolgreichen Einstand bei einer namhaften Unternehmensberatung alle Türen offen standen, der online-affin war, schon zu Schulzeiten eine erfolgreiche E-Commerce-Agentur gründete. Und der in der Firma seines Vaters einen ungeschliffenen Diamanten mit viel Potenzial sah. Die Aufgabe reizte ihn, den Ästheten, der ein Faible für hochwertige, langlebige Produkte hat – alles auch Charakteristika der Pur Natur-Dielen. Zunächst verantwortete Steffen Männle ein Turn-Around-Management, da der Betrieb nach der Wirtschaftskrise stark gebeutelt war und fokussierte stärker auf den Vertrieb.
Den Kerngedanken des Vaters und die Unternehmensphilosophie tastete er dabei nicht an – im Gegenteil, er baute Vermarktung und Kommunikation komplett darauf auf, nur noch stärker pointiert, wobei ihm ein Talent zur Markenbildung zugute kam. „Der Markt ist gespalten zwischen Billigware und Designerstücken. Wir positionieren uns zwischen Anspruch und Erdung, mit nachvollziehbarer Güte, echter Handarbeit und einem klaren Bekenntnis zur Region“, formuliert er die Strategie. „Wir wollen nicht über Exklusivität verkaufen, sondern über Authentizität und Lebensqualität. Unsere Vermarktung zielt auf dauerhaften Wert, nicht auf kurzfristige Kaufanreize.“
Statt Sortimentsbreite und Rabatte setzt Pur Natur auf emotionale Inszenierung, kompromisslose Qualität und vollständige Transparenz. Diese Leitlinie wird durchgängig und eingängig über alle Kanäle transportiert und belegt. Angefangen beim Forst, über die Rohstoffe, die Herstellung bis zum Endprodukt wird darauf geachtet, dass Natürlichkeit und Nachhaltigkeit respektiert und gewahrt sind. Sämtliche Fertigungsschritte liegen in in eigener Hand – „dadurch können wir einerseits unseren Qualitätsanspruch wahren und realisieren, andererseits sind wir unabhängig“ -, auf vermeintliche Leistungssteigerungen durch chemische Zusätze oder Behandlungen wird verzichtet und für die Fertigung ausschließlich Ökostrom verwendet.
Vom Baum zum Boden
Bestes Rundholz, PEFC-zertifiziert, bildet die Grundlage. Pur Natur konzentriert sich derzeit auf das wirtschaftlich ergiebige, harte Nadelholz Douglasie mit seiner einzigartigen, lebhaften Maserung, formstabil und fest, auch für Großformate bis 15 m Länge geeignet und den robusten, derzeit omnipräsenten Laubholz-Klassiker Eiche. Ruthard Männle wählt jeden einzelnen Stamm persönlich aus – ausschließlich nachhaltig bewirtschaftete Bäume zwischen 80 und 120 Jahren, vorwiegend aus dem Schwarzwald, ansonsten aus dem Odenwald, dem Pfälzer Wald, von der schwäbischen Alb oder zu einem kleinen Teil aus den Vogesen. Die jahrelange Expertise hilft dabei, das natürliche Potential der Bäume schonend nutzbar zu machen.
Im Sägewerk kann mit „Elfriede“, einer der größten Blockbandsägen Europas jeder Stamm flexibel bearbeitet werden. „Wir zersägen nicht einfach nur Baumstämme. Wir müssen genau wissen, wo welches Holz liegt, und wir wir am besten drankommen.“ Massivdielen und Starkfurniere für die Dreischicht-Dielen werden aus dem Zentrum des Stammes gefertigt, Schmaldielen und einige Terrassendielen aus den Randbereichen. Das Restemanagement sei durchaus eine Herausforderung, räumt Steffen Männle ein, „das Material ist viel zu wertig und auch zu teuer, um es letztlich als Energieholz zu verwenden, sprich zu verbrennen.“ So werden ausgekappte oder zu schmale Stücke oder solche mit zu hohem Splintanteil schon mal zum Gegenzug verarbeitet. Im Kondensationstrockner mit 16 m Länge, damit auch die längsten Formate von 15 m Platz finden, werden die Dielen und Sägefurniere über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen schonend getrocknet, bevor es an die nächsten Fertigungsschritte geht: besäumen, Äste einleimen, hobeln, kitten, schleifen.
Über den ganzen Prozess hinweg verbinden sich moderne Maschinentechnik, präzise und zuverlässig, und menschliche Kompetenz und Passion für ein optimales Endergebnis. Bestes Beispiel ist die mehrstufige „Astkosmetik“: Stabilität und Erscheinung aller Äste in jeder einzelnen Diele werden händisch geprüft und korrigiert, faule Äste ausgefräst und neue eingeleimt. Für die Dreischicht-Produkte werden die Dielenpakete per Hand gelegt und schonend kalt verpresst – natürlich mit Weißleim. Die Oberflächen sind alternativ unbehandelt, weiß gelaugt, was die Douglasie vor UV-Verfärbung schützt, geölt oder geseift. Die Behandlung mit weißer Lauge und weißer Seife ergibt die hellsten Oberflächen, eine matte, weichgezeichnete Optik und samtig-weiche Haptik.
Aufwändige Handarbeit: In der „Astkosmetik“ wird händisch jeder Ast in jeder einzelnen Diele geprüft und korrigiert.
Künftig werden Produktion und interne Firmenabläufe erleichtert und effizienter: Pur Natur hat nämlich zum Jahreswechsel ein neues Domizil in der Nähe von Offenburg bezogen, wo die Fertigung, bislang in Rheinau in der Nähe von Achern untergebracht, und Verkauf/Verwaltung, zuvor in Zell a.H. im Kinzigtal gelegen, an einem Standort zusammengeführt werden. Das neue Werkslayout mit Sägewerk in einer Halle und Veredelung in einer angeschlossenen zweiten verspricht einen gleichmäßigeren Fluss ohne Unterbrechungen, die klimatisierten Räumlichkeiten sorgen für ein angenehmes Arbeitsumfeld und sind auch gut für das Material Holz.
Social Media als Bühne für echte Geschichten
Auf Instagram und Facebook konnten alle Interessierte den Umzug hautnah verfolgen; das ist explizit das Konzept. „Wir nutzen Social Media nicht zur plakativen Produktbewerbung, sondern als Bühne für echte Geschichten – von Menschen, Produkten und Materialien“, sagt Steffen Männle. „Fast 40.000 Follower bei Insta sind ja kein Zufall, sondern Ausdruck einer Kommunikationsstrategie, die auf Substanz statt Slogans setzt.“
Als Besonderheit hebt er hervor: „Die Inhalte wirken nicht glattgebügelt, sondern glaubwürdig, kein inszenierter Hochglanz, sondern echte Einblicke – das erzeugt Nähe und Vertrauen.“

Besondere Spezialisierung des Jahres 2026