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So liest man eine EPD

Alle Umwelt-Produktdeklarationen sind identisch im Aufbau. Am Beispiel einer EPD für Laminatböden zeigen wir, welche Informationen darin enthalten sind.

Das Datenmaterial zu einer Umwelt-Produktdeklaration ist umfangreich. Damit die Werte für unterschiedliche Produkte dennoch leicht miteinander verglichen werden können, sind alle EPD einheitlich aufgebaut. Sie orientieren sich an der Norm EN 15804 (Umweltproduktdeklarationen – Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte).

Die Gliederung umfasst acht Abschnitte:

1. Allgemeine Angaben
Im ersten Teil einer EPD erfährt man, wer die Deklaration für welches Produkt veranlasst hat. In unserem Beispiel war es Hersteller Parador für Laminat-Fußbodenbeläge. Weitere wichtige Informationen sind die Deklarationsnummer für die Nachverfolgbarkeit, der Gültigkeitsbereich und die Gültigkeitsdauer.

2. Produkt
Der zweite Teil enthält Informationen darüber, wie das Produkt hergestellt, verbaut, genutzt und später entsorgt wird. Zusammen mit den ebenfalls aufgeführten technischen Daten lässt sich daraus ableiten, ob es überhaupt für die geplante Verwendung geeignet ist – ganz unabhängig davon, ob die Ökobilanz stimmt. Dieser Teil der EPD beschreibt darüber hinaus mögliche Umwelteinflüsse in den einzelnen Phasen des Produktlebenszyklus. Dies geschieht jedoch allgemein; die tatsächlichen Umweltbelastungen werden in Teil 5 (Ergebnisse) quantifiziert.

3. LCA: Rechenregeln
Abschnitt 3 legt die allgemeinen Regeln fest, nach denen die Werte für die Umweltbilanz (LCA, Life Cycle Assess­ment) unter „5. LCA: Ergebnisse“ ermittelt werden. Berechnungs­grundlage ist in unserem Beispiel ein Quadratmeter Laminatboden.

4. LCA: Szenarien und weitere technische Informationen
Teil 4 nennt spezifische Werte für die Erstellung der Umweltbilanz unter „5. LCA: Ergebnisse“. Hier werden auch Rechenszenarien aufgeführt für Module, die in dieser speziellen EPD nicht deklariert werden, aber bei einem Bauprojekt eine Rolle spielen könnten.

5. LCA: Ergebnisse
Dieser Abschnitt ist das Herzstück der EPD. Er enthält die Angaben zu den entstehenden Schadstoffmengen sowie den verbrauchten Ressourcen (siehe Lesebeispiel). Dabei wird in fünf Stadien unterschieden, die sich wiederum aus einzelnen Modulen zusammensetzen:

- Produktion (mit den Modulen Rohstoffversorgung, ­Transport, Herstellung; A1 bis A3),
- Errichtung des Bauwerks (Transport vom Hersteller zum Verwendungsort, Montage; A4 und A5),
- Nutzung (Nutzung/Anwendung, Instandhaltung, Reparatur, Ersatz, Erneuerung, Energieeinsatz für das Betreiben des Gebäudes, Wassereinsatz für das Betreiben des Gebäudes; B1 bis B7),
- Entsorgung (Rückbau/Abriss, Transport, Abfallbehandlung, Beseitigung, C1 bis C4),
- Wiederverwendungs-, Rückgewinnungs- oder Recyclingpotenzial (D).

Nicht alle der genannten Faktoren spielen bei jedem Produkt eine Rolle. So ist bei der Nutzung eines Laminat­bodens kein „Energieeinsatz für den Betrieb des Gebäudes“ notwendig. Die entsprechende Kategorie wird in der EPD nicht deklariert und als MDN (Modul nicht deklariert) gekennzeichnet. Als MNR (Modul nicht relevant) gekennzeichnete Module bleiben ebenfalls unberücksichtigt. In unserem Beispiel werden von den insgesamt 17 Modulen schließlich acht in der EPD berücksichtigt.

Welche Umweltbelastungen in den jeweiligen Modulen entstehen, welche Ressourcen verbraucht werden und wie es um Abfall und Recycling steht, wird in drei Kategorien abgebildet. Die Mengen werden in Kilogramm-Äquivalenten (kg), Megajoule (MJ) oder Kubikmeter (m3) angegeben. Achtung: Faktoren mit einem positiven Effekt auf die Umweltbilanz haben ein negatives Vorzeichen.

Die erste Kategorie behandelt „Umwelteinflüsse“ wie etwa die Emission von Treibhausgasen oder die Ver­sauerung von Boden und Wasser. Dazu werden die Mengen entstehender Stoffe wie Kohlenstoffdioxid (CO2), Schwefeldioxid (SO2) oder Stickoxide (NOx) berechnet.

Die zweite Kategorie bezieht sich auf den „Ressourceneinsatz“: erneuerbare/nicht erneuerbare Primärenergie und Sekundärbrennstoffe sowie Süßwasser.

Die dritte Kategorie betrachtet „Output-Flüsse und Abfallkategorien“. Wie viel und welcher Abfall entsteht, was kann man wiederverwenden oder recyceln, lässt sich thermische oder elektrische Energie zurückgewinnen?

6. LCA: Interpretation
In der Interpretation finden sich Erläuterungen zur Ökobilanz aus Abschnitt 5.

7. Nachweise
Liste der für die EPD zu erbringenden Nachweise.

8. Literaturhinweise
Liste der zugrunde gelegten Normen sowie weiter­führende Literatur und Begriffserklärungen.

Thomas Pfnorr


Viele Details statt einer Gesamtnote

Eine Umwelt-Produktdeklaration will nicht werten, sondern möglichst genaue Informationen für jeden Abschnitt im Lebenszyklus eines Produktes liefern. Deshalb steht am Schluss auch keine einzelne Zahl als Note oder eine Empfehlung. Wer eine EPD als Entscheidungsgrundlage für sein nachhaltiges Bauprojekt nutzen will, muss selbst entscheiden, welche Bereiche bei der Bewertung ihm wichtig sind und ob das Produkt mit seinen Eigenschaften in die Gesamtrechnung des Gebäudes passt.

Ein Beispiel: Produkt A ist in der Herstellung besonders nachhaltig, hält aber maximal drei Jahre und muss dann aus­getauscht werden, wodurch wieder neue Umweltbelastungen entstehen. Produkt B ist in der Herstellung weniger nachhaltig, muss aber frühestens nach zehn Jahren ausgetauscht werden. Für welches Produkt sich ein Planer entscheidet, hinge in diesem Fall also von der voraussichtlichen Nutzungsdauer ab. Deshalb ist es wichtig, dass die EPD die Umweltbelastung möglichst differenziert benennt.
So liest man eine EPD
Foto/Grafik: Institut Bauen und Umwelt
Am Beispiel von Laminatböden zeigen wir den Aufbau einer EPD.
So liest man eine EPD
Foto/Grafik: SN-Verlag
Lesebeispiel einer EPD
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